Piet Mondrian (1872-1944) und Jan Steen (1626-1679)? (Art77blog.axel-von-Criegern.de Nr.278)

„Mondrian und Steen“, Mixed Media auf Papier, 43x56cm, Axel von Criegern 2021

Dieses Thema wirkt sehr willkürlich-und ist es auch zu einem gewissen Grad. Es beschreibt eine Situation, in die ich nach Abschluss des Akademie-Studiums und meiner Entscheidung an der Uni Tübingen KUNSSTGESCHICHTE UND ARCHÄOLOGIE zu studieren, geraten bin. Eigentlich wollte ich über Mondrian arbeiten, aber mein zukünftiger „Doktorvater“ Günter Bandmann (ein sehr bedeutender Kunsthistoriker und Ikonologe), riet ab. Ein großer Gelehrter, Michel Seuphor, würde gerade an einer Mondrian-Biographie arbeiten. Er schlug die Ikonografie der Lustigen Gesellschaftsbilder des mir wenig bekannten niederländischen Malers Jan Steen vor. Hups, einen größeren Gegensatz konnte ich mir kaum vorstellen. Warum ich damals auf den Vorschlag einging, verstehe ich heute besser: Für beide Pole, die Askese Mondrians und das pralle Leben und dessen Bilder und Symbole in der niederländischen Kunst, hatte und habe ich eine Schwäche. Das ist natürlich sehr salopp ausgedrückt, denn die Polarität gehört zur Menschheitsgeschichte und gab den Mythen, Legenden und Märchen ihre Spannung. Es war eher meine dramatische Ader, die damals angesprochen wurde. Das Studium war in verschiedener Hinsicht aufregend. Zum einen gehörten Reisen nach Belgien und Holland dazu, Tage und Wochen in Museen, in ehrfurchtgebietenden Bibliotheken und Graphischen Kabinetten,die Lektüre der alten niederländischen Dramen, Sprichwörter, Emblem-Sammlungen, das Erfassen des Steenschen Werkes mit einer annähernd weltumspannenden Korrespondenz und vielen Stunden im „Rijksbureau vor Kunsthistorische Dokumentatie“ in Den Haag und seiner Fotothek. Unter dem Einfluß der FRANKFURTER SCHULE und der studentischen Revolten gewann das Studium dann an Dramatik. Für mich wurde das Studium des Strukturalismus (zuerst der französische und dann der tschechische ) und der Semiotik wichtig. Bei Roland Barthes (u.a. seine „Rhetorik des Bildes“) erlebte ich die Aufwertung des Trivialbildes, bei Adorno u.a. die herbe Kritik der bürgerlich-kapitalistischen Ästhetik. Für meine eigene künstlerische Arbeit wurde die POP Art, das Comic, Fotografie und Film wichtig. Dazu kamen spannende Erfahrungen als Lehrer in einer spannenden Zeit. Klingt alles in allem nach furchtbarer Selbstberauschung und ist es natürlich auch. Wichtiger ist es aber exemplarisch einen Einblick in die gesellschaftliche Situation, die die Generation von uns heute Ur-Alten geprägt hat, zu bekommen. Natürlich gehören dazu banale Dinge, wie die eigene Karriere und in Verbindung damit die Veröffentlichungen und nicht zuletzt, wie sich da die künstlerische Entwicklung abgespielt hat. In diesem Zusammenhang muß auch mein Verständnis der künstlerischen Praxis bei der Erforschung der Kunstgeschichte gesehen werden.

#Eine ausreichend umfassende Bibliographie findet sich in: art77blog. axel-von-Criegern.de „Wie geht Kunst?“ edition cantz, 2019

Zum Beitragsbild: Nach dieser Vorgeschichte ist klar, daß ich bei Steen die vielschichtigen Strukturen in und unter seinen fröhlichen Gesellschaften gesucht und betont habe. Das gilt auch für die „Gesellschaft auf einer Terrasse“, die im Metropolitan Museum in New York hängt. Wenn man sich bemüht, kann man gegenständliche Bezüge aus dem New Yorker Bild im Raster meines Bildes erkennen, das in der vergangenen Woche entstanden ist.

# Vergl. meine homepage, die ausschließlich die Auseinandersetzung mit Steen behandelt: www//: axel-von-Criegern.de

English Summary

On the first glimpse a ´merry society´of Jan Steen looks pleasant and the people very relaxed. This is true. My opinion is that the base of those paintings is a elaborated structure. In my studies a early love for Piet Mondrian met Jan Steen.

