Royal flush oder der springende Punkt(art77blog Nr.258)

„royal flush“; Acryl, Marker ©️2020

Warum „royal flush“ und warum „springender Punkt“? Gestern kehrte ich nach einer Runde zu meinen Freunden im Viertel gut gelaunt ins Atelier zurück. Es juckte mich etwas Neues für „blog77art“ zu machen. Der Tag war nicht so gut gelaufen und ich wollte nicht irgendetwas machen. Das Radio einschalten hilft immer. Ein Jazz-Stück wird gespielt. Der Rhythmus fährt mir so in die Knochen, dass ich zu einem dicken, hautfarbenen Molotow-Stift greife und ein Staccato von Rechtecken auf das Papier klopfe. Schon in der ersten Reihe verschiebt sich die Richtung der Melodie folgend und ab da wirken die optische Kontrolle und die Bildästhetik mit. Am Ende wirkte das Blatt schön rhythmisch aber das Rosa war nicht befriedigend. Das galt auch für die gelben Ergänzungen. Die schwarzen Akzente gliederten das Rosa neu und griffen in das „Staccato“ bildhaft ein.
Ganz im Sinne meines #Dachthemas „Wie geht Kunst?“ war der Impuls des Jazz-Stücks, dessen Titel „royal flush“ war (wie ich gerade noch der Ansage,allerdings ohne weitere Informationen, entnahm) auffallend gewesen.

Bei diesen Überlegungen schlich sich der Ausdruck „der springende Punkt“ ein. In der Wikipedia fand ich den Hinweis auf Aristoteles, der in seiner „ historia animalium“ beim Ausbrüten eines Vogeleis nach kurzer Zeit einen ‚springenden‘ Punkt im Eigelb entdeckte und darin erste Lebenszeichen, einer Herztätigkeit vermutete. Solche ‚springenden Punkte‘ kennen wahrscheinlich alle Künstler* und sicher in vielen Erscheinungsformen. Bei mir hat-wieder einmal- der Rhythmus gezündet.

#zum Thema Musik habe ich schon einige Beiträge im art77blog gepostet: z.B. Nr.223,Nr.227,Nr.246

#art77blog.axel-von-criegern.de: „Wie geht Kunst?“ edition cantz,2019

English Summary

I presume that every artist knows ‚trigger points‘, that help to start a work. In my case was it a broadcasted jazz-title „royal flush“, a word that comes from poker. With a fat flesh color acrylic marker I started ‚ dancing‘ on a sheet of drawing paper. The result was nice, but pale. So I took black marker and changed the style of the design. Definitely is the straight rhythm gone and new, picturesque or dramatic elements became predominant. In german is a saying „ der springende Punkt“. I think it means in english „trigger point“. Already Aristotle talks in his „historia animalium“ about a vibrating point in the yolk of bird eggs soon after the birds begin to breed. He means that this is the heart beat, the very beginning of life. I found this a pathetic metaphor for the deciding point of beginning a new art work! Isn’t it?

Unverhofft:Martin von Tours (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.255)

Der Titel dieser Arbeit war nicht geplant, sondern ergab sich nach einer gestalterischen Entscheidung: Teile der vorbereiteten Alu-Platte sollten, wie meistens bei mir, nicht nur herausgeklappt werden, sondern herausgeschnitten und dann wieder eingebunden werden. Ich bemalte eine Partie links unten mit geometrischen Formen in Acrylfarbe. Eine durchgehende Geometrisierung lehnte ich ab und entschied mich für einen Kontrast mit einer schlanken, langgestreckten Silhouette. Allerdings sah ich danach keine Möglichkeit, beide Schwerpunkte zu verbinden. Also schnitt ich die geometrische Partie aus. Die Aufgabe diesen Teil wieder einzu-binden nahm ich wörtlich und band sie mit dünnem Draht an einen Vorsprung. Mit einer Art von „Satteldach“ stabilisierte ich darunter die frei hängende Fahne.
In dieser Phase tauchte, ohne dass ich dafür eine Erklärung habe, in meiner Vorstellung die Figur des Heiligen Martin, Bischof von Tours auf, mit dem ich mich vor Jahren sehr intensiv auseinandergesetzt und sogar einen #“Gänsebischof“, erfunden hatte. Die letzte Arbeitsphase war von der plastischen und malerischen Verbindung der beiden Kontrast-Partien bestimmt. Der arme Martin, der als erster Heiliger 419 n.Chr. eines natürlichen Todes gestorben war, wurde hier als Gans mit Blumenstrauß noch einmal verewigt.

