„My Graphic Novel“: Bestandsaufnahme nach 10 Seiten (art77blog.axel-von-criegern.de Nr. 273)

Der Vorteil meines wöchentlichen blogs liegt darin, dass ich immer eine verlässliche Periode habe um die Weiterarbeit zu überdenken und den nächsten Schritt zu machen. So sind nach meinem heutigen Verständnis die ersten 9 Seiten eine Reaktion auf #Yuval Hararis Buch ‚Eine kurze Geschichte der Menschheit‘ und die von ihm unterstützte #Graphic Novel ‚Sapiens‘. Bei den Überlegungen wie denn meine Graphic Novel aussehen könnte, wurde ich auf meine grafischen Erzähler- Qualifikationen gestoßen. Die liegen (wenn überhaupt) im weiteren BildBereich. Also ging es darum, sie näher zu bestimmen. Eine spannende Erfahrung!! Ich denke, dass die „Urschlamm“ -Versuche noch viel mehr hergeben würden, aber das greift mir im Moment zu kurz. Schließlich ist meine größte Resource die Kunstgeschichte in Form ikonologischer Forschung, didaktischer und eigener künstlerischer Praxis. Schon beim Versuch einer Auflistung wurde allerdings erkennbar, dass das auf eine konventionelle Werkbiografie hinauslaufen würde. Nächster Ansatz: nur wenn es gelingt, diese Erfahrungen zu verallgemeinern und mit treffenden Beispielen zu belegen, kann man damit etwas anfangen.

Bei dem Versuch zu verallgemeinern und mit Beispielen zu belegen, kam ich zu diesem Konzept: 1. „Urschlamm“ (Beispiel art77blog Nr 272)
1.1. „Vom Urschlamm zu Bildzeichen“ Nr. 273, heute)
2. Kunstgeschichte
2.1. trivial, alltagstaugliche Bildgeschichte. ( Eine Fotoreportage im „Stern“)
2.2. Forschungshintergrund, werkzentriert (Jan Steen, Fröhliche Gartengesellschaft, Metropolitan Museum, New York).
3. „Open End“
3.1. Variationen, Assoziationen
3.2. große Bildkomplexe, Bildprogramme ( Beispiele aus meiner „Tuwologie“).

Das klingt nun viel gefestigter und abgeschlossener als es sein kann!
Viele materiale, stilistische, mediale, technische, thematische Überschneidungen und Varianten sind vorstellbar!
Eine erste Kostprobe ist die Montage aus sehr unterschiedlichen Auseinandersetzungen mit kunstgeschichtlichen Vorgaben. Heute nennt man das missverständlich „Ikonen“.

Ob das nun für eine „Novel“, eine Geschichte oder Erzählung, ausreicht, weiss ich (noch) nicht. Jetzt muss erst einmal ‚in die Hände gespuckt werden‘😉!

English Summary
If you remember I started my thinking of a new type of Graphic Novel with a critical look at Hararis ‚Graphic Novel‘ „Sapiens“. As ‚graphic author‘ I had to think about my artistic base and experiences I could rely on. .

1. I love all kind of puzzle images.
2.Art history in a various, wide spread use between popular commercials, illustrations and research.
3. I have some experiences with practical iconology and exploiting a single subject in almost endless variations (‚open end‘).

But how to go on? Take this alteady for a content or method and tools for something else. Seriously I don’t have an idea. I start with presenting the various possibilities and hope that inspiration will grow.

„My Graphic Novel“, Chapter 4,page1: „Urschlamm“ (art77blog.Nr.272)

Bemerkung zum Konzept „My Graphic Novel“:

Als ich meinem Erziehungswissenschaftler-Freund Ludwig Liegle am Telefon erzählte, dass ich mich als Nächstes in meinem grafischen Roman als grafischer Autor selbst vorstellen wollte, murmelte er „also eine Art Autografie“. An diesem wunderbar treffenden Wort kam mir etwas nicht geheuer vor. Es heißt tatsächlich etwas ganz anderes als wir beide darunter verstanden hatten (verstehen wollten), nämlich das lithografische Umdrucken mit Papier. Ich konnte aber die Analogie zu Monographie nicht vergessen. Also: „Attempto!“ wie man in Tübingen sagt.

