„Sie nickten , und die Traurigkeit wich aus ihren Gesichtern.“(art77blog.axel-von-criegern.de. Nr.299)

„Es gibt Dinge, die man nicht sehen kann, sagte er schlicht, „Da gibt es einen Schlüssel, den man in der Dunkelheit finden muss. Man muss vielleicht einen langen grünen Zweig benutzen oder einen zerbrochenen Baumstamm nehmen oder etwas anderes, das nur da ist, weil es zerbrochen war und die Stücke zusammenpassen können. Es ist viel einfacher, herauszufinden, was man malen soll, wenn man nicht zuviel darüber nachdenkt. Mach es zu deinem Freund.“ An diesem Tag beendeten sie das Bild und dachten über die vielleicht schönsten Worte nach, die sie je gehört hatten. Sie standen auf und sahen es an. Sie nickten, und die Traurigkeit wich aus ihren Gesichtern.“

Ein Opfer soll gebracht werden. Ein Opfer… Mit seinen düsteren Farben passt das Acrylbild nicht so ganz zu meinen anderen Arbeiten. Muss das denn sein?! Überzeugt bin ich nicht. Da macht es bereits ritschratsch und was einmal ein Bild war, liegt im Papierkorb. Das ist nicht so einfach wegzustecken. Es war der magische Text, der später meinen Blick in den Papierkorb lenkte. In den dunklen Farben schienen leuchtend weiße Adern zu pulsieren. Ich nahm einige Stücke heraus und legte sie zu einem neuen Bild zusammen. Weisse Risse wurden durch aus der Tube gequetschtes Gelb und einen roten Pastellstift verlängert; ein paar Kringel und das Bild erstand, allerdings wesentlich verkleinert, wieder auf.

#Der Text stammt aus dem soeben erschienen Buch „Goldener Käfig“ von Marc von Criegern (Werke 2015-2021). Fußnote 2, S.31 : „Dieser Text wurde von einer künstlichen Intelligenz erzeugt. Lediglich der erste Satz (einZitat aus Flauberts „Bouvard und Pecuchet“) wurde von mir vorgegeben. Anhand dessen generierte das Programm Talk to Transformer ( https://app.inferkit.com/demo) den restlichen Text.
# Vergl. dazu Jolanda Wessel:“Szenarien künstlerischen Forschens“, ebenda S.88-96. Dieser Text hat für das Verständnis der Arbeiten Marc von Criegerns eine Schlüsselfunktion.

English Summary

It was a surrealistic experience!! Paging through the latest book of my son Marc von Criegern, „Goldener Käfig“ /Golden Cage with a wonderful text written by Jolanda Wessel („Szenarien künstlerischen Forschens“, pp.88-96), I wondered about an incredible linguistic experiment. I know Marcs philosophical Studies about Diderots „encyclopedie“ and their fundamental meaning for his art. We also talked about Flauberts „Bouvard e pecucher“ as absurd story. And lately he mentioned an AI – program with astounding linguistic perspectives. He fed the program with one single sentence from „Bouvard pecuchet“ and the result was an amazing new text.
But back to my experience. When my wife looked for a certain watercolour painting in my study she was horrified by a acrylic painting on paper in dark colors. She asked whether we should keep this at all. ( you can’t store everything!). Ok, ok. Finally I agreed to tear it apart. Later I found a bunch of this dark colored pieces in the wast paper basket. Cuts and cratches were shining in a bright white from the ground. Like in a trance I picked some up, prolonging the white traces with some yellow and red. The resurrection of an unloved work!

Und plötzlich aus dem Nichts…(art77blog.axel-von-criegern.de; Nr.298)

English Summary

This may happen: You visit a design fair („Somad“, Villa Planten, Samedan,CH) and in a certain room you are attracted, almost alarmed , by a wooden door from the 16th century. There are incredible details, that recall drawings of the 20th century (Jean Cocteau!). It would be a nice challenge for art historians to find out who made this door, where the craftsmen came from etc. Here I can only express my personal excitement. For me there is a certain relationship to the southern german art of the so called „Donau-Schule“ . Maybe for somebody else there is nothing to wonder or to be excited.

