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Plädoyer für einen ästhetischen Radikalismus (art77blog,Nr. 191)

Während ich an dieser Zeichnung arbeitete, lag neben mir eine Notiz zu #Ranga Yogeshvars These einer #„Post-Text“ -Gesellschaft und einem damit verbundenen Verschwinden der Diskurse. Daher der Titel. Da ich Kunst als eine Form von #Kommunikation verstehe, die selbst #„Texte“ produziert, sind solche Thesen schon eine Herausforderung. Zwar sehe ich die Gefährdung der Kunst durch Vermarktung und Pseudo- Theorien , bin aber zutiefst von ihrer „Unschuld“ überzeugt. Ihre Quellen sind noch nicht verunreinigt und nur partiell verschüttet. Sie liegen in jener Urzeit als #Schrift und Bild noch nicht getrennt waren. So hat gute Kunst immer auch etwas von einem gelungenen Text. Den „#fake news“ entsprechend mag es auch „#fake art“ geben, aber ich denke deren Einfluss auf den #ästhetischen „Diskurs“ ist als wesentlich geringer einzuschätzen. Dafür,dass das so bleibt, sorgt eine Art von #„Reinheitsgebot“ der Kunst, das sich auf diese Quellen beruft. In einer Zeit in der #alles gut, alles schön und jeder/jede ein Künstler ist, ist das sehr wichtig. Die künstlerische Sinnfrage und kontinuierliche Neuerfindung, um einen modischen Begriff zu verwenden, fordern neben Kreativität einen gewissen Purismus. Ich denke, dass die empfindlichen Reaktionen der jeweils Herrschenden auf solchen ästhetischen #„Fundamentalismus“ genügend über dessen Wirkkraft aussagen. Bekämpfung und Repression wie im Stalinismus (#„Proletkult“) und Nazi-Deutschland (#Bauhaus) sind dabei ebenso wirksam wie die Entschärfung und Neutralisierung als schickes Dekor.
English Summary
I plead for a radical fundamental esthetic base of art. The right now worldwide celebrated „Bauhaus“ was hated and opressed by the nazis for its democratic power. Today we deprive it of its effect through decorative „abuse“.
Verwirrend transparent (art77blog.Nr.190) | Art77blog
Verwirrend transparent (art77blog.Nr.190) | Art77blog
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Verwirrend transparent (art77blog.Nr.190)

Das ist ein „unbehandeltes“ Foto meiner iPhone-Kamera. Zu sehen ist eine verglaste Atelier-Tür. Die Bilder sind im Atelier, also hinter dem Glas. Davor sitzen drei Männer an einem Tisch. Sie werden im
Glas ebenso gespiegelt wie die Bäume und die Landschaft dahinter. Ich sitze ganz links und habe die Aufnahme während des Gesprächs mit den beiden jüngeren Kollegen gemacht. Warum ich sie gemacht habe? Erstens weil ich das #„Vexieren“, das Verstecken, Verwirren und „An der Nase herumführen“ spannend finde und zweitens weil mich die zusammengeklappte Vielschichtigkeit und Transparenz in diesem Moment besonders angesprochen hat. Die Sache mit dem Vexieren ist eine in der Kunst-und Kulturgeschichte zurück zu verfolgende Unterhaltung; Transparenz, einschließlich Spiegelungen, faszinieren als erlebte Transzendenz unserer Alltagswahrnehmung. Als ein frühes Beispiel denke ich an den kleinen Konvex-Spiegel auf der #„Arnolfini-Hochzeit“ von #Jan van Eyck. Dass diese „Transzendenz“ sehr wohl verwirren kann, ist ein Nebeneffekt der Fotografie, der u.a. längst zu jeder Form der #Manipulation eingesetzt wird.
English Summary
Confusion and Transparency .
When I talked with my son and a nephew in the garden right in front of the studio I noticed a strange „picture“ in the large glass door. We were reflected sitting in the green garden with a tree covered hill in the background. One could see some of my paintings inside the studio. My iPhone-shot was a true picture puzzle based on our limited perception and the reflections in the glass door.
„Metakunst“ (art77blog Nr.189) | Art77blog
„Metakunst“ (art77blog Nr.189) | Art77blog
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„Metakunst“ (art77blog Nr.189)