Alle bildnerischen Bereiche, in denen ich aktiv war und bin, habe ich auf 3 Themen reduziert:

  1. Vorgefundenes, Zufallsfunde, Naturstudien grafisch deuten. Stichwort „Urschlamm“ (#art77blog, Nr. 271 -vergangene Woche)
  2. Den Hang zur Gesamt- Gestaltung . Ein Beispiel ist eine ´Tuwo` genannte Figur, die ich seit über 50 Jahren begleite. Stichwort: „Tuwologie“.
  3. Beobachten und studieren des Weiterlebens der Kunstgeschichte in der aktuellen Bildkultur. Stichwort: #„Ikonologie“.

Dabei bleibe ich dem „Autografischen“ soweit treu, als ich durchgängig mit eigenen, grafischen Annäherungen arbeite.

Bei der Arbeit am obigen „Urschlamm“-Blatt drängte sich mir immer wieder der Begriff „#Vexierbild“ auf. Ich zeichnete drauf los und beobachtete wie völlig ungeplante Figuren, Gegenstände, Szenen u.a.m. aus dem grafischen „Nebel“ auftauchten. Da lag die Frage nicht zu weit entfernt, ob nicht alle unsere Bilder Niederschläge eines unendlichen kosmischen, göttlichen Vexierbild sind? Das würde allerdings unsere Vorstellungen von Realismus, Naturalismus, Mimesis, Ästhetik ins Wanken bringen. Das ist kein beruhigender Gedanke. Aber schließlich heißt „Vexierbild“ wörtlich Ärger-Bild, weil es unsere Gewohnheiten irritieren will.

Englisch Summary

I thought it would be fair to introduce myself as author of a pure „Graphic“ Novel with my basic techniques and subjects. I compiled 3 bundles. The First is based on look and studies of any kind of coincidences. The second has to do with my holistic approach, the total work of art. And the third one is a very personal interpretation of „iconology“. Working on the todays drawing I digressed again and again to Picture Puzzles. Finally I decided that watching coincidences causes very often confusion.

My Graphic Novel: Woher kommen die Bilder? (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.271)

Motive aus dem „Urschlamm“. Tusche laviert, Grafit, Finemarker. 2021

Die Frage nach der Herkunft der Bilder ist modern. Über Jahrtausende liess die im weitesten Sinne kultische Anbindung der Bilder diese Frage nicht aufkommen. Voraussetzung war die Säkularisierung des Bildes, das es zum ersten Mal jedem anderen Gegenstand wissenschaftlichen Interesses gleichstellte (#Hans Belting). Für die Künstler*innen bedeutete das, dass sie die neuen Bilder erst erfinden mussten und müssen. Diese Vorstellung einer „schöpferischen“ Leistung ist für mich persönlich wichtig. Sie trifft auf alltagstaugliche Aussagen, wie die, dass wir nur sehen, was wir wissen oder kennen(#Goethe). Das mag banal klingen, spielt aber bei meinen Überlegungen zu einer grafisch konzipierten Geschichte eine wichtige Rolle. Schließlich ist man in diesem Fall Autor und sollte sich sehr wohl über seine Ressourcen Klarheit verschaffen.

Ich bin so eingestiegen, wie wir es vom neugierigen Blick auf beliebige bedeutungslose Oberflächen-Muster kennen, in denen wir Fabelwesen, Gestalten, Gegenstände erkennen. Mit verdünnter schwarzer Tusche, Spuren von Lappen und Gittern, gewischt und gepunktet, entstand ein ungeordnetes Muster. Und wie unser suchender Blick über solche Muster streift, ließ ich einen Grafitstift über das Papier streifen und tastete mich an etwas auffallende Kanten oder Punkte heran. Mi einem o,2 mm Fineliner, setzte ich dann Akzente.