English Summary

This painted aluminium-relief had got its name almost by chance.My real task was to espand a relief as spatially as possible. I cut out a rectangular piece of the metal sheet, which I had painted with bright acrylic colors in geometrical patterns before. Next I tied this ‚carpet‘ with thin metal wire up at a distance of 7cm using a kind of ‚roof‘. Instead of an allover geometrical design I created a strong contrast with a single, slender silhouette.
It was this silhouette that reminded me of Saint Martin of Tours, whom I had dedicated years before a comic book (The goose bisop of Tours), two shows with images and sculptures and an essay in another book.
The final task was to bring the contrasting parts cutting and designing together
.

#art77blog Nr. 22 #art77blog.axel-von-criegern.de: Wie geht Kunst? edition cantz, 2019 # comic „Der Gänsebischof von Tours“,Tübingen o.J. # „Meine Bilder“, Wasmuth 2009,S.196-205

Vom „quixotic“ zum „chaotic“ (art77blog.axel-von-criegern.de, Nr 252)


„Don Quichotte und Dulcinea“, Alublech-Schnitt, Acrylmarker,Lack, 50x32cm.©️2020

Das englische Wort „quixotic“ hat bei mir über die Roman-Figur des #Don Quichotte (Cervantes) die Tür zu einer fantastischen, spielerischen Kreativität weiter aufgestoßen (#art77blog Nr 251). Bei #Edouard Glissant, Kultur und Identität. Aufsätze zu einer Poetik der Vielfalt (Wunderhorn 2013,deutsch,2.Aufl.) entdeckte ich eine weitere „quixotische“ Perspective. In Martinique mit #kreolisch und französisch aufgewachsen, war er ein nachdrücklicher Verfechter der eigenständigen kreolischen, #karibischen Kulturen. Im Unterschied zu den auf verschriftlichten Gründungs-Epen und linearem, logischen Denken aufbauenden abendländischen Kulturen sieht er die karibische Kultur als mündlich und schriftlos, offen, rizomisch, rhythmisch und #„chaotisch“. Chaotisch wird von ihm positiv im Sinne des Unvorhersehbaren in der Welt verstanden. Sehr spannend wird es dort wo er Kino ,Skulptur und wahrscheinlich alle Künste zur „Oralität“ schlägt. Was das Verhältnis der extrem gegensätzlichen schriftlichen und mündlichen Kulturen angeht, sieht er die Notwendigkeit der Toleranz und die Chance des offenen Austauschs.

Für mich ist die Vorstellung von der #Oralität der Kunst verbunden mit einem enormen Erkenntnis-Schritt. Schließlich hatte ich als junger Künstler das „Chaos“ der abendländischen Kunst negativ als Bedrohung erlebt (1960ff.) und Zuflucht in der Geisteswissenschaft, der Linearität des Denkens, Logik und Aufklärung gesucht. Wenn ich nun das Chaotische, Nicht-systemische, Nicht-logische,Nicht-folgerichtige, Nicht-zielgerichtete als gleichwertig positiv verstehen ‚darf‘, dann ist das eine neue Perspektive für unsere Kunst. Der Rechtfertigungsdruck fällt ebenso weg wie das Ranking, willkürliche Qualitätsaussagen und beschämende theoretische Überbauten. Das Chaos ist im griechischen der leere, offene Raum. Wandelt man ein berühmtes #Hölderlin-Zitat „Komm ins Offene, Freund“ in diesem Sinne ab, hieße es : „Komm ins Offene, Künstler!“

English Summary

What I imagined the word „quixotic“ could mean for the artists creativity (art77blog Nr 251) was topped by „chaotic“ reading a booklet by the creol-french author Edouard Glissant about the Caribbean cultures: Kultur und Identität. Ansätze zu einer Poetik der Vielheit (second german translation/ edition,Wunderhorn 2013). He focusses on the extreme differences between written european cultures with their linear thinking and the oral , „chaotic“ caribbean, creole culture. Chaotic means here free of restrictions- creative, impulsive and emotional. For me was it a big surprise that Glissant puts the arts in these cultures on the oral side. I can imagine that contact and exchange are a big chance for both cultures- including the artists.