Ein Kunst-Don Quichotte (art77blog.axel-von-criegern.de; Nr.297)

Dieses Bild stand, bzw hing jahrelang unbeachtet im Atelier. Es stammt aus einem Projekt, in dem ich mich mit einem Bild des niederländischen Malers Jan Steen (1626-1679), das in der Staatsgalerie Stuttgart hängt, auseinandersetzt hatte. Steens Bild steht für den Anfang meiner langen Bemühungen, der Kunstwissenschaft neue Impulse zu geben. Seine Ikonographie war Gegenstand eines Beitrags für die traditionelle niederländische „Tijdschrift voor kunsthistorische Documentatie“, 1/1971, S. 9 ff. In den folgenden Jahren habe ich daran gearbeitet, die Ikonografie, gestützt auf Aby Warburg und Erwin Panofsky mit den Erkenntnissen des Strukturalismus zu verbinden. Steen war dabei mein solides Fundament. Das eröffnete neue Handlungsräume für eine Didaktik der Kunst. („Transferstruktur“,1974; Struktur und Politik, 1975). 1976 wies ich die kunstgeschichtlichen Quellen der Fotos einer Ausgabe des „Stern“ nach.
Ab 1984 fand ich es an der Zeit der geistesgeschichtlich begründeten Kunstgeschichte durch die eigene künstlerische Praxis Neuland zu erschließen(„Abzeichnen als ikonologisches Training“). So meinte ich sie wieder mit ihrem Gegenstand , der Kunst, lebendiger verknüpfen zu können.

Mehrere Erlebnisse hätten mir eigentlich klar machen müssen, dass diese VISION nicht auf Gegenliebe stösst. Als Götz Adriani mir 1999 die Gelegenheit bot ein erstes Projekt über ein Bild Steens in der Tübinger Kunsthalle zu zeigen, machte er bei der Auswahl der Objekte freundschaftlich deutlich, dass er meine Hinweise auf den Sinn des Projekts nicht ausstellen würde. Im Katalog konnte ich einiges davon unterbringen( „Eine fröhliche Gesellschaft“… 1999). Gut, der Glamour einer großen Ausstellung wirkte hier mildernd und mein Studienfreund Peter Schuster, frisch gebackener Generaldirektor der staatlichen Museen zu Berlin sprach in seiner Einführung von einer „zweiten, künstlerischen Dissertation“.
Ganz krass fielen meine Versuche mit dem Stuttgarter „Abschied von einem Wirtshaus“ (ab 1999), auf das sich das Beitragsbild bezieht,aus. Dadurch dass die Beschriftung des Bildes im Museum auf meinen Text in „Oud Holland“ zurückgriff, fühlte ich mich ermutigt, mit dem Leiter der Abteilung „Niederländische Malerei“ Kontakt aufzunehmen. Es meldete sich eine Kollegin, weil der Leiter in Pension gegangen wäre. Dieses Treffen endete für mich und meine VISION desaströs. Da ich schließlich eine Vision an die Frau bringen wollte, hatte ich mich in einen Sommeranzug geworfen, eine zentnerschwere Mappe mit „Abfahrten“ zusammengestellt und bin nach Stuttgart gebraust. Den Porsche parkte ich vor der Tür und schleppte meine Mappe in die kühlen Gänge. Im verabredeten Raum erwartete mich eine todschicke junge Frau, die gleich bekannte, dass sie von den Niederländern eigentlich keine Ahnung hätte und hier nur in Vertretung sitze. Sie verstand mein Konzept überhaupt nicht, bzw. zeigte null Interesse und überlegte, wer im Haus etwas aus meiner Mappe ankaufen könnte. Au weia. Auf der Rückfahrt nach Tübingen hätte man mich ununterbrochen laut im offenen Auto fluchen hören. Angereichert durch ein Blechfiguren-Theater, eine Groteske im Stil des „Peter Squenz“, eine Reihe von Computer-Bildern u.v.a.m. wurde das Projekt dann in der Kunsthalle Gießen und in der Kulturhalle in Tübingen gezeigt.

Und nun der zweite Akt: Als ich von der Ernennung Sean Rainbirds zum neuen Direktor der Staatsgalerie Stuttgart gehört hatte, vergaß ich meine Wunden und packte ein Paket mit CD‘s und dem hübschen Katalog und schickte das ganze Konvolut an den neuen Mann. Wie Don Quichotte war auch ich viel zu stolz um nachzufragen und wartete. Wartete und wartete. Eines Tages kam mein Paket ungeöffnet mit einem netten Brief zurück. Da er ja nun die Staatsgalerie verlasse(2012!), habe er seinen Schreibtisch aufgeräumt und das Paket entdeckt. Er habe das beiliegende Schreiben gelesen, fände meinen Vorschlag sehr interessant und bedaure sich damit nicht mehr beschäftigen zu können…

Jan Steen war und ist mein Künstlerfreund und ich habe noch zwei weitere Projekte mit ihm gemacht. In dieser Rollenverteilung ist er mein Sancho Pansa.