Dieser Prozess lässt sich tatsächlich mit dem oben beschriebenen Suchspiel vergleichen. Allerdings nahm ich das Spiel insofern sehr ernst, als sich bei mir immer mehr die Vorstellung festigt, dass alle, historische und aktuelle Bilder, letztlich aus einem „Urschlamm“ kommen. Phantasie, Ideologien, wissenschaftlicher Fortschritt, Befindlichkeiten, Kultur- und Umwelteinflüsse, Verwendung und handwerkliches Geschick u.v.a.m. bestimmen die Qualität der Produkte. Natürlich unterliegt auch diese Überzeugung Voraussetzungen. Bei mir waren das Untersuchungen zum Verhältnis von Bild und Sprache, mein Studienschwerpunkt Grafik und Illustration, die bildhauerische Beeinflussung durch den Vater und nicht zuletzt mein Kunstgeschichts-Studium mit dem Schwerpunkt Ikonologie als Methode und Barock als Zeit. Dazu kam die spannende Diskussion der Frankfurter Schule mit dem besonderen Interesse an der Alltags-Ästhetik. Ein Merkmal der Ikonologie ist die Bereitschaft nicht nur die Literatur, sondern alle kulturellen Einflüsse auf die Bildentstehung in Erwägung zu ziehen. Und letztlich muss ich auch meine langen Lehr-Erfahrungen mit Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Herkunft nennen. Meine Annahme ist also dieser diffuse Hintergrund, aus dem Vorstellungen und Bildwerke entstehen.

Ich denke, dass auch im frühen Stadium der Erarbeitung der ersten Seite dieses Kapitels bereits erkennbar wird, was noch zum „Bild“ fehlt. Mir ist jedenfalls schon klar, dass ich gliedern, rhythmisieren und den gleichmäßigen Fluss unterbrechen muss.

Englisch Summary

After the first three chapters of my Graphic Novel, I realized a gap, an abyss without knowing how to continue. After a while I thought about the job of a writer. She or he has to be aware of her or his basic qualities . So I started to think as a `graphic writer`. In a first step I got to clear my imagination of an undefined hazy ground as base of all existing images. From this „Primal Mud“ start all art activities. The challenge for the following pages will be to cheque more specific and personal chances and decisions.

+Hans Belting hat mehrere Bücher zur Kulturgeschichte des Bildes verfasst. #vergl. Ähnliche Beiträge in art77blog.axel-von-criegern.de: Wie geht Kunst? 2019 #Graphic Novel, #Ikonologie #Frankfurter Schule

„My Graphic Novel“, chapter 3,page3 :Gegensätze (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.270)

Immer wieder Schrift-Berührung ©️2020

Am Beispiel der Graphic Novel ohne „Script“ erfährt man die ganze Wucht der ‚grafischen Verantwortung‘ bei der #reinen Bildkommunikation.
Nach den lebhaften Seiten 1 (Comic) und 2 des 3.Kapitels wollte ich nicht so aufgelöst weiter machen.

My Graphic Novel Chapter3,page 2 ©️Voncriegern 2020

Also begann ich links mit großen,farbigen Formen, an die sich blasse Pinselstriche anschließen. In diese haben ich mit krakeligen Tusche-Strichen und einem roten Marker hineingezeichnet. Rechts davon, in der Mitte der Seite, stehen kompakte, ‚archaische’ Zeichen, die aus mit Grafit abgeriebenen Oberflächen gebildete, entstanden sind. Mit ,Augen zu‘ legte legte ich über diese drei Partien Linien mit rotem Marker. Für mich war das eine ‚kalligrafische’ Schicht. Von dort sprangen meine Gedanken zur „#Signatur der Dinge“ (#Paracelsus 1493-1541), die später in anderen Formulierungen und kritisch weitergedacht bei #Goethe, #Kant, #Schelling bis #Bloch auftauchten . Die Naturbeobachtung von Wolken, Wasserströmungen, Sturm u.a. der Renaissance-Künstler ist die künstlerische Entsprechung. Nicht aus naturwissenschaftlichem, sondern ästhetischem Interesse füllte ich das letzte Drittel der Seite mit Abreibungen von Oberflächen und betonte dabei die besondere ,Zeichnung‘ dieser Oberflächen. Die Beschriftung mit „natürlich“, „heroisch“, „manufakturell“, „typographisch“, „destruktiv“ und „kalligraphisch“ spielt auf Schrift-Charaktere an.
Und wie gehts im 4.Kapitel weiter? Es ist ganz natürlich, dass man während des letzten Abschnitts an die Fortsetzung denkt. Das neue Kapitel könnte sich deutlich mit einem meiner „großen“ Themen beschäftigen: der künstlerischen Auseinandersetzung mit historischen Bildern und deren aktuellen Beziehungen. Mal sehen ob ich da etwas hinbekomme.

