„Postdigitales Projektbuch“(art77blog Nr 203)

„Der postdigitale Siegeszug der Ästhetik“ .Schwarzer Kugelschreiber, 21x20cm, ©️Axel von Criegern 2019

“Es macht mir Freude, in diesem postdigitalen Projektbuch zu blättern und zu lesen.“ schrieb ein junger Kollege zu #art77blog.axel-von-criegern.de „Wie geht Kunst?“ (edition cantz,2019) – ein toller Begriff! Was kann man sich mehr wünschen? Dabei hatte ich beim Abenteuer Medienwechsel erhebliche Zweifel. Wer weiß schon, ob die mit dieser Medien-Operation verbundenen Anstrengungen lohnen?
In gewisser Weise spielt sich ähnliches bei meinen Vorbereitungen der Ausstellung zum selben Thema #(Wie geht Kunst? Kulturhalle und Künstlerbund Tübingen ab 18.10., Vernissage 17.10. 19Uhr) ab. Die erste Phase war von Zweifeln, was das Konzept angeht, geprägt. Das hat sich fast täglich verbessert. Der Akzent verlagert sich von der Idee ‚Reflexion mit Text und Bild‘ zu den Arbeiten und ihrer Präsentation. Noch sehe ich etwas irritiert, wie meine anfängliche Idee nicht realisierbar wird, sondern durch ein „best of“ verdrängt wird. Hoffentlich springt das für die Ausstellung geplante Studienkabinett mit meinen Schriften der letzten 50 Jahre in diese Bresche. Das Ganze- übrigens auch das Beitragsbild, das zu diesem Thema entstand-sehe ich im Zusammenhang mit den Entwicklungen, die wir in den späten 60er und frühen 70er Jahren durchgemacht haben.

English Summary
A much younger collegue branded my right now published book „Wie geht Kunst? (How is art?) , edition cantz 2019 as postdigital ‚Projektbuch‘. I must confess that this positive acceptance liberated me from a whole bunch of self doubts. By the way: I watched the postdigital turn right now preparing the one man show „Wie geht Kunst?“( Kulturhalle und Künstlerbund Tübingen. Opening 17. Oct. 19:00h). I realized that it was impossible to transfer ‚reflections of an artist‘ to an art show. The esthetic value of my work became more and more predominant. My plan is to install a kind of studio with my books, essays and papers of the last 50 years . Maybe that makes some visitors wonder…

Dank an Professor Dr.# Ansgar.Schnurr von der JLU Giessen

„Der sprechende Käfer“ (art77blog, Nr. 202)

Der sprechende Käfer. Tusche, Aquarell, 26×24 cm, ©️Axel von Criegern

Eine Notiz meines Freundes Ernst Gumrich nach einem entspannten Gespräch gestern Abend (5.Sept.2019)

“Wenn der Käfer anfängt, über sich und die Welt zu reden, ist das rebellisch und gehört unterbunden.

Was ist Deine Sonderrolle und was reflektieren der Blog & das daraus entstandene Buch …wie ich es wahrnehme.

A. Der Künstler
Du nimmst das in Deinen Arbeiten auf, was Du spürst. Wie der
Künstler eben, der nicht auf Kunstreiter des edlen Rosses Kunstmarkt umsattelte. „Spüren“, das sind Reize von außen, die gebildeten, meist unbewussten Muster und Strukturen aller unmittelbaren Wahrnehmungen der inneren und äußeren Welt vorher im Leben, der Brechungen durch entstandene Wahrnehmungslinsen, die Gravitation von Wahrnehmungen in Kategorien. Daraus entsteht spontan etwas, theorielos, ungesteuert: Eine Richtung, ein Impuls, Farbe, ein Rhythmus, die Ausdruck suchen und denen Du das gibst. Einzige Kriterien: Es langweilt Dich nicht und es bedient keine Absicht, keinen Zweck außerhalb des geschaffenen Werks.