#Literatur zu meinen Steen-Projekten siehe www: axel-von-criegern.de. Siehe auch Bibliographie in „Wie geht Kunst?“ (edition canz, 2019)

English Summary

Studying art and art history is exciting but also dangerous. Conflicts are inevitable. My vision was to revitalize the task of an art historian as practicing artist. I should have been warned when I studied Iconography and Iconology. Prof. Günter Bandmann and his assistants had a lot of enemies. But as a young selfconfident artist I didn’t care for that. Those teachers were simply great. But when I started with some challenging papers and projects I had to realize that one cannot break a solid academic wall , specially if it is a „ivory tower“. Pretty late I realized that I belonged to these characters Don Quichotte stands fore.

„Hegel hilf!“ (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.296)

Dem Bild sieht man nicht an, dass es aus einer Sinn-Krise heraus entstanden ist. Diese zeichnete sich im Blog-Post der vergangenen Woche ab (“Identitäts-Spiele”, Nr. 295). Da ich mich vor 16 Jahren aus dem akademischen Lehrbetrieb und vor 2 Jahren bewusst vom Ausstellungsbetrieb zurückgezogen habe, fehlen grössere Projekte und die damit verbundene Kommunikation. Mehr denn je muss es in mir selbst stimmen.

Jetzt wird es schwierig: Warum fiel mir in den letzten Tagen ausgerechnet der Name „Hegel“ ein? Also Georg Wilhelm Friedrich Hegel, 1770 in Stuttgart geboren, im Tübinger Stift mit Hölderlin und Schelling ein begnadetes Trio gebildet, in Berlin auf schwäbisch gelehrt und daselbst 1831 gestorben. In den 1970er Jahren war bei den aufgeklärten jungen Leuten Hegels Philosophie hochbrisantes Bildungsgut. Aus dieser Zeit besitze ich zwei Bände seiner Vorlesungen zur Ästhetik mit einer Einführung von Georg Lukacs und vielen Randnotizen vor allem im ersten Band, bei den grundsätzlichen Überlegungen. Mit der nicht ganz erklärlichen Neugierde schaute ich jetzt nach Stellen, die mich heute noch erreichen würden. S. 22 Wurde ich fündig:

„Deshalb ist unsere Gegenwart ihrem allgemeinen Zustande nach der Kunst nicht günstig. Selbst der ausübende Künstler ist nicht etwa nur durch die um ihn her laut werdende Reflexion, durch die allgemeine Gewohnheit des Meinens und Urteilens über die Kunst verleitet und angesteckt, in seine Arbeiten selbst mehr Gedanken hineinzubringen; sondern die ganze geistige Bildung ist von der Art, dass er selber innerhalb solcher reflektierenden Welt und ihrer Verhältnisse steht und nicht etwa durch Willen und Entschluss davon abstrahieren oder durch besondere Erziehung oder Entfernung von den Lebensverhältnissen sich eine besondere, das Verlorene wieder ersetzende Einsamkeit erkünsteln und zuwege bringen könnte.“ (Hervorhebungen von mir)

Das „Verlorene“ ist das Ideal des Künstlertums in intakten kultisch-rituellen gesellschaftlichen Sytemen. Es lässt sich in einer von Reflexiomen bestimmten, modernen Welt um keinen Preis wiederherstellen. Durch eine Dominanz der “Reflexion“ wird die Kunst zerpflückt und aufgelöst und logischerweise durch die Philosophie ersetzt.

Und jetzt weiter ohne Hegel. Es ist egal unter welchen gesellschaftlichen, politischen, kulturellen Verhälltnissen, Kunst kann nur in und durch einzelne entstehen. Das gilt auch für die Individuen in namenlosen Zeiten und in modernen Teams. Also hab´Vertrauen in deine Leistung. Sie gehört zu deiner Gesellschaft und ist somit „systemrelevant“. Die Hegelianer werden spätestens hier aufschreien. Aber in der für unsere social systems gebotenen Kürze sollen sie mir einen vergleichbaren Schlenker erst einmal nachmachen.

