Sorry Mr. Hölderlin! (art77blog.Nr.220)

1965: Notiz zu einem #„Bohnenfest“ von #Jan Steen (1626-1679) in der Sammlung des #Dukes of Bedford, Woburn Abbey, England ©️von Criegern 2020

Sehr verehrter Herr #Hölderlin, entschuldigen Sie bitte, dass ich noch einmal zu Jan Steen zurückkehre. Selbstverständlich hatte mein unbedachter Vorschlag Motive eines Bildes von Steen abzuzeichnen weder mit Ihrer künstlerischen Leistung, noch mit deren existentiellen Bedeutung in Ihrem Leben zu tun. Vielmehr habe ich aus dem bei Ihnen anklingenden Zusammenwirken von #Intellekt und #Sinnlichkeit kurzerhand eine #Methode gemacht. Dieser ‚Missbrauch‘ öffnete mir die Augen dafür, dass ich bereits 20 Jahre zuvor auf die Erkenntnis-Kraft des Zeichnens gesetzt hatte. Im Rahmen der Recherchen zu meiner Dissertation über die #“Fröhlichen Gesellschaften“ Steens, hatte ich regelmäßig Bild-Notizen gemacht. 1965 war noch
nicht an #digitale Fotografie zu denken. Auch meine Versuche mit einer Art ‚Spion-Kamera‘ (einer schwarzen Minox C) brachten unter den Lichtverhältnissen und Nutzungsbedingungen von Bibliotheken,# Fotosammlungen und grafischen Kabinetten keine brauchbaren Ergebnisse. Also griff ich auf die Zeichnung, unterstützt von schriftlichen Ergänzungen, zurück. Erst durch Ihre Arbeit über die komplexe Rolle der Dichtung bei der Erfahrung von Ganzheit, Schönheit und Wahrheit, wurde ich an diese Möglichkeit der Bild-Annäherung erinnert. Dafür bin ich Ihnen zu grösstem Dank verpflichtet. Untertänigst Ihr ergebener Axel von Criegern.

English Summary
Sorry Mr. Hölderlin! I apologize for the ‚abuse’ of your adorable work . Let me explain what Drawing means for me. Drawing, designing ,sketching are for me tools to understand history and art. It was Your philosophy that told me that I was not totally wrong. If you feel offended now, I must pray that You accept my# everlasting admiration for your revolutionary philosophy and poetry. Submissively Your Axel von Criegern.

Zwischen den Jahren…(art77blog.axel-von-criegern.de Nr.218)

2020 looking back to 1969 ©️Axel von Criegern 2020

Moment mal: Du schreibst den Blog nicht um Deine Kunst bekannt zu machen und zu verkaufen, sondern??? Um die Alltägllichkeit von Kunst, also letztlich ihre Bedeutung für unser Leben (nicht nur meins) zu zeigen. M.E. gelingt das am besten wenn ich andere an unterschiedlichen „Kunstwerdungen“ teilnehmen lasse – indem ich Anlässe, Produktion, Änderungen, Arbeitsstufen zeige.
#Kunst als Kommunikation und Gegenstand von Erkenntnissen bekam für mich nicht erst 2016 Bedeutung, sondern begleiten mich seit über 60(!) Jahren. Das beinhaltet breit gefächerte Erfahrungen. Wes Geistes Kind ich bin zeigt ein Blick auf die Jahre 1965-1675, als ich nach abgeschlossenem Kunststudium der Sache Kunst wissenschaftlich auf den Grund ging und am Ende der Arbeit an meiner Dissertation über #Jan Steen(1626-79) von der Keule #„Visuelle Kommunikation“ getroffen wurde. Und das sass nachhaltig ! Dieser Cocktail aus Kunsterfahrung, Kunstwissenschaft und Gesellschaftskritik blieb bis heute wirksam. Und die Erfüllung, die ich daraus erfahren habe, möchte ich weiter geben und zwar ohne berufliches „Muss“, eher beiläufig und alltäglich. Mein einziger „kategorischer Imperativ“ (Kant) ist das wöchentliche Erscheinen des Posts (freitags).
English Summary
My art- life is determined by art school, studies in art history and social criticism. Very important were the „visual communication“ and 40 years of teaching art. After all „art77blog“ stands for free and independent art practice and reflections.

