„Graphic Novel und die Bilderziehung“ (art77blog.axel-von-criegern.de. Nr.265)

„Graphic Novel 2“. Blackliner o,3 mm, Grafitstift, Aquarell(van Dijck -Braun); 40x55cm ©️Art77blog, 2020

Aus künstlerischer Sicht unterscheidet sich die „Graphic Novel“ vom Comic durch das Gewicht auf dem Bild. Beide haben ihre Wurzeln # „vor dem Zeitalter der Kunst“ (Hans Belting). Der #„Parthenon-Fries“ von der #Akropolis in Athen verweist ohne Worte auf die griechischen Göttermythen , während die alt-ägyptischen #„Totenbücher“ Schrift und Bild verbinden. Unsere Kunstgeschichte als 2000 Jahre Auseinandersetzung mit der #Bibel hat unsere Wahrnehmung und unser Schrift- und Bildverständnis geprägt. Auch die „Säkularisierung“ von 1800 n.Chr. hat meiner Meinung nach daran nichts geändert.
Aktuell hat die Macht der Bilder eine besorgniserregende Bedeutung bekommen. Sie unterminiert die in der Aufklärung gewonnene Rolle der Vernunft. Ohne weitreichende #Bilderziehung sind wir dem „Bildertsunami“ ausgeliefert. Es gab „immer“ schon gesellschaftliche, ideologische Konflikte, die mit Hilfe von Schrift- und Bildkombinationen ausgetragen wurden, man denke nur an die #Flugblätter der Reformation und Gegenreformation. Aber es gab in der Menschheitsgeschichte keinen vergleichbaren Kampf jeder gegen jeden. Vielleicht liegt darin die Bedeutung eines Donald Trump uns das vor Augen zu führen. Eine „Bildvernunft“ tut sich da schwer!
Mein Konzept der Graphic Novel ist eine Bilderzählung hier und jetzt. Aus allen möglichen,mir einfallenden Themen webe ich einen Bildteppich. Dabei folge ich Bildgesetzen-z.B. Kontrasten, Proportionen, offenen und geschlossenen Formen, grafischen Techniken, Fläche und Körperlichkeit, Hell-Dunkel, abstrakt und gegenständlich. Themen und Bildästhetik kreieren eine Geschichte, die kulturell „floated“ zwischen archaischen und digitalen Bildwelten. Bewusst wird auf Schrift verzichtet um nicht vom „Lesen“ der Bilder abzulenken. Es ist eine anspruchsvolle „Lektüre“ – tief gründend und sich in jede Richtung ausbreitend. Das Angebot ist offen.Weder ist eine ideologische Verführung noch eine andere Manipulation beabsichtigt. Es mag sein, dass uns so etwas in der gegenwärtigen Situation nicht erreicht. Zu sehr sind wir an die verführerische Bildwelt gewöhnt, passen uns an.

English Summary

I love Comics and graphic novels. In my comics , picture books, illustrations I was always guided by a story and a target -whether I did it freelanced or with a commission. But deep in my heart I dream of a world lead by esthetic or better a „rational esthetic“. A graphic novel based on this ideal is not ideological and has no subject matter -unless you discover it.

©️art77blog 2020

Eine gezeichnete Comic-Kritik (art77blog.axel-von-criegern Nr.264) | Art77blog

Eine gezeichnete Comic-Kritik (art77blog.axel-von-criegern Nr.264) | Art77blog
— Weiterlesen art77blog.axel-von-criegern.de/2020/11/13/eine-gezeichnete-comic-kritik-art77blog-axel-von-criegern-nr-264/

Eine gezeichnete Comic-Kritik (art77blog.axel-von-criegern Nr.264)

„Graphic novel“ , Grafitstift, Blackliner .©️Art77blog.2020

Da bin ich in etwas reingetreten! Die Bücher des Historikers #Yuval Noah Hatari („Homo deus“, „Eine kurze Geschichte der Menschheit“) sind Bestseller. Neugierig habe ich mich auf das Comic-Buch “Sapiens.Der Aufstieg“(C.H. Beck) gestürzt. Als Comic-Fan war ich von den 245 Seiten enttäuscht. Der Zeichner #Daniel Casanave (geb. 1963) hat zusammen mit #David Vandermeulen, der den wissenschaftlichen Text comicgerecht umgeformt hat, handwerklich gute Arbeit geleistet. Stilistisch fällt das Werk allerdings mit der nervenden Panel- Monotonie noch hinter die belgisch-französischen Wurzeln zurück. Das Ganze wirkt sperrig und macht aus dem spannenden wissenschaftlichen Text durch die Einführung des Historikers „ Yuval Harari“ (mit Ähnlichkeit) als Alleswisser und Professor eine didaktische Farce.