Und schließlich ist da ja noch mein (dialektisches) Krisen-Bild als Faktum.

English Summary

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) was the leading philosopher of the german „Idealismus“. I remembered from earlier studies his thesis of the arts substituted with philosophy. Looking up his lectures in esthetics, I stumbled across a basic paragraph. For Hegel is it almost impossible to be a good artist in a world of reflections. Hegels idea of the real artist is a construction But in the real world is it not a contradiction, but reality. It is constitutional for me and you to live and produce under the given circumstances.

„Identitätsspiele“ (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.295)

Wir kennen die uralte Sinnfrage: „Wozu ist das gut, was ich mache?“ Mich hat diese Frage immer in kleine, mittlere und grosse Krisen gestürzt. Natürlich wollte ich mit 16 aus der Schule raus, mit 18 zum Ballett und mit 20 irritierte mich eine Frau so sehr, dass ich das Akademie-Studium für 18 Monate unterbrach um mindestens General zu werden.

Vor ein paar Tagen passierte mir so etwas in abgeschwächter Form beim Aufwachen. „Ist die Metallarbeit meine Bestimmung? Bild: glänzende Reliefs, mit Draht-Ösen zu einem Metall-Teppich verbunden. Dann dämmerte ich wohl wieder ein.Meine ewige Liebe Holz tauchte auf. Das passende Bild waren kleine, polierte Holzskulpturen. Auch die miteinander verbunden. Und noch mal holte mich der Schlaf zurück. Bilder meines Ur -Themas, das Raster, das bis in die Akademie-Zeit zurückreicht, tauchten als nächste auf. Sie gingen nahtlos in kleine farbige Zeichnungen über, die mir sehr vertraut vorkamen. Zunehmend wach erinnerte ich mich daran, dass ich seit 2 Wochen jeden Abend, begleitend zum Fernsehen, auf einem 15x15cm kleinen Block, farbige Zeichnungen angefertigt habe. Diese Bildchen zu einem Raster gordnet, das wärs!
Nach dem Frühstück suchte ich die kleinen Formate zusammen und legte sie auf einem schwarzen Bogen Papier aus. Noch 2 Stück fehlten zu einem 9er- Raster. Die beiden nächsten Abende waren gesichert.Jetzt tauchten völlig neue Aspekte auf: Welche Bilder sollten nebeneinander, unter-und übereinander angeordnet werden? Gibt das Ganze wieder ein Bild? Wie groß müssen, dürfen die Abstände sein? Jetzt kam dasSpielkind der Kunst“ ( Peter Prange im Vorwort meines 2010 bei Wasmuth erschienenen Buchs „Meine Bilder“) in Fahrt. Das wars doch!
Mag das mit und in der Kunst Spielen ein bisschen sehr bescheiden für einen fast 82-jährigen klingen, trifft es doch meinen Kern. Es gibt nichts schöneres als mit Schönem ( nicht zu verwechseln mit den Schönen) zu spielen! Hier fand ich und finde ich immer meine Identität.

English Summary

„Identity“ is for an artist close to „self consciousness“. You might say „OK, thats true“. But I don‘ know any other profession, where this identity is in the same way fragile and vulnerable as for artists. Everything we do, perform, show or utter is „total“ has to be true. There are no empty forms, no pretty talking. Everything counts and is serious- even if it looks llike „playing around“.

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Michelangelo und die Sache mit dem Wasser (art77blog Nr. 294)