Als ich neulich das Wort „#Metakunst“ las, meinte ich, dass dieses Wort eigentlich gut beschreibt was mich interessiert und was ich mache. Natürlich stimmte das beim genaueren Studium nicht mehr so hundert-prozentig, dennoch sehe ich da schon meine künstlerische „Heimat“. Das betrifft natürlich meinen ‚alten‘ Freund Jan Steen (1626-1679), dessen Werk ich künstlerisch „aufgemischt“ habe, aber auch meinen Versuch in diesem blog künstlerische Fragen, die nicht nur mich betreffen, mit eigenen Worten und Bildern darzustellen. Bei alldem ging es mir aber nicht um meinen eigenen künstlerischen Zugewinn, sondern um Aufklärung, um die Lust am Fragen: „Wie geht Kunst?“ Das ist keine Schutzbehauptung um schwächere künstlerische Leistungen zu rechtfertigen, sondern um eine Abgrenzung von den großartigen Werken der eigentlichen Metakunst einer Ulrike Rosenbach, Andy Warhol, Timm Ulrich, Brigitte Maria Mayer, Cindy Sherman oder den Filmen von Peter Greenaway u.a.
Lit.
Stoichita, V.I. Das selbstbewusste Bild- Vom Ursprung der Metamalerei, 1998 (franz. 1993)
Zuschlag, Christoph: „Vom Kunstzitat zur Metakunst- Kunst über Kunst im 20. Jahrhundert.“ In E. Mai, K. Wettengl (Hg.) Wettstreit der Künste. Malerei und Skulpturen von Dürer bis Daumier. Katalog München 2002. S. 171-189.
Hans Belting, Siegfried Goht (Hg.) Die Frage nach dem Kunstwerk unter den heutigen Bildern. Karlsruhe 1996
English Summary
„Metapainting“ refers to the Renaissance-art after its turn off from the predominant clerical duties. The art itself became the major issue (Lit:Stoichita: Metapainting). „Meta-art“ means a particular art after 1960 , when artists employed historical art works for their own art (Lit.:Zuschlag). First I thought this is what I do. But than I realized a major difference. My concept is not to create from the Jan Steen- Studies new art works but to enlighten about the works of this 17th century artist with support of my own artistic interventions.
An Rande der Mathematik (art77blog Nr.188)

Ich habe ohne deutliche Absicht mit einem schwarzen Kuli auf weißem Papier gepunktet-„Sand“. Beim Verdichten und Lockern ergaben sich „Höhen“ und „Tiefen“. Offensichtlich war mir das Ganze zu wolkig und mit einem #„Übersprung“ habe ich entlang einiger sich abzeichnender Kanten mit einem Lineal gerade Linien gesetzt. Fast zwingend „verlangten“ einige Rundungen auch entsprechende Kurven-Linien. Wenn ich es richtig verstehe, war das darauf folgende „Einbuddeln“ der Linien in den „Sand“ ein Verankern der Linien im Raum.
Mit einem Blick in #Wikipedia habe ich die mir langsam dämmernden losen Verbindungen zur Mathematik klar gemacht: Kurven sind Gerade, die von der Geraden abweichen. Ein Bogen eignet sich deshalb zum Schießen, weil er nach dem Lösen der Spannung zur Geraden zurück schnellt. Durch mein Rückbinden der Geraden und Kurven an die Sandwolken rückte ich die Kurven in die Nähe zu Krümmungen, räumlichen Kurven. In einer Wikipedia-Notiz wurde die Beziehung der Krümmung über den Raum zur Zeit und die Rolle bei #Einsteins Relativitätstheorie erwähnt.
Jetzt wurde mir mulmig. Ehe mich der Höhenschwindel abstürzen ließ, beschloss ich die Heimkehr zu Farben und Rhythmen. Versöhnliches Ende einer Odyssee im Raum oder beruhigende Landung des Ikarus.
English Summary
Playing around with a ball pen I produced kind of clouds. At a certain point I used straight lines to fix some blurring shapes. Almost naturally followed curves . Now I remembered weakly mathematical definitions up to spacial bendings. In difference to Ikarus I didn’t crash, but flew straight home where colours and rhythms waited.