English Summary

„My Graphic Novel“ becomes more and more literally „my“ thing. Starting with a critical approach to a so-called „Graphic Novel“ based on Yuval Hararis ‚A Brief History of Mankind‘ my ‚novel‘ made my personal artistic problems to its real content. The last ‚chapter‘ performed in 3 steps graphic actions between picture and letters.



„My Graphic Novel“, chapter 3: Künstlerischer Übermut oder Ding der Unmöglichkeit? (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.269)

My Graphic Novel. Chapter 3,pages 1,2 ©️Von Criegern 2020

Es gibt Situationen, in denen ich mich nur mit „blöder Hund“ beschimpfen kann. #Äsop erzählt in einer Fabel von einem Hund mit einem großen Knochen. Er meint im Wasser einen anderen Hund mit einem größeren Knochen gespiegelt zu sehen . Voller Gier schnappt er nach diesem Trugbild und verliert dabei seinen eigenen Knochen. Obwohl ich seit Urzeiten weiß, dass #Text und Bild aus verschiedenen „Welten“ stammen, will ich mich nicht damit abfinden. Immer wieder „buhle“ ich um die Möglichkeit einer spannungsfreien Kommunikation zwischen und mit beiden. Immer wieder stelle ich mir #steinzeitliche Idyllen vor, in denen die Offenheit von Sprache, Schrift und Bild noch gegeben war. Die Realität lässt aber nur den Schluss zu, dass das Wesen Mensch (homo sapiens) nur mittels einer Dualität von Sprache und Schrift entstehen konnte. Bilder gehörten zur Kultur, zur Milderung sprachlicher Sprödigkeit. Ich erlaube mir das so lapidar zu behaupten, weil ich wie Äsops Hund immer wieder meinen Knochen im vermeintlichen Kampf verloren habe.
Diese Erinnerungen holen mich jetzt wieder mit meiner #“Graphic Novel“ ein, wobei der Begriff selbst schon eine Falle ist. Es sind eben keine Romane, sondern Bilder zu Texten. Basta! Zum Glück gehöre ich zu der Sorte von Unverbesserlichen, die sich von Tiefschlägen rasch erholt und sagt: „na dann eben nicht Bildroman , nennen wir es Bilderfolgen!“ Wenn man an die großen #Bilderfolgen in der Geschichte denkt, ist auch die Vorstellung von Texten, die durch Bilder vertreten werden, erlaubt. Man denke nur an die „#Bilder-Bibeln“ für Analphabeten, bzw. nicht sprachgebildete Menschen. Aber zuerst sind die Mythen ausgeformt und dann folgen die Bilder.

Damit das nicht zu resigniert klingt: Mich treibt die Vorstellung des komplett gebildeten Menschen jeden Tag an. Ich rechne damit, dass ich auch weiterhin manchen Knochen verliere und dabei aber vergnügt lachen kann: auf ein Neues!

Natürlich betrifft das meine gegenwärtige Dauerbeschäftigung mit einer #„Erzählung“ ohne Worte . Schon die Begriffe „#Kapitel“ und „#Seite“ sind von der Schrift abonniert. Ich habe keine Begriffe, die die Abfolge meiner Bilder allgemein nachvollziehbar machen. Dabei wäre das Wort ‚#Begriff‘ durchaus von seinem Ursprung ‚greifen‘ her auch anders zu verstehen. Ich werde noch ein paar ‚Seiten‘ weiter arbeiten: künstlerisch, intuitiv und soweit wie möglich gut! Denn eine offene, transparente, #hierarchiefreie Kommunikation von Bildern und Texten gibts nicht von allein und umsonst. Die gegenwärtigen Probleme der digitalen Bildungsarbeit machen das überdeutlich!!