Ich kann meinen Mahagony-Block nicht ewig wie ein Relief bearbeiten! Ich muss um die Ecken und das bedeutet in Richtung Rundumplastik weiterdenken. Nun ist das nicht gerade ein neues Problem und auch nicht das einzige beim Bearbeiten eines Blocks. Bisher war für mich die organische Methode Henry Moors wegbestimmend, aber an diesem Block empfand ich die eine bearbeitete Seite als Einbahnstraße. Ich erinnerte mich an das Bild des sinkenden Wasserspiegels, der die Skulptur sichtbar werden lässt. Das war doch Michelangelo?! Mit wachsender Anspannung habe ich in den vergangenen Tagen in meinen Büchern eine Quelle gesucht. Schließlich gelangte ich im Internet auf Umwegen zu einem Ausstellungs-Katalog, der nicht nur meine Fage beantwortete, sondern zusätzlich mir völlig neue Aspekte brachte: „Michelangelo Schultern: Last, Kraft, Bild in Skulptur und Fotografie.“ Gegenstand waren Arbeiten von Dietrich Heller, Emma Critchley und Althar Jabe (Gerhard Marcks-Haus, Bremen 2013). Der Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses, Arie Hartog klärt in der knapp gehaltenen Einführung u.a. auch meine Frage. Die Wasser-Metapher stammt nicht von Michelangelo, sondern von Vasari, der in seinen „Viten“ mit diesem Bild die Arbeitsweise Michelangelos beschreibt. Michelangelo bearbeitete auch keineswegs nur einen Block von einer Seite. Dennoch hielt sich die falsche Zuschreibung unterschwellig bis heute. Eine Rolle spielte dabei auch Johann Joachim Winckelmann mit seinen „Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst“, Dresden 1755). Was gilt ist die Tatsache, dass Michelangelos Skulpturen immer eine Hauptansicht haben, die das Thema deutlich präsentiert. Andere Ansichten der Figur können für uns heute spannender sein, lassen aber das Thema nicht erkennen.

English Summary

With my actual sculptural work I felt threatened by a ‚ dead end‘. The material is a heavy, hard edge mahagony block. I started with one side. It was like looking for a perfect beginning, working unusually carefully. In the last days I realized that 3 more sides, lid and bottom are waiting. I remembered a metaphor that Giorgio Vasary used for Michelangelos way of sculpturing. He spoke of the sculpture that emerges in water. Michelangelo didn’t work so, but it’s a nice image. The problem is to connect the other sides of a block with the first side. My concept is something like a story, a drama. From Henry Moore I learnt the inner, negative sculpture. In my actual situation I have to combine the all round concept and the „cave“ concept. Vasari wrote about „fatica“ and „difficolta‘“ of the artists work. Why should it be easier for me?!

Stil und “style” (art77blog.axel-von-Criegern.de Nr.293)

“STYLE” Ist in vor allem in der jungen Alltagssprache und im weiteren Modebereich keineswegs die Übersetzung des Wortes “Stil”. Style bezieht sich auf den ganzen Lebens-Stil ,hat aber streng genommen damit nichts zu tun. Es ist das Wort einer anderen Zeit. Das wird beim Adjektiv “stylisch” noch deutlicher. ”Stilistisch” ist enger im Gebrauch.

Mich bewegten diese Gedanken als ich einer ganz anderen Sache auf der Spur war. Und zwar ergab es sich durch die kontinuierliche Arbeit mit den sozialen Medien, dass ich zwar jeden Tag künstlerisch arbeite, aber mit verschieden Funktionen und Zielen. Das eine Ziel ist mein wöchentlicher Freitags-Blog ”art77blog”, das andere habe ich mir dadurch ”eingebrockt”, dass ich die Woche über auf “Instagram” Präsenz zeige. Und wie eine Spange legen sich die Arbeiten darüber, die nicht in dieses Zeit-Raster passen. Irgendwie drängte sich mir die Frage auf, ob dieser Rahmen auf die einzelnen Prozesse und Produkte einwirken würde.

Skulptur aus Mahagony (Arbeitsfoto)
„Late sun“ , Acryl. 50x70cm ©️voncriegern 2021
„TV 07.06; 22:30“ Blackliner und Farbstifte, 15x15cm ©️voncriegern 2021

Durch dieses Zeit-Raster sehe ich die drei Arbeiten im weiteren Kontext von Lebensäußerungen, die zusammen ein in dieser Form unverwechselbares Leben bedeuten und formen.
Die Arbeit an der Skulptur aus Hartholz fordert Ruhe, Ausdauer, Verlangsamung des Denkens. Das grosse Papier lag im Atelier und forderte mich zu grösseren Malbewegungen mit den direkt davor stehenden flüssigen Acrylfarben heraus. Mit kleinen Holzkeilen ‚verzog‘ ich die Farbe. Den rechten und den linken Teil gestaltete ich an zwei aufeinander folgenden Tagen. Das hellere Licht und die sich wieder einstellende Heiterkeit gibt die linke Hälfte wieder. Auch die Grapheme wurden lockerer, bis hin zum scripturalen Blau links unten. Das kleine, 15×15 cm grosse Bild, entstand während des abendlichen ”Paar-Fernsehens”. Sehr selten faszinieren mich Sendungen so, dass ich ungeteilt aufmerksam sein kann und will. Das Papierformat lag noch vom vergangenen Abend auf dem Tisch. Ebenso die Farbstifte und der feine Blackliner. Durch dieses Vorgehen steht die jeweils entstehende Arbeit in einer Art von Serie. Dabei hat sich aber „etwas anderes machen“ als Motivation eingeschlichen. Neben allen Fortsetzungs-Merkmalen dominiert also die Opposition. Allerdings gibt es bei den kleinen Arbeiten kleine Korrekturen, kleine Akzente, die noch vor dem ins Bett gehen und am nächsten Morgen gesetzt werden.