Warum ich mich darüber so aufrege?? Weil das die Bilddidaktik als eines meiner Kernthemen berührt. Und weil ich mit einigen Comic- Versuchen (# „Tatort Tübingen oder das gefährliche Leben des Wachtmeisters Glötz“.# „Landesgeschichten.eine schwäbische Chronik in Bildern“ # „Vom Text zum Bild. Wege ästhetischer Bildung“) nicht immer glückliche Erfahrungen gemacht habe.
Spontan habe ich durchaus in kritischer Absicht selbst zu zeichnen begonnen. Frei sich aneinander fügende Bildelemente ohne jede Vorlage als Antwort auf das rigide Panel-Schema. Da diese Bildfolge ihre eigene Geschichte beim Wachsen erzählt, habe ich sie als eine „graphic novel“ i.w.S.bezeichnet.(#Towards graphic novel day 1,2,3 Insta u. Facebook). Mit dem „Sapiens“ hat das insofern zu tun als ich mich Hararis zentralen Begriffen „Fiktion“ und „Mythos“ als Produkt der „kognitiven Revolution“, bildlich annähere. Der Preis ist allerdings zu hoch: ohne diesen Hinweis würde selbst Harari verständnislos auf diese Bilder starren. Es bleibt also bei einem kritischen Impuls.

English Summary

I understand why a young open minded historian like Daniel Yuval Harari tries to use a comic to explain the results of his research. But the comic-book „Sapiens“ ( Daniel Casanave and David Vandermeulen) misses the target. The fascinating srory of Hararis book „The beginning….“ is now a pretty dry didactic lecture overdominated by endless panels with a professor as guide through history. I was so upset that I started a spontaneous drawing as answer. A kind of graphic novel without words. Its only a challenge, far away from a solution, an experience , not more.

„Der Riss“(art77blog.axel-von-criegern.Nr.262) | Art77blog

„Der Riss“(art77blog.axel-von-criegern.Nr.262) | Art77blog
— Weiterlesen art77blog.axel-von-criegern.de/2020/11/06/der-rissart77blog-axel-von-criegern-nr-262/

„Der Riss“(art77blog.axel-von-criegern.Nr.262)

„Der Riss“ , Aquarell, Marker; 32x20cm ©️Art77blog 2020

Ein gespaltenes Bild.Die schwarze, dicke Linie trennt den oberen, buntfarbigen Teil von dem unteren, entfernt an den Kubismus von 1910 n.Chr. erinnernden, unteren Teil. Ich begann oben ohne eine Thematik aus der Lust heraus bunte Farben aneinander zu fügen. Die weiteren Schritte sind ornamentierend, grafisch akzentuiert und Realitäts-orientiert (Augen, Architektur, Spirale, Tiere).
Eine schwere Entscheidung war es, diese Entwicklung abzustoppen und einen Kontrast zu schaffen. Darauf entstand der steinfarbene Sockel mit seinen nach oben weisenden, schwarzen Strichen. Es folgte eine fast klassische Gegenbewegung um das Auseinderfallen aufzuhalten. Oben wurden Farbflächen abgedunkelt und unten der Hell-dunkel-Kontrast verstärkt. Der Ausgleich bedeutete aber auch Spannungsabbau. Jetzt war es Zeit für den breiten, schwarzen „Riss“.
In diesem und durch diesen entstand erst das titelgebende Thema: Risse, die wir alle erfahren- Risse im vertrauten demokratischen System, Risse zwischen Verbarrikadieren und den Freunden, kulturellen Angeboten und nicht zuletzt in Verhaltensweisen, Stichwort „Dünnhäutigkeit“. Die weit aufgerissenen roten Augen stehen so gesehen für unser Staunen und für unser Ausgeliefertsein.