English Summary

It had to happen! As long as I continuously and stubborn hold on to bring together picture and text on a common, equal level, it has to happen again and again. Meanwhile I understand that beginning with the hybrid Graphic „Novel“ we must focus much more on specific artistic criteria and vocabulary. So I must confess that when in „chapter“ 3 „page“ 2 follows page 1 there is an enormous lack of consequence. I just did it in my personal interest in entertaining and playing and with my tools and craft. And there is no other way than to go on and reflect my actions. Maybe that one day

„My Graphic Novel“: Eine Sackgasse? (art77blog.axel-von-criegern. Nr. 268)

„My Graphic Novel“ chapter 2, p.1-3 ©️Art77blog 2020

Meine Kritik am Comic (auch „Graphic Novel“) „Sapiens“ nach Yuval Harraris „Kurze Geschichte der Menschheit“ (art77blog Nr.264) führte mich zu einem Gegen-Entwurf. Bilder mit Sprechblasen sollten nicht eine flache,absolut unangemessene, Popularisierung eines schwierigen Textes sein, sondern selbst diese Geschichte in einer eigenen, anspruchsvollen Form wiedergeben. Dabei hatte ich vor allem die jüngeren japanischen und französischen Comic Novels mit ihrer eindrucksvollen Bildregie und hochwertigen graphischen Gestaltung im Auge. Nach 2 Kapiteln mit 6 Seiten muss ich eingestehen, dass ich zu hoch gegriffen habe!!!! Erst auf Seite 6 wird die grafische Entsprechung zur Menschheitsgeschichte Harraris erkennbar- und endet mit dieser Seite. Dieses Blatt nimmt zwar mit 30 Panels die Geschichte (Narrativ) des Text es auf, bleibt aber piktografisch und damit weit weg von seiner vielschichtigen Struktur. Als ich im Blogpost Nr.266 von „My Graphic Novel“ sprach, war mir noch nicht klar, wie sehr dieses „mein“ im Zentrum stehen würde. Es sind meine Motive, meine grafischen Entscheidungen und es ist mein Bildnarrativ. Um den Bezug zu Harraris Buch zu verstehen, bräuchte es einer ‚Gebrauchsanweisung‘ . Das wäre dann ein Meta-Text mit Bildern zur ‚Kurzen Geschichte der Menschheit‘. Ich werde bei der Fortsetzung nicht darum herumkommen, in eine Sackgasse zu geraten. Allerdings in der Hoffnung, dass da doch noch etwas mehr herauskommt.

English Summary

I realized that my model of a grapic novel was hard to understand, I started to talk about „my graphic novel“ (art77blog Nr.266). To make my concept acceptable I should add a kind of „meta-text“ explaining what I wanted. Now I am asking myself whether I should stop my experiment or go ahead. This ambivalence matches our actual feeling quite well, doesn’t it?

#Graphic Distancing:My Graphic Novel, Chapter 2 (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.267) | Art77blog

#Graphic Distancing:My Graphic Novel, Chapter 2 (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.267) | Art77blog
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#Graphic Distancing:My Graphic Novel, Chapter 2 (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.267)

“My Graphic Novel“ Chapter 1 and 2“©️Von Criegern 2020

Je länger ich an diesem Projekt arbeite, desto mehr ‚Problemzonen‘ tauchen auf. Nur zur Erinnerung: Der Auslöser war meine Kritik an der Comic-Bearbeitung des Buches „Kleine Geschichte der Menschheit“ des Historikers Yuval Harrari (art77blog Nr. 264, 265,266). Dabei spielte der Begriff „Graphic Novel“ eine Rolle. Besagtes braves Comic hat nach meinem Verständnis nichts von einem ‚grafischen Roman‘. Angeregt von Harraris spannender Geschichte, habe ich eine nicht illustrierende, sich lediglich aus dem grafischen Geschehen entwickelnde Form vorgeschlagen. Auch wenn ich jetzt erhebliche Probleme habe, bleibe ich bei der Vision einer textfreien Blattfolge. Allerdings habe ich die Bindung einer sochen ‚freien‘ Graphic Novel an Texte und Narrative unterschätzt. Bisher sah ich das aus unseren Lese-Gewohnheiten erklärt. Jetzt kommen mir aber Zweifel, was den „Sinn“, bzw Struktur und Leistung unseres Gehirns angeht. Können wir überhaupt die ausschließlich grafische Bilderfolge „lesen“ oder hat sich das Gehirn in der Evolution ausschließlich sinn-und textbezogen geformt ? Ist der grafische „Text“ meine ganz subjektive Vision ? Ausgelöst hat diese Zweifel das letzte Blatt des zweiten Kapitels, das mir die Abhängigkeit von Harraris Gedanken deutlich machte. Das Kapitel hatte ich mit dem erklärten Ziel begonnen die Bildelemente deutlich einzeln zu artikulieren und so vom ersten Kapitel mit seinen Bildteppichen zu unterscheiden. Ohne das wirklich zu kontrollieren, bin ich dann immer näher an Harraris Gedanken ‚herangerutscht‘. Meine Bilder im zweiten Kapitel sollten die Herausbildung der „Gesellschaft“ gedanklich und auch grafisch zum Inhalt haben. So steht der Baum im zweiten Bild für eine ungeregelte Gesellschaft. Bild drei sollte Regulierung und Ordnung wiedergeben.