#Kunst als Kommunikation
# Jan Steen (1626-79)
# „Visuelle Kominikation“

„Auf Augenhöhe“ (art77blog.axel-von-Criegern.de Nr 200)

Entwürfe für die Ausstellung #„Wie geht Kunst?“ in der Kulturhalle und im Künstlerbund Tübingen (ab 18.10.).

Gestern kam Maks Dannecker vorbei um als „ambulante #Kuratorin“ meine aktuellen Planungen der Ausstellung „Wie geht Kunst?“ zu diskutieren. Abschließend hob sie hervor, dass alle Exponate „#auf Augenhöhe“ wären. Eine hier ungewöhnliche Formulierung. Es war deutlich, dass sie nicht die Hängung auf Augenhöhe meinte, sondern das Vermeiden jeder Hierarchie oder Hervorhebung einer einzelnen Arbeit. Tatsächlich präsentiere ich die Arbeiten in gleichwertigen Räumen in Form gleichwertiger #‚cluster‘. Eigentlich sind es 6 Ausstellungen (Cluster) in 2 Räumen. Die in der #Künstlerbund-Galerie gezeigten Arbeiten zu #art77blog.axel-von-criegern.de sind und waren der Anstoß für das Thema der gesamten Ausstellung. Das Medium und der wöchentliche Rhythmus des blogs lassen keine Ungleichheit zu. Bei der #Kulturhalle Tübingen ging es darum mehr als 60 Jahre Kunst-Leben zu vermitteln ohne Arbeiten #chronologisch aneinander zu reihen oder nachträglich eine so nicht erlebte Dynamik und Bewertung zu konstruieren. In den 6 Clustern dominierten Fragen der Präsentation. Sie unterstützt die die Objekte verbindende, jeweilige Thematik : Theorie in unterschiedlichen Ausformungen/ Formkonstanz und Themenbreite bei Holz/ Metall: Von der Fläche zur dritten Dimension in verschiedenen Projekten/ Das Thema ‚Bild‘ in seiner vielfältigen Ausprägung: #Petersburger Hängung/ #Jan Steen (1626-1679) und die breite #ikonologische und künstlerische Auseinandersetzung. Zurück zur „Augenhöhe“. Sie ist auf keinen Fall mit formaler Angleichung ohne thematische Differenzierung zu verwechseln . Sie funktioniert nur als nachvollziehbare inhaltliche Entsprechung. In diesem Sinne habe ich die Feststellung der „Augenhöhe“ positiv verstanden.

Das Thema ‚Augenhöhe‘ als Prinzip des blogs lässt sich im Buchformat besonders deutlich erkennen:
art77blog.axel-von-criegern: Wie geht Kunst?, edition cantz, 2019.

English Summary
A friend characterized my exhibition preparations as „at eye level“. She didn’t mean hanging pictures on eye level but used it as a metaphor. She noticed that I tried to provide ‚equal rights‘ for everything in the show. Maybe that the concept to organize the exhibition in „clusters“ supports this effect of „at eye level“
.