„Wir sind die Kunstgeschichte!“ Spurensuche nach dem Einfluss eines Bildes von Jan Steen.(art77blog.axel-von-criegern.de Nr.277)

„Dry Aged Steen“ Farbstifte, Acryl-Marker, Blackliner 2021 ©️von Criegern2021

Im nächsten Kapitel meiner Graphic Novel verfolge ich Spuren einer #“Lustigen Gesellschaft auf einer Gartenterrasse“ Jan Steens(1626-79) in meiner eigenen Arbeit über Jahrzehnte. Ich werde mit meiner ersten Begegnung mit dem Maler im Studium der Kunstgeschichte an der Universität Tübingen 1965/66 beginnen. In Stufen will ich dann die andauernde Faszination dieses Malers am Beispiel der „Lustigen Gesellschaft“ in sehr unterschiedlichen Ausformungen belegen. Ich finde es spannend wie notwendigerweise kulturgeschichtliche, wissenschaftliche,biografische und künstlerische Strömungen in diese Arbeit eingehen.

Das Bild „Dry Aged Steen“ entstand in der vergangenen Woche bei der Planung dieses Kapitels. Ohne direkten Bezug zu dem New Yorker Bild zeigt es Elemente der Gruppe der „Fröhlichen Gesellschaften“ Steens wie den trinkfreudigen Alten, die verführerische junge Frau, das Kind und den immer gleichen Hund.

#H. Perry Chapman, Wouter Th. Klöckner, Arthur K. Wheelock Jr. u.a. „Jan Steen. Maler und Erzähler“, Belser Verlag Stuttgart/Zürich, RijksmuseumAmsterdam, National Gallery ofArt Washington , 1996 , Abb. 48: „Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse. Um 1673-1675…Öl auf Leinwand, 141,5 x 131 cm; New York, The Metropolitan Museum of Art. Fletcher Fund“.

English Summary

The next chapter of my Graphic Novel will deal with the Garden Party of the Dutch painter Jan Steen (1626-1679) in the Metropolitan Museum in New York. The background of this task is the fact that I worked with this painting already since over 40 years beginning with my art history studies 1965/66. For years I employed this work as subject for models and practices in art education and and appreciation. In the nineties I switched to an artistic approach including essays, books, catalogues. So I want to track a long co-operation with my 400 years elder friend. The starter is a mixed media work on paper, which I produced last week. Here I designed some of Jan Steen motives -the drinking and cheering grandfather, the seductive young lady, a child and Jan Steens dog, that appears on many of his pictures.

„My Graphic Novel“: Leda #von rechts nach links (art77blog.axel-von-criegern.de Nr. 276)

‚Leda von rechts nach links‘ ist wörtlich gemeint. Der Mythos von der jungen Königin #Leda und Göttervater #Zeus in Gestalt eines #Schwans ist uns als Erzählung vertraut. Und er ist uns von links nach rechts geschrieben vertraut. Nachdem ich die ersten zwei Seiten gestaltet hatte, wurde mir klar, dass ich hier schrittweise nicht zum Ziel einer #grafisch perönlichen Erzählung kommen würde. Mit einem Trick befreite ich mich von dieser Zwangsvorstellung. Ich setzte mit Absicht einige abstrakte Zeichen ganz an den rechten Rand, also ans Ende der Erzählung und arbeitete mich von dort nach links vor. Einiges ist dazu anzumerken. So wurden die Zeichen in der linken Hälfte größer. Das bedeutet, dass die Geschichte im linken Bereich wichtiger wurde. Ob das mit dem Beginn der Erzählung erklärt werden kann, weiss ich nicht. Mir fiel auch auf, dass gegen Ende meiner Arbeit der Drang die Seite zu homogenisieren, Sprünge und Risse zu kitten, größer wurde. Gut erkennbar sind die beiden tiefschwarzen Partien links und rechts, die so entstanden. Auch die zuletzt geschriebene Zeile mit griechischen Buchstaben gibt dem Gefüge Halt. Ob das ein Schritt zu einer #eigenen grafischen Erzählform ist, weiss ich nicht. Schon beim Gedanken an das nächste Kapitel zu Jan Steen wird mir himmelangst und bange. Also zumindest ein grafisches Abenteuer!

English Summary

After the first two pages of the Leda-story I was terrorized by the feeling of being caught in a prison. The prison has many names: literature, narrative, writing, lecture e.a. In other words: I couldn’t see a chance for my ambitions to tell my personal Graphic Novel. In an act of desperate liberation I neglected the ‚right‘ way and posted some abstract signs at the very right end of the page. From there I designed the page step by step towards the left side . Certainly a liberation, but what fore? So the adventure goes on!