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Fotografie: Immer noch eine #„illegitime Kunst“?(art77blog Nr 187)

Das für 150 Jahre brisante Thema #, Fotografie und Kunst‘ hat erheblich an Aktualität eingebüßt. Dafür stehen mehrere Gründe. 1. Die Messlatte für Kunst hängt seit #Warhol und #Beuys niedriger und 2. Seit dem Wirken der #Bechers an der Düsseldorfer Akademie konnte man die Kunst-Zugehörigkeit der Fotografie ständig wachsen sehen. Begleitend nahm der Aufwand an Zeit und und Technik zu. Bei #Thomas Demand gehen z.B. der Aufnahme große Modell-Arbeiten voraus und bei #Andreas Gursky werden mit Hilfe von Assistenten und aufwändiger Computer-Technik die Handy-Schnappschüsse des Meisters nachbearbeitet. Gerade solche Beispiele markieren den Abstand zum Reise-oder Familienfoto und letztlich auch den Kunstanspruch.
Eine private Erinnerung ist die i-Phone-Aufnahme, die ich im Eingangsbereich der Tübinger Leonardo-Ausstellung gemacht habe. Mich hat das vom Kurator #Ernst Seidl sicher beabsichtigte Aufeinandertreffen von Maschine, Devotionalien-Kitsch und Antike gereizt. Ich habe das als kurioses Magazin wahrgenommen und festgehalten. Ganz anders bei der „Miniatur“, die ich 2 Tage später begonnen habe. Ich habe 3 Tage an ihr gearbeitet: mit Bleistift-Linien begonnen und später dann Farbstifte verwendet. Bei der „Miniatur“ weiß ich, dass ich berufsbedingt mit Kunstanspruch gearbeitet habe. Im Falle des Fotos überhaupt nicht. Bestenfalls ging es darum den Witz, den ich in dem Arrangement sah, zu konservieren. Dennoch finde ich das Foto ansprechender als meine Zeichnung. Mit Kunst hat das nichts zu tun. Ein Erfolg der nur von ein paar Schlafstunden unterbrochenen täglichen #ästhetischen „Erziehung“ durch die Massenmedien ???

# Pierre Bourdieu, Luc Boltanski u.a. „Eine illegitime Kunst. Die sozialen Gebrauchsweisen der Photographie.“ Frankfurt 1983 ( Paris 1965).
# Dies formuliere ich unter dem Eindruck eines von Ranga Yogeshwar im Rahmen der Mediendozentur 2019 an der Universität Tübingen gehaltenen Vortrags: „Mensch und Maschine- wer programmiert wen?“ (YouTube).
English Summary
The story of the photography begins 1840. The first chapter was a kind of orientation how far he new technique would substitute painting and drawing. The second chapter was focussed on the social impact of the photography specially as mass medium. The last chapter separates the Photo-Art from the daily photo-communication.
Egregio Signore Leonardo…(art77blog Nr 186)

„dies ist kein weiterer Versuch ihnen einen angeblich echten Leonardo unterzujubeln…“ Aber auch die glänzende Tübinger Ausstellung #‚ Ex Machina. LEONARDO da Vincis Maschinen zwischen Wissenschaft und Kunst‘ kommt natürlich nicht ganz ohne Verweis auf das teuerste je verkaufte Bild aus. Mein ‚Nerv‘ wurde durch das Thema „ zwischen Wissenschaft und Kunst“ getroffen. Das Studium des Katalogs und dort besonders die Beiträge von #Frank Stölzl und #Ernst Seidl haben mich eine völlig neue Sicht auf Leonardo gelehrt, nämlich den Wissenschaftstheoretiker. Er, der sich selbst als ungebildet bezeichnete und sich damit vom raffinierten humanistischen Diskurs absetzte, gelang eine #„anthropometrische“ , empirische, den Menschen wirklich zum Maß aller Dinge machende #„relationale“ Neuvermesseng der Welt jenseits der herrschenden #„Metrologie“. Kunst und Ästhetik waren für ihn die Sprache dieser neuen Methode. Und zwar zuerst die Kunst, dann die analysierende und entwerfende Zeichnung und dann viele, viele Texte…Grazie messer Leonardo, sei stato un vero genio, un nuovo „stupor mundi“ !!
#3.Mai bis 1. Dezember 2019, Schloss Hohentübingen. # Frank Zöllner: „Vom Bild zum Text und zurück, Leonardo da Vinci und die Episteme des Bildes“ in: Ernst Seidl, Frank Dürr, Michael La Corte (Hg.) =Katalog zur Ausstellung. # Ernst Seidl : „Das Denken im Tun. Die Zeichnung als Medium der Forschung.“ Ebenda. Weitere Beiträge von Marc J. M. van den Broek, Anna Pawlak, Frank Fehrenbach, Sergiusz Michalski, Frank Dürr, Ursula Schwitalla u.a.m.
English summary
We know Leonardo da Vinci as creator of the „Mona Lisa“ and designer of futuristic machines. From a show at Tübingen (its catalogue) I learned now, that his third important position is that of a developer of a new scientific approach to the world, an „anthropometric one.