B Die bewusste Selbstreflektion (im Rückblick)
Der Blog referiert diesen „seltsamen inneren Prozess“ des Künstlers, der aus dem
Moment zu entstammen scheint, aber vielleicht nur die determinierten Muster lebenslanger Eindrücke sind, die durch aktuelle Reize gerade im Moment an die Oberfläche tauchen. Spontan, aber schon weitgehend fertig! Erst in der Rückschau auf frühere Arbeiten erschließen sich oft mögliche Gründe für die „spontane“ Richtung , die die Hand des Künstlers zu führen schienen und sich damals doch wie pure Intuitionen aus den Elementen des kleinen Moments anfühlten (Was ließ mich statt einer Landschaft in Kroatien eine Struktur der Landschaft abbildend suchen?). Diesen retrograden, „selbstanalytischen Arbeitsschritt“ können wahrscheinlich nur wenige machen. Seitdem wir miteinander reden, läuft dieser Prozess bei Dir immer bei Deinem Arbeiten mit.

C Dritte Ebene: Der Kunstprofessor und Didakt will beides dann noch mit dem in Einklang bringen, was die Wissenschaft sich an Denkstrukturen zur Herleitung künstlerischer Leistung erarbeitet hat. Er scheint umgekehrt auch ergründen zu wollen, ob diese doppelte Selbstreflektion der eigenen Arbeit auch Fragen in der Theorie der Kunst neu stellen lässt. Er fragt sich natürlich bereits im Teil B, wo ihm die im eigenen Kopf hausenden Kunsttheorien und das ganze Strukturwissen ins künstlerische Handwerk gepfuscht haben. Wo sie ihn unterstützt und wo in der Freiheit behindert haben.

Dieses Spiel der drei Ebenen macht den Blog und das Buch so spannend. Die ersten beiden Ebenen machen beide für „die Wissenschaft“ wahrscheinlich sehr unverdaulich, weil sie Zweifel an deren Besser-Wissen nähren könnten. Da versucht jemand im Selbstversuch, das Unerklärliche unserer inneren Muster zu erklären. Die Wissenschaft kann das nicht. Das kränkt sie. „Dem Selbstversuch fehlt die statistische Evidenz“, das wirft sie triumphierend ein. Solange die Wissenschaft die Künstler wie Käfer beobachten und beschreiben kann, behält sie immer recht, weil sie stumme Objekte bleiben. Wenn der Käfer anfängt, über sich und die Welt zu reden, ist das rebellisch und gehört unterbunden. Und das Buch muss in den Giftschrank.“

English Summary
After talking quite a
while about art77blog and a corresponding book published right now by „edition cantz“: „Wie gehtKunst?“(How is art?) I asked a friend to take a note on this talk. The result is a wonderful analysis of my efforts to find an answer to the question „How is art? The major issue is the dissence of reflections of an artist and that of an an art historian or art theoretician about an artwork.

„Doppelpunkt:“(art77blog Nr.201)