Nun könnte ich in der Tradition der älteren Kunstgeschichte Merkmale herausarbeiten, die die „stilistische“ Zusammengehörigkeit belegen. Hier käme man zum „typischen Stil“ des oder der…Diesen Versuch habe ich abgebrochen , als ich die Chance sah die Lebenswirklichkeit mit einzubeziehen. Auch das konnte ich ja hier nur verkürzt leisten. Meine Notizen muss man sich in die Alltagserfahrungen eingebettet vorstellen -in einem Rhizom ästhetischer Erfahrungen und Entscheidungen. Und solche macht und trifft jeder Mensch kontinuierlich.
Und was hat das mit dem „style“ zu tun? Ich meine dass es bei diesem um kollektive, von ‚trends‘ geforderte ästhetische Verhaltensformen geht. Längst dienen sie nicht mehr der Klassen-Unterscheidung ,(die sich bezeichnenderweise des „Stils“ bediente), sondern folgen Moden, Medien und „Influenzern“. Der stimmige „style“ bietet (Schein-)Sicherheit.
So gesehen hat mein Beitrag eine erzieherische Komponente: wir müssen den „style“ als das verstehen, was er ist: Oberfläche. Lohnender ist es den eigenen Stil als Summe aller ästhetischen Aktivitäten bei sich sebst zu entdecken. Auf gehts!

English Summary

The difference between „Stil“ und „style“ is -as far as I know-specifically german. Generally spoken is ‚Stil‘ more old style, while ‚style‘ is more fashionable . In the plain translation both words are used in the arts, i.e. art history, art theory and esthetic. My art activities focus on the social media: art77blog every friday, daily work on instagram and larger projects depending on the reference to actual reflections. There’s a chance to watch and compare the production short term. So I stumbled into the question of a common style. In the language of young people „style“ and „stylishhave a particular stand but it has nothing to do with art terms. It’s more social. Discussing this point I couldn’t resist to encourage younger people to care about their own ‚style‘ in a more personal than social way.

„Erkenne dich selbst!“ (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.292)

„Spielraum“, Blackliner und Buntstifte/ colourpencil 15x15cm, 2021

Den eigenen künstlerischen Idiolekt zu kennen,gibt zusammen mit den handwerklichen Grundlagen, Sicherheit. Aber wir dürfen uns nicht gängeln lassen und unter Druck setzen. Ein Blick auf die eigenen Arbeiten zeigt, dass wir über mehrere Idiolekte verfügen.
Tiefer gründet etwas persönliches, das sich außerhalb, bzw. mit Hilfe der Kunst entwickelt hat. Bei mir sind es Skepsis gegenüber Normen, Widerstand gegen Anforderungen und Erwartungen, die an mich gerichtet werden. Sofort stellt sich Distanz ein. Das ist auf allen Lebensgebieten ein zentraler Impuls meines Handelns. Dieses dauernde Infragestellen macht das Leben nicht leichter und auch nicht freier. Mag dieses Verhalten in der Kunst noch als spezifisch akzeptiert werden, stößt es im Alltag häufig auf Unverständnis. Das Verhältnis von Idiolekt und Identität in der Kunst ist spannend , für die Akteure ist das #„Erkenne dich selbst“ aber vorrangig.

p.s. Nun kann man zurecht fragen wie bei meinem Beitragsbild die angesprochenen Probleme sichtbar werden? Die Antwort heißt: Mit meinen Zeichen (Idiolekt), Farbenwahl , Melodie und Rhythmus bewege ich mich in einem freien Spielraum, der sich in einem langen Leben gegen viele Widerstände, Niederlagen und Erfolge entwickelt hat.