English Summary

This watercolor painting stands symbolic for our suffering from dramatic, stressful times. I started with the simple joy of painting in bright colors. Feeling that adding color patches all over would be boring, I designed the lower part in earthen colors. That was the moment when I painted the thick black stroke, the crack. So the image got its „meaning“.

#watercolors #meaning #image and meaning #society and politics as subjects of art #art77blog.axel-von-criegern:“Wie geht Kunst?“ edition cantz 2019

Vom Altersporträt zur Kunst (art77blog.axel-von-criegern.de,Nr.261) | Art77blog

Vom Altersporträt zur Kunst (art77blog.axel-von-criegern.de,Nr.261) | Art77blog
— Weiterlesen art77blog.axel-von-criegern.de/2020/10/30/vom-altersportraet-zur-kunst-art77blog-axel-von-criegern-denr-261/

Vom Altersporträt zur Kunst (art77blog.axel-von-criegern.de,Nr.261)

„25.10.2020“ Aquarell ©️Axel von Criegern 2020

Bei der Diskussion des Altersstils (art77blog Nr.260) blieb die Stelle des Alterskünstlers offen. Nun betrachte ich es als meine Chance und Aufgabe, die Gedanken, die meine künstlerischen Aktivitäten auslösen und begleiten, öffentlich zu machen.
Also: „wie hältst du‘s mit dem Selbstporträt eines 81-jährigen und deiner Kunst?“ In einem Versuch über 5 Tage ging es an die Substanz.

„26.10.20“ Aquarell, ©️Axel von Criegern 2020

Um bei meiner Untersuchung wenigstens ein bisschen Orientierung zu haben, baute ich aus einem auf Augenhöhe aufgehängten Spiegel meine Station so auf, dass das Tageslicht immer von derselben Seite einfiel. Schon am 2.Tag mit dem zweiten Aquarell störte mich das Flächige. Wie sollte ich da „Alter“ beobachten , bzw darstellen? Beim Blättern in Kunstgeschichts-Bänden wurde deutlich, dass immer das Körperlich-Räumliche für altersspezifische Merkmale eingesetzt worden war.

„26.10.20“ Bleistift,©️Axel von Criegern 2020

Die kleine Zeichnung gab mir eine gewisse Sicherheit, ließ allerdings die Frage offen, wie es mit dem Aquarellieren weitergehen sollte.

„27.10.20“ Aquarell ©️Axel von Criegern 2020

Auf der dem Fenster zugewandten Seite versuchte ich am nächsten Tag wenigsten einige Alters-„Signaturen“ unterzubringen. Gegenständlichkeit und Räumlichkeit gehen in den Farbflächen auf.

„28.10.20 Aquarell ,©️Axel von Criegern 2020

Beim nächsten Aquarell versuchte ich meine Realismus-Erkenntnisse in meine Möglichkeiten umzusetzen. Das Nachmittagslicht war noch etwas heller als bei den ersten drei Bildern. Das Gesicht fällt durch die Perspektive länger als in Wirlichkeit aus.

„29.10.20“ Aquarell ©️Axel von Criegern 2020

Letzter Tag. Ich hatte meinen Frieden wieder gefunden. Meine Aquarelltechnik taugt nicht für Realismus, sondern entfaltet sich in der Fläche. Hier liegt meine „ Kunst“ des Aquarells. Und was meine Untersuchung angeht: in der bestmöglichen Vereinbarkeit dieser Darstellung mit abbildenden Zeichen.
Für mich war das Ganze ein Lehrstück dafür, dass es bei der Kunst immer um Kunst geht und dass unter dem Leichten immer Arbeit, wenn nicht gar Qualen liegen

. Von den Römern stammt der heute völlig unpassende Spruch „Per aspera ad astra“- durch das Rauhe und Harte zur Leichtigkeit und Schönheit. Heute heißt das bestenfalls: „da musste durch“!

English Summary

Paging through centuries of artists selfportraits you soon realize, that we know very little about their reasons, occasions, necessities, feelings. But basically it were probably the same reasons which made me design 5 watercolor paintings in 5 following days: curiosity and the chance to study and perform free, just for yourself. What I didn’t expect was the upcoming battle between the intention to explore and my „art“. I hope that you can watch the drama of painting just a selfportrait of an old artist!