„Doppelpunkt:Berlin“ 2019; Wachsstifte, Collage©️von Criegern 2019

Ein sonniger Morgen in der Kollwitzstrasse. Die Menschen strömen vom Prenzlauer Berg Richtung Senefelder Platz. In der Meierei sitzen die ersten Yuppies mit der Tasse Kaffee neben sich, hinter ihrem Laptop. Mich stört ein Mann, der inmitten des Getümmels unbeeindruckt auf dem Bürgersteig steht und dramatisch ins Mobiltelefon diktiert: „Doppelpunkt: So war es 1945!“ In seiner hier verpflichtenden „casual“ Uniform, mit der peinlich gelben Brille weit vorn auf der Nase, arbeitet er an seinem aktuellen Buch, oder diktiert mindestens sein „Morgen- briefing“. Er gehört zu keinem der Frühstücks -Tempel und vielleicht liegt seine Wohnung in einem Funkloch oder er darf zuhause nicht telefonieren. Was weiß ich, könnte mir ja auch egal sein. Aber als ich in der vergangenen Nacht nicht schlafen konnte und überlegte, was ich nach fünf wunderbaren Berlin-Tagen im morgen anstehenden ‚Post‘ schreiben könnte, war es immer wieder dieser Mann, zu dem meine Gedanken zurückkehrten. Also gut! Aber ich hatte ja auch kein Beitragsbild! Im Halbschlaf-/ Halbwach-Zustand tauchte als erstes eine expressionistisch-karikaturistische Zeichnung, dann eine Collage auf. In dieser Phase rief ich mir die oft gerühmte Leichtigkeit, Humor und Verspieltheit in Erinnerung, mit denen ich mich schwierigen Themen nähern soll. Als ich mich dann heute Nachmittag an das Bild machte, kam eine Mischung aus diesen Komponenten heraus. So wenig ich weiß warum mich dieser Mann störte, so wenig kann ich mein Bild lesen. Wieder einmal verlasse ich mich auf das # Zusammenwirken von Text und Bild.

English Summary
Returning from a Berlin-trip I wanted to write my weekly post on art77blog about the things we have learned there. I had a lousy, almost sleepless night. In a kind of somnambule awareness I remembered a man who used his mobile phone to dictate a book-text or his morning briefing. I didn’t like him.This observation became more and more the central issue of my Berlin-post. In this sleepless night I imagined a few designs for a blog-picture: cartoon, collage and exaggerated colours in simple forms. When I realised this picture in the afternoon it was definitely a blend of these designs.

„Auf Augenhöhe“ (art77blog.axel-von-Criegern.de Nr 200)

Entwürfe für die Ausstellung #„Wie geht Kunst?“ in der Kulturhalle und im Künstlerbund Tübingen (ab 18.10.).

Gestern kam Maks Dannecker vorbei um als „ambulante #Kuratorin“ meine aktuellen Planungen der Ausstellung „Wie geht Kunst?“ zu diskutieren. Abschließend hob sie hervor, dass alle Exponate „#auf Augenhöhe“ wären. Eine hier ungewöhnliche Formulierung. Es war deutlich, dass sie nicht die Hängung auf Augenhöhe meinte, sondern das Vermeiden jeder Hierarchie oder Hervorhebung einer einzelnen Arbeit. Tatsächlich präsentiere ich die Arbeiten in gleichwertigen Räumen in Form gleichwertiger #‚cluster‘. Eigentlich sind es 6 Ausstellungen (Cluster) in 2 Räumen. Die in der #Künstlerbund-Galerie gezeigten Arbeiten zu #art77blog.axel-von-criegern.de sind und waren der Anstoß für das Thema der gesamten Ausstellung. Das Medium und der wöchentliche Rhythmus des blogs lassen keine Ungleichheit zu. Bei der #Kulturhalle Tübingen ging es darum mehr als 60 Jahre Kunst-Leben zu vermitteln ohne Arbeiten #chronologisch aneinander zu reihen oder nachträglich eine so nicht erlebte Dynamik und Bewertung zu konstruieren. In den 6 Clustern dominierten Fragen der Präsentation. Sie unterstützt die die Objekte verbindende, jeweilige Thematik : Theorie in unterschiedlichen Ausformungen/ Formkonstanz und Themenbreite bei Holz/ Metall: Von der Fläche zur dritten Dimension in verschiedenen Projekten/ Das Thema ‚Bild‘ in seiner vielfältigen Ausprägung: #Petersburger Hängung/ #Jan Steen (1626-1679) und die breite #ikonologische und künstlerische Auseinandersetzung. Zurück zur „Augenhöhe“. Sie ist auf keinen Fall mit formaler Angleichung ohne thematische Differenzierung zu verwechseln . Sie funktioniert nur als nachvollziehbare inhaltliche Entsprechung. In diesem Sinne habe ich die Feststellung der „Augenhöhe“ positiv verstanden.