#Kommt in Griechenland im 6.Jh. v.Chr. auf. Vielzitierte Inschrift am Apollo-Tempel in Dephi.

English Summary

The result of a weeks reflections is that there is something more than recognizing the special individual „Idiolect“ of an artist . It started in Greece about 600 b.C. that people asked themselves „Who am I?“ All of us,including the artists, are continuously asked this question. For me personally means it a resistance against „correctness“ ,trends, fashion, orders. It is not easy to live this way, but I need it! A battle for identity, independence, freedom. Certainly the small picture illustrating my reflections does not show this fight. But it stands for my special system of signs (idiolect), colors, rhythm. It shows my playground, a space for free breathing . I take it as a gift for of a long artistic life including all kinds of win and loose, worrying and happiness.

Mein plastischer „Idiolekt“ (art77blog. axel-von- criegern.de Nr. 291)

Wir kennen alle die künstlerische „Handschrift“. Wir meinen ohne besondere Hinweise einen Picasso, Giacometti oder Frida Kahlo zu erkennen. Es lohnt diesem schnellen Urteil Begründungen zur Seite zu stellen. Hier mache ich den Versuch anhand der Mahagony-Skulptur, die ich gerade erarbeitete, einen „Idiolekt“ zu benennen und aufzuzeigen. Beim plastischen Arbeiten versuche ich Bewegung in das Material zu bringen. Die tragenden Elemente sind dabei Rundungen und Aushöhlungen, Berge und Täler. Ein drittes Element ist der überbrückende Steg, eine Art von Rippe oder Handgriff. Er verbindet die Formen, steht aber auch für Richtung und Dynamik. Mit einem begabten Musiker-Enkel, der aber auch die Musikwissenschaft im Auge behält, habe ich an einem Beispiel von J.S.Bach darüber gesprochen. Für die guten Musiker und Komponisten gilt, dass sie die ihnen angeborene Prägung, zur Deutlichkeit entwickeln und gleichzeitig unendlich variieren. Von dem jungen Pianisten lernte ich, dass #Leonhard Bernstein(1918-1990) in Bezug auf seine Kompositionen von seinem „#Idiolekt“ sprach. Diesen Begriff, den ich bisher nur im Rahmen der Linguistik kannte, übernehme ich gern für die sichtbare Kunst.

English Summary

We are usually convinced that we know „a Picasso“ or Giacometti just from a first look. But what is the part of the Artists? While carving a sculpture from pretty hard Mahagony, I tried to figure out, what my sculptural „idiolect“ might be. Just look; maybe you name it.

I had a dream (art77blog.axel-von-criegern.Nr.290)

Dream
Back to carve …

Natürlich zitiere ich mit dem Titel des blogposts das berühmte „I have a dream!“ von Martin Luther King. Gegenüber seiner Vision einer neuen, gerechten, rassismusfreien Gesellschaft kommt mein Traum ziemlich banal daher. Handelt es sich doch um einen Traum, in dem ich erschreckend zu meiner täglichen Produktion von ‚Flachware‘ ,allen Arten von Bildern, auf Distanz ging und von der dreidimensionalen Arbeit als etwas reellem, handfestem, vertrauenswürdigem träumte. Mit der Erinnerung an eine angefangene, und für längere Zeit liegen gebliebene Arbeit in einem schweren Mahagony, nahm der Traum dann so konkrete Konturen an, dass ich am nächsten Tag den angefangenen Holzklotz aufstellte, das Werkzeug vorbereitete und mit bester Laune drauflos werkte. Für mich war der Traum der Fingerzeig um mich vor einer Abflachung in Routine zu warnen. Jedenfalls habe ich ihn so verstanden.

English Summary

Quoting Martin Luther Kings „I have a dream!“ the way I do it here, is somehow blasphemy. My dream has to do with my work as an artist. It was frightening to feel your selfconfidence in your daily work slide away. In the dream my paintings, drawings, paper works became very trivial and of little value. As a vision the threedimensional, sculpturing action appeared as rescue. I was so impressed, that I started to work again with a heavy mahagony trunk, which for over one year had patiently waited to be carved again. Certainly the Corona pandemic had a certain importance for this neglected part of my work. However it was good to feel the ‚ reel art‘ coming back to my body.