Egregio Signore Leonardo…(art77blog Nr 186)

„dies ist kein weiterer Versuch ihnen einen angeblich echten Leonardo unterzujubeln…“ Aber auch die glänzende Tübinger Ausstellung #‚ Ex Machina. LEONARDO da Vincis Maschinen zwischen Wissenschaft und Kunst‘ kommt natürlich nicht ganz ohne Verweis auf das teuerste je verkaufte Bild aus. Mein ‚Nerv‘ wurde durch das Thema „ zwischen Wissenschaft und Kunst“ getroffen. Das Studium des Katalogs und dort besonders die Beiträge von #Frank Stölzl und #Ernst Seidl haben mich eine völlig neue Sicht auf Leonardo gelehrt, nämlich den Wissenschaftstheoretiker. Er, der sich selbst als ungebildet bezeichnete und sich damit vom raffinierten humanistischen Diskurs absetzte, gelang eine #„anthropometrische“ , empirische, den Menschen wirklich zum Maß aller Dinge machende #„relationale“ Neuvermesseng der Welt jenseits der herrschenden #„Metrologie“. Kunst und Ästhetik waren für ihn die Sprache dieser neuen Methode. Und zwar zuerst die Kunst, dann die analysierende und entwerfende Zeichnung und dann viele, viele Texte…Grazie messer Leonardo, sei stato un vero genio, un nuovo „stupor mundi“ !!

#3.Mai bis 1. Dezember 2019, Schloss Hohentübingen. # Frank Zöllner: „Vom Bild zum Text und zurück, Leonardo da Vinci und die Episteme des Bildes“ in: Ernst Seidl, Frank Dürr, Michael La Corte (Hg.) =Katalog zur Ausstellung. # Ernst Seidl : „Das Denken im Tun. Die Zeichnung als Medium der Forschung.“ Ebenda. Weitere Beiträge von Marc J. M. van den Broek, Anna Pawlak, Frank Fehrenbach, Sergiusz Michalski, Frank Dürr, Ursula Schwitalla u.a.m.

English summary

We know Leonardo da Vinci as creator of the „Mona Lisa“ and designer of futuristic machines. From a show at Tübingen (its catalogue) I learned now, that his third important position is that of a developer of a new scientific approach to the world, an „anthropometric one.

Vorsicht! Ich bin ein identischer Künstler.(art77blog, Nr.185)

„Identisch“. Tusche, Bleistift, Aquarell; ©️AvC, 2019

Die künstlerische Identität in Frage zu stellen, ist wohl gerade chic. #Yun jang, Österreicher chinesischer Herkunft, überlässt den Betrachter seinen Gedanken zu“ Künstler, Werk und Ausstellung“ (#Kunstmuseum Graz). In #Venedig gestaltet Frau „Happelmann“ (die deutsch-iranische Künstlerin #Natascha Sadr Haghighian zitiert Verballhornungen ihres Namens)deutschen Pavillon als Spiel mit Identitäten.
Will man sich aus der allgemeinen Verunsicherung durch eine Flucht nach vorn befreien? Jeder künstlerisch produktive Mensch kennt das kurzzeitige Verschieben der Identität zugunsten der #Qualität der #Produkte– beides heute sehr unbeliebte Begriffe. Geht es um eine Meta-Identität außerhalb der oder des Einzelnen? Vor kurzem habe ich eine Aquarell-Serie gemalt, in der eine Arbeit jenen „identischen“ Nerv traf , der vor kurzem noch #„authentisch“ hieß.

English summary
Why is it interesting for an artist to abandon the own identity? Is this the arche noah im troubled water? There were mascarades, camouflage, pseudoyms, fakes at all times. For an artist is changing perspectives important to improve her or his work and technique. But not the identity of the artist itself! For me is the quality of an art work part of the artistic identity.

„Bursche raus!“ (art77blog Nr.184)

„Die Schlacht von Lustnau“, Entwürfe zu einem Geschichts- Comic, Tusche, Aquarell ©️AvC

Von der französischen Revolution begeistert, vom Sieg über Napoleon berauscht, war es der Mythos des deutschen Volkes ( das es in dieser Form noch nicht gab), der 1800 ff. Teile der Studentenschaft politisierte. Wie wir wissen, gilt das bis heute. Ganz und gar nicht im Sinne der französischen Revolution war aber das elitäre „Herren“- Gebaren als Folge dieser unbestrittenen Leistungen aber auch fortbestehender feudaler Strukturen. Beides brach wohl aus den beiden „Herren“ Studenten heraus, als sie betrunken von einem Saufgelage in Bebenhausen nach Tübingen zurückfuhren. Ein Schäfer, der seine Herde auf der Straße bei Lustnau weidete, wurde unflätig beschimpft. Der wiederum hielt sich auch nicht zurück. Bauern eilten zur Hilfe, Studenten wurden alarmiert und im Nu war die berühmte „ Schlacht von Lustnau“ entbrannt.
Immer wieder merke ich wie sehr Geschichte für mich aus Geschichten besteht- witzigen, absurden, anrührenden, schrecklichen, tragischen . Diese Geschichte wollte ich in ein #landeskundliches Comic aufnehmen (#Landesgeschichten, Bd 2), das dann leider nicht realisiert wurde (von der Verlagsseite).
Der aktuelle Anlass für diesen Post ist ein Beitrag im #Schwäbischen Tagblatt vom 30. April, in dem von der Beteiligung Tübinger Studentem an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik Ende April, Anfang Mai 1919. Da trug die deutsch-nationale Gesinnung mörderische Früchte. Ich
English Summary
It was the particular role of the german students under the influence of the french revolution in the history of young Germany around 1800 that made them fierce and often agressive. Here is it a harmless local fight beteeen students and farmers that was
later called „Battle of Lustnau“: “Fraternite‘,egalite‘, liberte‘ “???