Das Thema ‚Augenhöhe‘ als Prinzip des blogs lässt sich im Buchformat besonders deutlich erkennen:
art77blog.axel-von-criegern: Wie geht Kunst?, edition cantz, 2019.

English Summary
A friend characterized my exhibition preparations as „at eye level“. She didn’t mean hanging pictures on eye level but used it as a metaphor. She noticed that I tried to provide ‚equal rights‘ for everything in the show. Maybe that the concept to organize the exhibition in „clusters“ supports this effect of „at eye level“
.

„Wie geht Kunst?“ (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.199)

Erscheint Ende August in der edition cantz : #art77blog.axel-von-criegern.de: „Wie geht Kunst?“

Als ich für die Programmplanung der Kulturhalle Tübingen einer im Oktober/November dieses Jahres stattfindenden Ausstellung einen Namen geben sollte, schlug ich keck „lebenslänglich“ vor. Dabei hatte ich keine große Retrospektive im Kopf, was bei einer Geburtstags-Ausstellung nahe gelegen hätte, sondern meine Bindung an die Kunst seit der Schulzeit. Im Zusammenhang mit meiner Arbeit am art77blog und einer Buchveröffentlichung (s. Foto) änderte ich den Namen in „Wie geht Kunst?“ Dieser neue Titel geht entschieden einen Schritt weiter. Natürlich können Antworten auf diese Frage nur exemplarisch und aus der Sicht einzelner Kunst-Menschen gegeben werden. Aber da gibt es immer einen heißen Kern: Wir bestehen auf unserer Selbstbestimmung und sind doch überzeugt, dass es Minimal-Regeln für Kunst gibt. Diese Spannung ist wesentlich für die moderne Kunst. Sie ist der ‚Spielraum‘ nicht nur für die Kunst- Produzent*en, sondern auch für Betrachter*, Galerist*en, Kunsthändler*, Kurator*en und Kritiker*. Aus dieser Spannung heraus entstehen weltweit täglich Kunstwerke. Da kann man schon einmal fragen „Wie geht Kunst?“

English Summary
Asked to name a coming up one man show I chose the title „ lifelong“. I thought playing with ‚life punishment‘ matches the chaines of artists bound to their passion. Looking back to my reflections in „art77blog“ I decided to call it „How does art work?“. Of course it is a mockery, because we know that there is no answer to this stupid question. But I am influenced by my work with „art77blog“ and its weekly afforded reflections. And I realize how much we are bound to the never ending challenge of bringing together our ‚selves‘, the call for selfdestination
and the unstable esthetic laws.
Even the artists have to answer to this question- by their work.

Kreativer Fluchtversuch (art77blog. axel-von-criegern.de Nr.198)

„Alb“. Fingerzeichnung auf Touch Screen (iPhone) Fehldruck©️Axel von Criegern 2019

Ich berichte über einen Fall: Der Proband (ich) gerät an einem Sommerabend mit Freunden, der entspannt verlaufen sollte, beim Thema #Patientenverfügung in eine kaum zu unterdrückende Nervosität. Unter Missachtung aller Höflichkeitsregeln beginnt er mit dem #Finger auf seinem iPhone an der neben ihm sitzenden Freundin (Ärztin) vorbei die Alb-Landschaft zu zeichnen. Er handelt wie unter Zwang , verbunden mit der Hoffnung, dadurch der als ungut empfundenen Situation entkommen zu können.
Nun bin ich weder #Psychiater noch #Hirnforscher, sondern Künstler. Das Programm „My Brushes“ machte mir Probleme, weil ich es längere Zeit nicht benutzt hatte. Unter den beschriebenen Umständen fehlte auch die Ruhe für Versuche. Meine Aufmerksamkeit galt dem Himmel, der sich in der Dämmerung auflösenden Silhouette der Schwäbischen Alb und den Baumkronen im Vordergrund. Der helle Streifen links ist ein Schornstein. Das Ganze ging sehr rasch, um möglichst unbemerkt zu bleiben. Entsprechend blieb die Zeichnung roh und stellte mich keineswegs zufrieden.
Zuhause änderte sich diese Wahrnehmung. Die Skizze hatte ihren Reiz. Was mir übrigens beim Zeichnen nicht gelungen war, die Baumkronen zu strukturieren, erledigte der Drucker. Das Glanzpapier, das ich verwendete, vertrug sich nicht omit dem Grün des Druckers. Was hier so gekonnt gepunktet erscheint, ist „geronnene“ Druckerfarbe.