Michelle Obama, „quixotic“ and art77blog (art77blog.axel-von-criegern.de Nr. 251)

„Quixotic“, , Acryl a.Lw. 50×40 cm, ©️2020

Um mein verblasstes English für art77blog aufzubessern, lese ich gerade #„Becoming Michelle Obama“. Biografien gehören nicht zu meiner Lieblingsliteratur, aber das Buch wurde mir von meiner Enkelin empfohlen. Es ist spannend und das Englisch gut lesbar, bis auf die verflixten schwarzen Löcher in meinem Englisch-Universum. Also eine Doppellektüre: Lexikon und Buch. Um eine bestimmte Art des entspannten Fantasierens des jungen Paares zu charakterisieren, verwendet M.O. das Wort „quixotic“. Ungefähr in diesem Sinn wird es auch in den Lexika übersetzt. Auf die exotische Schreibweise wird aber nicht eingegangen. Für mich war eigentlich klar, dass das mit #Don Quichotte zu tun haben müsste. Jetzt passierte wieder eines der Dinge, die man neutral „Koinzidenz“ nennt. Nach meiner Auseinandersetzung mit Daniel Knorr (#art77blog Nr.249 und 250) , war der „Faden“ bei mir gerissen. Meine eigenen Versuche wieder anzuknüpfen, begannen mich zu langweilen. Die Technik-Begeisterung Knorrs brachte mich dazu mal wieder eine #Leinwand herauzuholen. Die ersten Pinselstriche waren keineswegs aufbauend, also nahm ich „#Gesso‘, eine Reliefpaste zu Hilfe. Kratzer mit dem Pinselstiel und die naiv wirkenden roten Pinselstriche strukturierten das Getümmel. Das passierte genau während ich mir über das Wort „quixotic“ Gedanken machte. Ich begann prompt ein Männchen auf einer Art Pferd zu sehen und zum Schluss noch eine Lanze, die eher wie eine Gabel aussah. Und jetzt stieß ich (endlich) auf den Artikel im „#Meriam-Webster“! So arbeiten Michelle Obama, der Meriam-Webster und art77blog zusammen. Schlagartig fand ich das Bild gut und mein Optimismus kehrte zurück. Sounds quixotic? But it is real!!!

English Summary

After discovering Daniel Knorr and writing about his show at the Tübingen Kunsthalle (# art77blog.axel-von-criegern.de Nr 250) I couldn‘t make it back to my ‚route‘! Eventually a little word showed me the way. In the book „Becoming Michelle Obama“ I stumbled over the word „quixotic“. Dictionaries translate it with something as fantasize or have visions… This didn’t sound negative but easy and playful. My first association ‚Don Quijote‘ was confirmed by the Meriam-Webster. Anyhow, it was this single word that made me play around with acrylic and gesso on a small size canvas. When I decided to finish it happened that I discovered him, the unique Don Quijote on his horse Rosinante as subject of my painting! Don’t ask me why and how.

„Ein musikalisches Diktat?“(art77blog.axel-von-criegern.de Nr.246)

# Kunst und Musik #musikalisches Diktat #art77blog Nr 245,Nr.239, Nr.228, Nr.227,Nr.226, Nr.225, Nr.224,Nr.223 #Rhythmus und Melodie #eigene künstlerische Arbeit #Komposition #Klang der Bilder #Intonation #Artikulation #ästhetische Klassen