Art77blog | reflections of an artist

Art77blog | reflections of an artist
— Weiterlesen art77blog.axel-von-criegern.de/

The old artist and his daily art production…

Der alternde Künstler als ‚ansehnliche Ruine‘.(art77blog.axel-von-criegern.de Nr.260)

„Eine ansehnliche Ruine“, Acryl auf Blech, 50x64cm,©️Axel von Criegern,2020

Natürlich muss ich dabei grinsen: Der Bildtitel lässt sich auch biologisch auf einen 81 -jährigen anwenden. „Ansehnlich“ lässt sich als medizinisch-mitteleuropäisch-gesellschaftliche Leistung übersetzen und „ Ruine“ als balancierter Zustand des biologischen Verfalls.
Künstlerisch wollte ich nach einer Phase des Überdrusses meinen mehr als #20-jährigen Umgang mit Blech durch eine „wilde“ Bemalung in Frage stellen-allerdings ohne die geringste Zielvorstellung. Auf halber Strecke (Fläche) sah ich das Desaster auf mich zu kommen. Mein Grundmotiv für meine Blecharbeiten, dreidimensionale Bilder zu schaffen und Dimensionen zu durchwandern würde durch das Aufschneiden der „wilden“ Malerei in einen ästhetischen Abgrund führen-weder Fisch noch Fleisch.
Wenn man den #Theoretikern des künstlerischen Spät-und Alterswerks Glauben schenken will, hänge ich noch zu sehr an Vorstellungen des fertigen, harmonisch ausgewogenen, gefälligen Werkes. Einem Alterswerk angemessen, genial und anständig wäre es die Arbeit ungelöst, fragmentarisch, letztlich „unschön“ zu belassen. Zu meinem (geistig-seelischen) Glück geht mir aber „Genie“ ganz ab und „anständig“ war von Jugend an ein Reizwort. „I did it my way“. Also versuchte ich mit meiner Genie-untauglichen Harmonie-Bedürftigkeit den Schritt in den Abgrund abzuwenden. Ich mobilisierte ein zweites meiner künstlerischen Grundmotive, nämlich das Gitter oder Raster. Es lohnt die Schritte der Bändigung durch das Raster, bzw. Gitter zu studieren. Hier ereignet sich das eigentliche Drama des Blech-Bildes und nicht in der ‚wilden‘ Malerei.
Als ich vorhin meinen Freund Don Quichotte (Buchhändler und Philosoph) von meinen Überlegungen zur Alters-Ästhetik berichtete, meinte er, diese Distanzierung sei doch ein wichtiger Anfang. Aber von verbleibender Zeit war nicht die Rede….

# meine wichtigste Quelle war Landkammer, Joachim: „A portrait of the artists as old (wo)men. Spätstile: der alternde Künstler und die alternde Gesellschaft (auf die Musik bezogen), in: Jansen,Priddat,Stehr (Hrsg.): Demographie: Bewegungen einer Gesellschaft im Ruhestand; multidisziplinäre Perspektiven zur Demographiefolgenforschung. Wiesbaden, VS-Verl. für Sozialwissenschaften,2005, S. 275-322.

#Vergl. Axel von Criegern „…alles Blech!“,Tübingen 2014

#Axel von Criegern: Dramaturgie eines Bildes. Auseinandersetzung mit Jan Steen (1626-1679) „Abfahrt von einem Wirtshaus“(Staatsgalerie Stuttgart),Giessen, Tübimgen 2004

#Axel von Criegern: Meine Bilder. Wasmuth 2009

English Summary

Öl in Is there something special and remarkable in the works of old artist, composers, authors? This is an important item of interdisciplinary discussion. When I had the feeling of a stand still in my daily artistic business this questions touched me quite personally. Should I continue my metal work as usual? I decided to try a „wild“ painting on an aluminium sheet. When I tried to cut the metal and transform it in a relief it was a dead end . Cuts and paint didn’t come together. From a very interesting paper (look above Landkammer) I learned that unfinished, works left ; (think of Michelangelo’s Pieta’ Rondanini) in an almost rude style are typically for old artists. Although I am now 81 I couldn’t stand that and finished the painted relief employing a different style for the rest of it (the grid). So I abandoned the chance to become a genius. But maybe I have some more days left to try it again!