English Summary
It wasn‘t a pleasant subject we were talking about with friends on a mild summer evening. Both were doctors and we discussed the necessity of a precise and detailed formulated order in case of an unexpected disease or incident. I became terrible nervous and tried to calm down drawing with a fingertip on the screen of my iPhone. I did it very hastily, well aware of my strange behaviour. Later at home I found the emergency „rubbish“ not so bad.
„Alb“. Fingerzeichnung auf Touch Screen.(Original)©️Axel von Criegern,2019

Tannhäusers „Comeback“ (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.197)

Tannhäusers „Comeback“ Aquarell , Fineliner©️Axel von Criegern,2019
Neulich Abend traf mich die Fernseh-Übertagung der Bayreuther Inszenierung von Wagners „Tannhäuser“ (3sat) durch #Tobias Katzer mit voller Wucht. Der staubige Samt-Wagner und der Bayreuther Mythen-Kitsch wurden erfrischend durchlüftet und irgendwie glaubhaft in unsere Zeit versetzt: Der Meistersänger taucht mit absurder orangener Perücke und Clownsschminke mit Venus im silbern funkelnden Einteiler, umwerfender Dragqueen und einem gealterten Blechtrommler in einem klapprigen Citroen-Transporter vor dem Festspielhaus auf. Der Venusberg muss eine Art von „Ballermann“ gewesen sein! Beschwingt gehe ich in der Pause an meinen Zeichentisch, beginne mit dem Perücken-Orange und einer Reihe von Silberknöpfen auf schwarzem Samt und ein paar Strichen. Später tauchen wie flüchtige Erinnerungen Elemente von Kostümen und Bühne, Symbole und Atmosphäre auf, die sich zu einem Bild verdichten. Meine Inszenierung ist viel weniger gewagt, aber etwas vom amüsierten Staunen wiedergebend! Katzers Inszenierung traf auf einen Nerv, der schon seit meinen #Jan Steen -Aktualisierungen der neunziger Jahre ‚dauergereizt‘ ist. Am Tag zuvor war ich bei der Eröffnung der von #Nicole Fritz kuratierten, prächtigen Ausstellung „Comeback“ in der #Tübinger Kunsthalle mit erstklassigen Beispielen der aktuellen künstlerischen Aufarbeitung kunstgeschichtlicher Ikonen gewesen. Um mich zu vergewissern und zu vertiefen bin ich am nächsten Tag noch einmal zum Tübinger „Hügel“ hinaufgestiegen und dann las ich noch von Simon Stones Inszenierung von Cherubinis Oper „Medee‘ “ in Salzburg , die auch fulminant sein muss. Plötzlich fühlte ich mich selbst mit meinen #Jan Steen-Studien up to date, getragen von einer Welle des Wohlbefindens und der Bestätigung, zwar nicht „coming back“, aber „coming home“.

English Summary
Watching the actual interpretation of Wagners „Tannhäuser“ by the young Tobias Katzer on TV was overwhelming! It was a wonderful burlesque far away from the earlier Wagner- Mysteries on the „Hügel“ of Bayreuth. I was so high, that I started a watercolour- sketch in an interval.