Eine „Unvollendete“ , Wachskreiden auf Zeichenpapier, 39x27cm, ©️ 2020

Situation: Schönes Morgenlicht im Atelier. Ich höre Franz Schuberts „unvollendete“ Sinfonie (h-Moll). Wachsmalstifte liegen in Reichweite und laden dazu ein, sie wieder mal zu benutzen. „Es macht mich an“ Schubert zu folgen , auf ihn zu reagieren und künstlerisch etwas „ herauszuholen“. Es ist der klassische Vorgang der Mischung zweier ästhetischer Klassen: der musikalischen und der bildnerischen. Auf den musikalischen Rhythmus reagiere ich lustvoll und dynamisch mit heftigen Strichen. Sie setzen Zeichen und gestalten Zwischenräume („Pausen“). Zeichen werden in das Papier eingegraben. Dazwischen und darunter gelegt weiche Farbwolken. Sie sind im Gegensatz zu den Rhythmen „melodiös“. Die Farb-„Intonation“ ist bewusst heiter, lediglich in der linken unteren Ecke ballt sich ein „Grollen“.
Der „Interpret“ bringt natürlich seine eigenen „Artikulationen ein. Formen und Entscheidungen , die sich in vielen Jahrzehnten in unzähligen Arbeiten geformt haben. So ist das, was manchem ungeübten Auge als Kindergekritzel erscheinen mag, in letzter Konsequenz eine Komposition. Man kann also nicht von einem ‚Diktat‘ sprechen, sondern von zwei „Sin-fonien“.
p.s. Das Verhältnis von Musik und Bild war und ist ein altes Thema, das beide Seiten beschäftigt hat. (Zur jüngsten Geschichte: Karin von Maur, Der Klang der Bilder, 1995). Persönlich interessiert mich zu beobachten wie weit meine Beschäftigung mit diesem Thema meine künstlerische Arbeit beeinflusst:
# art77blog Nr 245 :“Da ist Musik drin“, Nr 239: „Unaufhörliche Transformation“, Nr 228: „ Kunst ohne Handwerk?“ Nr 227:“Es ist der Klang…“ Nr 226:“Klang-Kopf“. Nr 225:“Klangteppich über Bildobjekten“. Nr 224:“Der Klang der Holzskulpturen“. Nr 223:“Da ist Musik drin!“

English Summary

Here is what I watched as I drew with wax crayons on white paper and listened to Franz Schubert‘s „unfinished symphony“. In the bright morning light I chose a brilliant red, blue, yellow, green and pink. I used them to draw a kind of handwriting. The strong rhythm of the music can be seen in the drawing. But there was no correspondence between the ‚letters‘ and the melody. So I put clouds-like patches between and under the ‚letters‘. To dramatic phases of the music I responded with a bundle of nervous lines in the lower left corner. In my opinion, the result shows that neither the music nor the drawing predominate, but a mixture of visual and acoustic elements.

„Ein musikalisches Diktat?“(art77blog.axel-von-criegern.de Nr.246)

# Kunst und Musik #musikalisches Diktat #art77blog Nr 245,Nr.239, Nr.228, Nr.227,Nr.226, Nr.225, Nr.224,Nr.223 #Rhythmus und Melodie #eigene künstlerische Arbeit #Komposition #Klang der Bilder #Intonation #Artikulation #ästhetische Klassen