Tannhäusers „Comeback“ (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.197)

Tannhäusers „Comeback“ Aquarell , Fineliner©️Axel von Criegern,2019
Neulich Abend traf mich die Fernseh-Übertagung der Bayreuther Inszenierung von Wagners „Tannhäuser“ (3sat) durch #Tobias Katzer mit voller Wucht. Der staubige Samt-Wagner und der Bayreuther Mythen-Kitsch wurden erfrischend durchlüftet und irgendwie glaubhaft in unsere Zeit versetzt: Der Meistersänger taucht mit absurder orangener Perücke und Clownsschminke mit Venus im silbern funkelnden Einteiler, umwerfender Dragqueen und einem gealterten Blechtrommler in einem klapprigen Citroen-Transporter vor dem Festspielhaus auf. Der Venusberg muss eine Art von „Ballermann“ gewesen sein! Beschwingt gehe ich in der Pause an meinen Zeichentisch, beginne mit dem Perücken-Orange und einer Reihe von Silberknöpfen auf schwarzem Samt und ein paar Strichen. Später tauchen wie flüchtige Erinnerungen Elemente von Kostümen und Bühne, Symbole und Atmosphäre auf, die sich zu einem Bild verdichten. Meine Inszenierung ist viel weniger gewagt, aber etwas vom amüsierten Staunen wiedergebend! Katzers Inszenierung traf auf einen Nerv, der schon seit meinen #Jan Steen -Aktualisierungen der neunziger Jahre ‚dauergereizt‘ ist. Am Tag zuvor war ich bei der Eröffnung der von #Nicole Fritz kuratierten, prächtigen Ausstellung „Comeback“ in der #Tübinger Kunsthalle mit erstklassigen Beispielen der aktuellen künstlerischen Aufarbeitung kunstgeschichtlicher Ikonen gewesen. Um mich zu vergewissern und zu vertiefen bin ich am nächsten Tag noch einmal zum Tübinger „Hügel“ hinaufgestiegen und dann las ich noch von Simon Stones Inszenierung von Cherubinis Oper „Medee‘ “ in Salzburg , die auch fulminant sein muss. Plötzlich fühlte ich mich selbst mit meinen #Jan Steen-Studien up to date, getragen von einer Welle des Wohlbefindens und der Bestätigung, zwar nicht „coming back“, aber „coming home“.

English Summary
Watching the actual interpretation of Wagners „Tannhäuser“ by the young Tobias Katzer on TV was overwhelming! It was a wonderful burlesque far away from the earlier Wagner- Mysteries on the „Hügel“ of Bayreuth. I was so high, that I started a watercolour- sketch in an interval.

Verwirrend transparent (art77blog.Nr.190)

„Vexierbild“, Fotografie ©️2019
Das ist ein „unbehandeltes“ Foto meiner iPhone-Kamera. Zu sehen ist eine verglaste Atelier-Tür. Die Bilder sind im Atelier, also hinter dem Glas. Davor sitzen drei Männer an einem Tisch. Sie werden im
Glas ebenso gespiegelt wie die Bäume und die Landschaft dahinter. Ich sitze ganz links und habe die Aufnahme während des Gesprächs mit den beiden jüngeren Kollegen gemacht. Warum ich sie gemacht habe? Erstens weil ich das #„Vexieren“, das Verstecken, Verwirren und „An der Nase herumführen“ spannend finde und zweitens weil mich die zusammengeklappte Vielschichtigkeit und Transparenz in diesem Moment besonders angesprochen hat. Die Sache mit dem Vexieren ist eine in der Kunst-und Kulturgeschichte zurück zu verfolgende Unterhaltung; Transparenz, einschließlich Spiegelungen, faszinieren als erlebte Transzendenz unserer Alltagswahrnehmung. Als ein frühes Beispiel denke ich an den kleinen Konvex-Spiegel auf der #„Arnolfini-Hochzeit“ von #Jan van Eyck. Dass diese „Transzendenz“ sehr wohl verwirren kann, ist ein Nebeneffekt der Fotografie, der u.a. längst zu jeder Form der #Manipulation eingesetzt wird.

English Summary
Confusion and Transparency .

When I talked with my son and a nephew in the garden right in front of the studio I noticed a strange „picture“ in the large glass door. We were reflected sitting in the green garden with a tree covered hill in the background. One could see some of my paintings inside the studio. My iPhone-shot was a true picture puzzle based on our limited perception and the reflections in the glass door.