#Leda
#personal Graphic Novel
# ‚from left to right‘

„My Grapic Novel“: Die Rolle des Stils ( art77blog.axel-von-criegern.de Nr. 275) | Art77blog

„My Grapic Novel“: Die Rolle des Stils ( art77blog.axel-von-criegern.de Nr. 275) | Art77blog
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„My Grapic Novel“: Die Rolle des Stils ( art77blog.axel-von-criegern.de Nr. 275)

Als ich am vergangenen Freitag die Bedeutung der Aktualität für meine persönliche Graphic Novel herausgestellt habe, habe ich eine, wahrscheinlich die zentrale Aktualität, übersehen. Das ist der aktuelle Stil, einschließlich der ‚Tagesform‘ des Künstlers.
Nun ist die Stildiskussion „out“. Es ist also eine ganz persönliche Erfahrung, der ich diesen Namen gebe. Bei der „Leda“-Arbeit, die ich vergangene Woche beschrieben habe, hatte ich das Gefühl, dass ich draußen blieb. Bei einem zweiten Blatt habe ich die unterschiedlichen Bilder und Ausschnitte durch eigene Zeichen zu verbinden versucht. Daraus wuchs die Überzeugung, dass ich besser mit meinen # Zeichen beginnen sollte. Das Thema müsste dann während der Seitengestaltung ‚zuwachsen‘. Ich wählte Farbstifte, die mir wegen dem „all in one“ gefallen. Indem ich an der rechten Blattkante begann, behinderte ich den thematischen ‚Illustrations-‚Fluss‘. Das Tolle war mein Gefühl mich auf festem Boden zu bewegen. Und da war es offensichtlich auch für das Thema kein Problem sich unter die Zeichen zu mischen: der Schwan, die Initialen „K“lytemnestra, „H“elena, C, P und L. Bis heute habe ich die Häfte des Blattes gefüllt (s.Beitragsbild). Es gibt also noch zu tun und zu berichten. Sehr gespannt bin ich, ob und wie es gelingt, meine Erfahrungen mit Jan Steen vom Zeichenansatz her neu darzustellen.

# Axel von Criegern. „vor-schriften“/„vor-bilder“. Texte und Zeichnungen. Rottenburg a.N. 1996

English Summary
Although „style“ is an old fashioned word , it became last week an actual and crucial meaning for me ( art77blog Nr.274) . I worked hard with subject „Leda and the swan“, but had the feeling that there is something wrong. In a kind of reset I abandonded the familiar images and started to draw with color pencils using my store of ‚abstract‘ signs. My feeling switched now to happiness and „home coming“. Obviously it was the
‚actual style‘ for the solution of my problems.

„My Graphic Novel“: Leda aktuell! (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.274)

„Leda aktuell“ ,Zeichnung, Collage; ©️von criegern 2021

Leda hat mich voll erwischt! Das Material habe ich über Jahre zusammengetragen und wollte es nun für die Seite 12 meiner speziellen Graphic Novel verwenden. Das hat mich die ganze Woche beschäftigt. Jetzt erst wurde mir richtig klar, dass die Novel aktuell sein muss, aktuelle Denk-und Arbeitsspuren zeigen muss. Wen interessiert schon, dass ich vor Jahren Material zusammengetragen und gezeichnet habe um den Niedergang der Mythen und den „Missbrauch“ durch Werbung zu belegen. Das hat heute nur noch historische Bedeutung. Kultur-und Gesellschaftskritik standen für das Ende der alten Aufklärung. Heute steht eine lebhafte Teilnahme an der Diversität, am multikulturellen, multimedialen „Events“, Skandalen und Meinungsstürmen im Zentrum. Erst vorgestern Abend machte mir „YouTube“ klar, dass ein antiker Mythos Material für „Soaps“ mit seriösem Anstrich sein kann.. Unter „Greek Mythologyy“ fand ich auch Leda. Die gnadenlose Verkitschung im Poesie-Alben Stil (s. Screen-Shot) lässt Teenager-Träume wahr werden. Eine Influencerin mit dünnen lila Haaren(„My Name is Leda“) gab mir den Rest. Ich zeichne und schreibe keinen kulturkritischen -Essay, sondern sondern ringe um aufklärende und ästhetische Unterhaltung. Und da zählt ein hellenistisches Relief (heute!) weniger als unsägliche Sahnebildchen aus der Öldruck-Zeit! Wie weit nun meine einseitige Kurzfassung das leisten kann, weiß ich nicht. Möglicherweise sehnt man sich doch rasch nach Ledas Rosen-Bett und dem possierlichen Schwan…

Englisch Summary

Another crisis, stormy weather for „My Graphic Novel“. Over years I have compiled images of the ancient greek myth of Leda and Zeus,i.e. the swan. Layouting the pictures chronological has no „Novel-quality“, is not entertaining. So I worked hard and created a blend of arthistorical images and unbelievable „Kitsch“ as we know it from girls albums from grandmother times. I got those from YouTube „Greek Mythology“ !!