Jetzt geht es beim Fertigstellen dieses Blattes mit Hilfe der grafischen Möglichkeiten darum von dem Entwicklungs-und Erzählschema wieder zur grafischen Eigenständigkeit zurückzukehren. MehrGraphic Distancing“ ist angesagt!!

English Summary

The second „chapter“ of my Graphic Novel showes how difficult it is to develop a „text-free“ novel. Without being aware of it I drifted towards the story of Yuval Harrari „A brief history of mankind“. (#art77blog Nr.264,265,266)). In my first chapter I refer to „myth“ and „fiction“. The subjektiv of the second chapter is „society“. It starts with human individuals, continues with a tree from human bodies and tries to find a sign for a totally structured society. Therefore I employed a grid .30 panels were filled with signs of social developments (in work). This is too much, I have to take care for more graphic ‚distancing‘!

My Graphic Novel, page 3: context (art77blog.axel-von-criegern.de. Nr.266) | Art77blog

My Graphic Novel, page 3: context (art77blog.axel-von-criegern.de. Nr.266) | Art77blog
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My Graphic Novel, page 3: context (art77blog.axel-von-criegern.de. Nr.266)

My Graphic Novel, page 3; 41x55cm, blackliner, Aquarell ©️Axel von Criegern 2020

So kühn (vermessen?) meine Idee ist eine Graphic Novel ohne Thema und Text zu entwickeln, zeigen sich doch schon auf der dritten Seite erhebliche Probleme. Ich denke selbstverständlich an eine fortlaufende Geschichte-aber wie und durch was fügen sich die Seiten aneinander? Ist es eine durchgängige Technik oder eine „Heldin“ bzw. „Held“, die die Seiten zusammenhält? Gibt es so etwas wie einen graphischen #„Metatext“, z. B. durch den Wechsel der Techniken, Formate, Stile, Akteure? Vorerst blieb ich auch bei der dritten Seite bei meinem ungeplanten Vorgehen Blatt an Blatt zu fügen und einen blackliner 0,2 mm für die Zeichnung zu verwenden. Bei S.2 (#art77blog 265) hatte ich mit einer Sepia-Lasur ein neues Element eingeführt. Hier sah ich nun eine gewisse Notwendigkeit bei Seite 3 weiterzumachen. Kann das ein durchgängiges Stilmerkmal werden? Eine ganz andere Frage ist, ob es nicht ein falscher Ehrgeiz ist, jede Seite für sich zu komponieren oder ob es nicht besser wäre, wie bei einem Puzzle, Anschluss-Lücken vorzusehen? Ziehe ich die Kunstgeschichte heran, finde ich auch kein Modell. Ägyptische Totenbücher, assyrische Reliefs, römische. frühchristliche Kunst, der Teppich von Bayeux, mittlalterliche „biblia pauperum“, Totentänze: alle themengebunden. Berührungspunkte sind zwar Blattfolgen wie bei Goya ( „Capriccios“) , Daumier u.a., aber sie haben nicht den Anspruch der fortgeführten Erzählung…

Ich werde dreist bleiben müssen wie von Beginn an und die imaginierten Betrachter/ Leser dazu nötigen sich Gedanken zu machen, was ein Blatt mit dem vorhergehenden zu tun hat. Zumindestens im Internet kann das ja von jeder und jedem folgenlos verweigert werden😉!

Pages 1-3

English Summary

I still don’t know whether my imagination of a Graphic Novel as sequence of graphic designs without a subject and text was brave or simply stupid (#art77blog Nr. 264,265). Page 3 made me think about a lot of problems: how to connect the pages and look at them as one book? What is the mortar to hold them together? Is it style, craft and technique, a heroe or is text a must? I really don’t know. Comforting is that no editor is waiting for a bestseller and that the media user is free to look or not, to agree or refuse😬