Eine „Unvollendete“ , Wachskreiden auf Zeichenpapier, 39x27cm, ©️ 2020

Situation: Schönes Morgenlicht im Atelier. Ich höre Franz Schuberts „unvollendete“ Sinfonie (h-Moll). Wachsmalstifte liegen in Reichweite und laden dazu ein, sie wieder mal zu benutzen. „Es macht mich an“ Schubert zu folgen , auf ihn zu reagieren und künstlerisch etwas „ herauszuholen“. Es ist der klassische Vorgang der Mischung zweier ästhetischer Klassen: der musikalischen und der bildnerischen. Auf den musikalischen Rhythmus reagiere ich lustvoll und dynamisch mit heftigen Strichen. Sie setzen Zeichen und gestalten Zwischenräume („Pausen“). Zeichen werden in das Papier eingegraben. Dazwischen und darunter gelegt weiche Farbwolken. Sie sind im Gegensatz zu den Rhythmen „melodiös“. Die Farb-„Intonation“ ist bewusst heiter, lediglich in der linken unteren Ecke ballt sich ein „Grollen“.
Der „Interpret“ bringt natürlich seine eigenen „Artikulationen ein. Formen und Entscheidungen , die sich in vielen Jahrzehnten in unzähligen Arbeiten geformt haben. So ist das, was manchem ungeübten Auge als Kindergekritzel erscheinen mag, in letzter Konsequenz eine Komposition. Man kann also nicht von einem ‚Diktat‘ sprechen, sondern von zwei „Sin-fonien“.
p.s. Das Verhältnis von Musik und Bild war und ist ein altes Thema, das beide Seiten beschäftigt hat. (Zur jüngsten Geschichte: Karin von Maur, Der Klang der Bilder, 1995). Persönlich interessiert mich zu beobachten wie weit meine Beschäftigung mit diesem Thema meine künstlerische Arbeit beeinflusst:
# art77blog Nr 245 :“Da ist Musik drin“, Nr 239: „Unaufhörliche Transformation“, Nr 228: „ Kunst ohne Handwerk?“ Nr 227:“Es ist der Klang…“ Nr 226:“Klang-Kopf“. Nr 225:“Klangteppich über Bildobjekten“. Nr 224:“Der Klang der Holzskulpturen“. Nr 223:“Da ist Musik drin!“

English Summary

Here is what I watched as I drew with wax crayons on white paper and listened to Franz Schubert‘s „unfinished symphony“. In the bright morning light I chose a brilliant red, blue, yellow, green and pink. I used them to draw a kind of handwriting. The strong rhythm of the music can be seen in the drawing. But there was no correspondence between the ‚letters‘ and the melody. So I put clouds-like patches between and under the ‚letters‘. To dramatic phases of the music I responded with a bundle of nervous lines in the lower left corner. In my opinion, the result shows that neither the music nor the drawing predominate, but a mixture of visual and acoustic elements.

Meine „englische“ Krise (art77blog.axel- von-criegern.Nr.211)

„Krisen-Engel“. Aluminium, Acryl. H. 28cm, ©️Axel von Criegern 2019
#“Englische“ Krise hat nichts mit Brexit zu tun, sondern ist hier ein Adjektiv von „Engel“. Krise ist es trotzdem. Als Künstler nervt mich das übliche Engel-Schema. Aber es ist gar nicht so einfach auszubrechen (siehe #art77blog.axel-von-criegern.Nr.210 Der Engel vom Grandhotel). Ohne Flügel und eine Art von menschlicher Figur geht nichts. Dabei zeigten die ersten christlichen Engel-Darstellungen stehende, ernste, flügellose junge Männer. Wichtige Engel wie die Seraphine oder Cherubine hießen Gabriel, Michael, Uriel. (Siehe den Artikel Engel im #LCI, Lexikon der Christlichen Kunst, Rom,Freiburg,Basel,Wien 1974 und #Giorgio Agamben „Die Beamten des Himmels. Über Engel. Frankfurt,Leipzig 2007).
Für unsere Vorstellungen von Engeln sind die in der Renaissance aufkommenden #„Kinderengel“ zuständig. Diese wiederum gehen auf die schon in der griechischen Antike geläufigen #Cupidi, #Amoretten, #Putti zurück.
Im Grunde sind es die modernen weihnachtlichen Stimmungsmacher, die allgegenwärtigen Konsum-Anheizer, die mich als entscheidend durch die 60er und 70er Jahre geprägten Menschen aufregen. Eine Zeitlang habe ich mit meinen Blechengeln eifrig dieses Schema variiert und parodiert. Irgendwann erschöpfte sich diese Lust. Man kann sich inhaltlich, konsumkritisch,religiös mit diesem „Missbrauch“ beschäftigen. Bei meinen jüngsten Engel störte ich mein eigenes, für die Blechengel entwickeltes Schema. Ich begann wieder mit einem Rechteck aus Aluminium- Blech, formte die untere Hälfte konisch wie einen Rock, schnitt diese Form allerdings an mehreren Stellen auf und schnitt insgesamt achtloser drauflos. Entscheidend wollte ich mit der Farbe stören. Ich versuchte den Zwang des Schemas durch einen „wilden“, undisziplinierten Einsatz der Farbe aufzuheben – und bin gescheitert! Vielleicht aber auch nicht: schließlich gab es auch „böse“Engel und Dämonen.