„Cluster“ (art77blog.axel-von-criegern Nr.196)

„Cluster“, Aquarell, fineliner, Bleistift , 40x29cm ©️Axel von Criegern,2019

Das Beitragsbild zeigt eine Montage von Fragmenten eines Aquarells, das ich unzufrieden zerschnitten und die ich auf eine Fineliner- Zeichnung , die unfertig auf meinem Tisch lag, geklebt habe. Dazwischen freie Bleistiftstriche, die abschließend hinzukamen. Ich versuchte dieses Verfahren zu verstehen. Da ich zuletzt viel mit Layouts zu tun hatte, sah ich zwar Ähnlichkeiten, war aber nicht überzeugt. Ein #Layout teilt i.d.R. durch die Anordnung von Schrift-und Bildelementen einen bestimmten Inhalt mit .Diesen Schuh konnte ich mir bei meinem Verfahren nicht anziehen. Als ich im Frühstücks-Radio das Wort „#Cluster“ hörte, verband ich damit erst einmal Anhäufungen und Bündel. Ich beschloss mein höchst oberflächliches Wissen mit Hilfe von Wikipedia aufzufrischen. Von Clustern spricht man in vielen Bereichen zwischen Computersprache und Musik-Notationen und kreativem Schreiben. Allen gemein ist eine lose Verbindung von nicht verwandten oder identischen Elementen um bis dahin nicht bekannte Lösungen zu finden. Noten können aus Collagen und Grafiken bestehen und beim Schreiben setzt man auf das Zusammenwirken von Schrift und Bild. Meine Bleistiftlinien können unterschiedliche Funktionen haben. Sie stehen für Richtungen, für offene Kommunikation, für Lachen, Rauschen – kurz für Interaktion und Beziehungen zwischen den heterogenen Elementen. Ich habe das Gefühl, dass ich beim Beantworten meiner ewigen Frage #„Wie geht Kunst?“ einen Schritt weiter gekommen bin. Vielleicht bin ich auch einem Cluster von Irrtümern aufgesessen. Also wach bleiben!

art77blog.axel-von-criegern: „Wie geht Kunst?“, edition cantz, 2019 (erscheint im August) with english summary

English Summary

It started with cutting a watercolor-painting in pieces. Then I mounted them on an unfinished fineliner sketch just the way I liked it. First I thought that this had something to do with my layout experiences. But a layout like this doesn‘t make any sense. Then by chance I learned a bit more about cluster, clustering and their importance for several disciplines from IT- projects to notation of modern music. That made me design the fine pencil lines as a network of language, social relations, noises e.a.

Die „Sinn- Frage“ (art77blog.axel-von-criegern Nr 195)

Sinn-Suche C Axel von Criegern 2019

Victor E Frankls „Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn“ (München, Berlin 1985, 29.Auflage!! 2017) hat die Frage nach dem Sinn der Kunst für mich ausgelöst. Und zwar in der weitergehenden Frage ob ich diesen Sinn auch irgendwie festmachen kann. Aus dieser Frage heraus entstand eine kleine Skizze auf lausigem Papier, an der ich einigermaßen kindisch versucht habe den Sinn aufzuspüren. Die Skizze galt einem mir sehr wichtigen Thema, den Abbildungen von Raum nach der Zentralperspektive. Immer wieder habe ich mich an Gittern versucht, die Gegenständen und Figuren als Orientierung dienen. Auf dieser Basis kann ich mich einigermaßen sicher bewegen. Um mich dem Sinn anzunähern habe ich bei diesem Versuch die künstlerische Ausführung bewusst vorangetrieben. Meistens verweigere ich dies mit dem Argument Raum für andere Lösungen offen zu lassen. Ich habe ganz einfach eine Liebe für die Ästhetik des Schwebens. Gegen dieses Prinzip habe ich jetzt die Komponenten Gitterkäfig, Form und Farbe der Körper und ihr Verhältnis zum Raum gefestigt. So ganz kann ich aber auch hier das Spielen nicht lassen:vorn quillt eineZunge ins Freie und seitlich und rechts hinten stehen Assistenzfiguren. Angesichts des Ergebnisses sehe ich jetzt Vor-und Nachteile dieser konsequenten Durchführung. Was als Raumorientierung gedacht war, wurde hier zum Objekt. Die Körper bewegen sich nicht in einer offenen Gitter-Struktur, sondern werden von den Wänden eingeschlossen. Aus dem Denkmodell wurde ein Klettergerüst. Freundlich gesehen ist das eine exemplarische Anwendung meiner Vorstellungen, unfreundlich gesehen ist es ein barbarischer Eingriff in ein Arbeitsmodell. Das hat mich bei der Arbeit nicht beschäftigt. Ich habe mich stückweise voran gearbeitet: Der Sinn lag im Machen des Bildes, nicht in der Verfolgung meiner Raum-Vorstellungen. „ Hohes Kunstgericht, hier stehe ich und konnte nicht anders!“