English Summary
I realize that it is hard to criticize the friendly image of the Christmas angels as simple consume promotion. You can imagine protest actions in shopping malls or something like this. As you know my way is different. I want to express my critique through a change of the angel image itself. So I cut the basic shape of an angel out of a sheet of aluminium. Since I have done that very often I could probably do that blindfold. This time I cut less careful as I am used to and I apply acrylic colors in a „wild“ way. But I am not sure whether this is a critical artwork or simply an ugly, „disgusting“ angel.

„Postdigitales Projektbuch“(art77blog Nr 203)

„Der postdigitale Siegeszug der Ästhetik“ .Schwarzer Kugelschreiber, 21x20cm, ©️Axel von Criegern 2019

“Es macht mir Freude, in diesem postdigitalen Projektbuch zu blättern und zu lesen.“ schrieb ein junger Kollege zu #art77blog.axel-von-criegern.de „Wie geht Kunst?“ (edition cantz,2019) – ein toller Begriff! Was kann man sich mehr wünschen? Dabei hatte ich beim Abenteuer Medienwechsel erhebliche Zweifel. Wer weiß schon, ob die mit dieser Medien-Operation verbundenen Anstrengungen lohnen?
In gewisser Weise spielt sich ähnliches bei meinen Vorbereitungen der Ausstellung zum selben Thema #(Wie geht Kunst? Kulturhalle und Künstlerbund Tübingen ab 18.10., Vernissage 17.10. 19Uhr) ab. Die erste Phase war von Zweifeln, was das Konzept angeht, geprägt. Das hat sich fast täglich verbessert. Der Akzent verlagert sich von der Idee ‚Reflexion mit Text und Bild‘ zu den Arbeiten und ihrer Präsentation. Noch sehe ich etwas irritiert, wie meine anfängliche Idee nicht realisierbar wird, sondern durch ein „best of“ verdrängt wird. Hoffentlich springt das für die Ausstellung geplante Studienkabinett mit meinen Schriften der letzten 50 Jahre in diese Bresche. Das Ganze- übrigens auch das Beitragsbild, das zu diesem Thema entstand-sehe ich im Zusammenhang mit den Entwicklungen, die wir in den späten 60er und frühen 70er Jahren durchgemacht haben.

English Summary
A much younger collegue branded my right now published book „Wie geht Kunst? (How is art?) , edition cantz 2019 as postdigital ‚Projektbuch‘. I must confess that this positive acceptance liberated me from a whole bunch of self doubts. By the way: I watched the postdigital turn right now preparing the one man show „Wie geht Kunst?“( Kulturhalle und Künstlerbund Tübingen. Opening 17. Oct. 19:00h). I realized that it was impossible to transfer ‚reflections of an artist‘ to an art show. The esthetic value of my work became more and more predominant. My plan is to install a kind of studio with my books, essays and papers of the last 50 years . Maybe that makes some visitors wonder…

Dank an Professor Dr.# Ansgar.Schnurr von der JLU Giessen

„Auf Augenhöhe“ (art77blog.axel-von-Criegern.de Nr 200)

Entwürfe für die Ausstellung #„Wie geht Kunst?“ in der Kulturhalle und im Künstlerbund Tübingen (ab 18.10.).

Gestern kam Maks Dannecker vorbei um als „ambulante #Kuratorin“ meine aktuellen Planungen der Ausstellung „Wie geht Kunst?“ zu diskutieren. Abschließend hob sie hervor, dass alle Exponate „#auf Augenhöhe“ wären. Eine hier ungewöhnliche Formulierung. Es war deutlich, dass sie nicht die Hängung auf Augenhöhe meinte, sondern das Vermeiden jeder Hierarchie oder Hervorhebung einer einzelnen Arbeit. Tatsächlich präsentiere ich die Arbeiten in gleichwertigen Räumen in Form gleichwertiger #‚cluster‘. Eigentlich sind es 6 Ausstellungen (Cluster) in 2 Räumen. Die in der #Künstlerbund-Galerie gezeigten Arbeiten zu #art77blog.axel-von-criegern.de sind und waren der Anstoß für das Thema der gesamten Ausstellung. Das Medium und der wöchentliche Rhythmus des blogs lassen keine Ungleichheit zu. Bei der #Kulturhalle Tübingen ging es darum mehr als 60 Jahre Kunst-Leben zu vermitteln ohne Arbeiten #chronologisch aneinander zu reihen oder nachträglich eine so nicht erlebte Dynamik und Bewertung zu konstruieren. In den 6 Clustern dominierten Fragen der Präsentation. Sie unterstützt die die Objekte verbindende, jeweilige Thematik : Theorie in unterschiedlichen Ausformungen/ Formkonstanz und Themenbreite bei Holz/ Metall: Von der Fläche zur dritten Dimension in verschiedenen Projekten/ Das Thema ‚Bild‘ in seiner vielfältigen Ausprägung: #Petersburger Hängung/ #Jan Steen (1626-1679) und die breite #ikonologische und künstlerische Auseinandersetzung. Zurück zur „Augenhöhe“. Sie ist auf keinen Fall mit formaler Angleichung ohne thematische Differenzierung zu verwechseln . Sie funktioniert nur als nachvollziehbare inhaltliche Entsprechung. In diesem Sinne habe ich die Feststellung der „Augenhöhe“ positiv verstanden.

Das Thema ‚Augenhöhe‘ als Prinzip des blogs lässt sich im Buchformat besonders deutlich erkennen:
art77blog.axel-von-criegern: Wie geht Kunst?, edition cantz, 2019.

English Summary
A friend characterized my exhibition preparations as „at eye level“. She didn’t mean hanging pictures on eye level but used it as a metaphor. She noticed that I tried to provide ‚equal rights‘ for everything in the show. Maybe that the concept to organize the exhibition in „clusters“ supports this effect of „at eye level“
.

„Wie geht Kunst?“ (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.199)

Erscheint Ende August in der edition cantz : #art77blog.axel-von-criegern.de: „Wie geht Kunst?“

Als ich für die Programmplanung der Kulturhalle Tübingen einer im Oktober/November dieses Jahres stattfindenden Ausstellung einen Namen geben sollte, schlug ich keck „lebenslänglich“ vor. Dabei hatte ich keine große Retrospektive im Kopf, was bei einer Geburtstags-Ausstellung nahe gelegen hätte, sondern meine Bindung an die Kunst seit der Schulzeit. Im Zusammenhang mit meiner Arbeit am art77blog und einer Buchveröffentlichung (s. Foto) änderte ich den Namen in „Wie geht Kunst?“ Dieser neue Titel geht entschieden einen Schritt weiter. Natürlich können Antworten auf diese Frage nur exemplarisch und aus der Sicht einzelner Kunst-Menschen gegeben werden. Aber da gibt es immer einen heißen Kern: Wir bestehen auf unserer Selbstbestimmung und sind doch überzeugt, dass es Minimal-Regeln für Kunst gibt. Diese Spannung ist wesentlich für die moderne Kunst. Sie ist der ‚Spielraum‘ nicht nur für die Kunst- Produzent*en, sondern auch für Betrachter*, Galerist*en, Kunsthändler*, Kurator*en und Kritiker*. Aus dieser Spannung heraus entstehen weltweit täglich Kunstwerke. Da kann man schon einmal fragen „Wie geht Kunst?“

English Summary
Asked to name a coming up one man show I chose the title „ lifelong“. I thought playing with ‚life punishment‘ matches the chaines of artists bound to their passion. Looking back to my reflections in „art77blog“ I decided to call it „How does art work?“. Of course it is a mockery, because we know that there is no answer to this stupid question. But I am influenced by my work with „art77blog“ and its weekly afforded reflections. And I realize how much we are bound to the never ending challenge of bringing together our ‚selves‘, the call for selfdestination
and the unstable esthetic laws.
Even the artists have to answer to this question- by their work.