English Summary
Reading essays of Victor E. Frankl about man‘s search for meaning I reflected the meaning of art in my own life. This endet in a test. All kinds of grids serve in my work as tools for space-imaginations. In this little colored drawing I transformed imagination into a real thing. Now I doubt whether this is a way to artistic meaning.



#Kairos (art77blog, Nr.194)

Fensterkino“ ;Kugelschreiber, Aquarell ©️AvC2019

„Kairos“ nannten die Griechen den alles zum Guten oder Schlechten wendenden Moment einer Entscheidung und nahmen ihn so wichtig, dass er in den Rang eines Gottes erhoben wurde. Einen solchen Moment habe ich vor einigen Tagen erlebt als ich in der Galerie des Tübinger Künstlerbundes eine Nachmittags-Aufsicht übernahm. Vor dem großen Fenster mit Sprossen ging es lebhaft zu. Vor dem Falaffel– Imbiss gegenüber standen die überwiegend jungen, sommerlich gekleideten Menschen Schlange. Fahrräder wurden abgestellt, Menschen aller Altersgruppen und verwegenem Outfit drängten sich vorbei. In der Galerie gab es nichts zu tun, so hatte ich Musze dem Geschehen draußen zuzuschauen. Ich hatte ein großes Skizzenbuch dabei und harrte der Dinge. Und dann rauschte Kairos wie ein blendend helles Licht durch mein Hirn. Ich sah einige Szenen draußen auf der Straße in den kleinen, von Sprossen gebildeten Fenstern und tastete das Geschehen draußen ab. Das wars! Jedes Fach musste Teil irgendeiner Geschichte werden. Die Betrachtenden sollten kombinieren und einen Kurzfilm sehen. Und jetzt zeigte sich wie göttlich der Kairos ist und wie menschlich das Folgende. Kaum war der Rausch vorbei, sah ich das Problem der Unterscheidung von Rahmen und Szene: Rahmen oder Szene mehr betonen? Hätte ich die Szenen ausgearbeitet, wäre aber ein falscher Akzent hinein gekommen. Also versuchte ich die Rahmen etwas kräftiger zu zeichnen,aber eben soviel, dass jeder Rahmen Mitspieler einer Szene ist und sich durchaus von den anderen unterscheidet. Jetzt waren die Szenen zu wenig artikuliert. Offen gesetzte Muntermacher- Farben sollten Leben reinbringen und die Szenen so voneinander trennen, dass sie nicht als ein Film gesehen werden konnten…Als ich aufhörte war klar, dass der Kairos mehr verdient hätte, aber vielleicht dient die Farbskizze der Verdeutlichung des Problems ‚Kairos in der Kunst-Praxis.

English Summary
we all know how important a single moment can be. The ancient Greeks called it „Kairos“. But I had never before experienced it so consciously as when I sat in an art gallery in the early afternoon of a sunny day: Looking through a large grid- shaped window I watched people passing by. Suddenly they became actors of small stages . It was not a movie, but a wallpaper with vibrating scenes. This happend in a second and was like a flash. Basically was it the switch from passive to active seeing , a kick to my awareness. I made a sketch.We need those decisive moments to make creativity start.
To make it a good design needs some more inspirations…