„My Graphic Novel“: Bestandsaufnahme nach 10 Seiten (art77blog.axel-von-criegern.de Nr. 273)

Der Vorteil meines wöchentlichen blogs liegt darin, dass ich immer eine verlässliche Periode habe um die Weiterarbeit zu überdenken und den nächsten Schritt zu machen. So sind nach meinem heutigen Verständnis die ersten 9 Seiten eine Reaktion auf #Yuval Hararis Buch ‚Eine kurze Geschichte der Menschheit‘ und die von ihm unterstützte #Graphic Novel ‚Sapiens‘. Bei den Überlegungen wie denn meine Graphic Novel aussehen könnte, wurde ich auf meine grafischen Erzähler- Qualifikationen gestoßen. Die liegen (wenn überhaupt) im weiteren BildBereich. Also ging es darum, sie näher zu bestimmen. Eine spannende Erfahrung!! Ich denke, dass die „Urschlamm“ -Versuche noch viel mehr hergeben würden, aber das greift mir im Moment zu kurz. Schließlich ist meine größte Resource die Kunstgeschichte in Form ikonologischer Forschung, didaktischer und eigener künstlerischer Praxis. Schon beim Versuch einer Auflistung wurde allerdings erkennbar, dass das auf eine konventionelle Werkbiografie hinauslaufen würde. Nächster Ansatz: nur wenn es gelingt, diese Erfahrungen zu verallgemeinern und mit treffenden Beispielen zu belegen, kann man damit etwas anfangen.

Bei dem Versuch zu verallgemeinern und mit Beispielen zu belegen, kam ich zu diesem Konzept: 1. „Urschlamm“ (Beispiel art77blog Nr 272)
1.1. „Vom Urschlamm zu Bildzeichen“ Nr. 273, heute)
2. Kunstgeschichte
2.1. trivial, alltagstaugliche Bildgeschichte. ( Eine Fotoreportage im „Stern“)
2.2. Forschungshintergrund, werkzentriert (Jan Steen, Fröhliche Gartengesellschaft, Metropolitan Museum, New York).
3. „Open End“
3.1. Variationen, Assoziationen
3.2. große Bildkomplexe, Bildprogramme ( Beispiele aus meiner „Tuwologie“).

Das klingt nun viel gefestigter und abgeschlossener als es sein kann!
Viele materiale, stilistische, mediale, technische, thematische Überschneidungen und Varianten sind vorstellbar!
Eine erste Kostprobe ist die Montage aus sehr unterschiedlichen Auseinandersetzungen mit kunstgeschichtlichen Vorgaben. Heute nennt man das missverständlich „Ikonen“.

Ob das nun für eine „Novel“, eine Geschichte oder Erzählung, ausreicht, weiss ich (noch) nicht. Jetzt muss erst einmal ‚in die Hände gespuckt werden‘😉!

English Summary
If you remember I started my thinking of a new type of Graphic Novel with a critical look at Hararis ‚Graphic Novel‘ „Sapiens“. As ‚graphic author‘ I had to think about my artistic base and experiences I could rely on. .

1. I love all kind of puzzle images.
2.Art history in a various, wide spread use between popular commercials, illustrations and research.
3. I have some experiences with practical iconology and exploiting a single subject in almost endless variations (‚open end‘).

But how to go on? Take this alteady for a content or method and tools for something else. Seriously I don’t have an idea. I start with presenting the various possibilities and hope that inspiration will grow.

„My Graphic Novel“, Chapter 4,page1: „Urschlamm“ (art77blog.Nr.272)

Bemerkung zum Konzept „My Graphic Novel“:

Als ich meinem Erziehungswissenschaftler-Freund Ludwig Liegle am Telefon erzählte, dass ich mich als Nächstes in meinem grafischen Roman als grafischer Autor selbst vorstellen wollte, murmelte er „also eine Art Autografie“. An diesem wunderbar treffenden Wort kam mir etwas nicht geheuer vor. Es heißt tatsächlich etwas ganz anderes als wir beide darunter verstanden hatten (verstehen wollten), nämlich das lithografische Umdrucken mit Papier. Ich konnte aber die Analogie zu Monographie nicht vergessen. Also: „Attempto!“ wie man in Tübingen sagt.

Alle bildnerischen Bereiche, in denen ich aktiv war und bin, habe ich auf 3 Themen reduziert:

  1. Vorgefundenes, Zufallsfunde, Naturstudien grafisch deuten. Stichwort „Urschlamm“ (#art77blog, Nr. 271 -vergangene Woche)
  2. Den Hang zur Gesamt- Gestaltung . Ein Beispiel ist eine ´Tuwo` genannte Figur, die ich seit über 50 Jahren begleite. Stichwort: „Tuwologie“.
  3. Beobachten und studieren des Weiterlebens der Kunstgeschichte in der aktuellen Bildkultur. Stichwort: #„Ikonologie“.

Dabei bleibe ich dem „Autografischen“ soweit treu, als ich durchgängig mit eigenen, grafischen Annäherungen arbeite.

Bei der Arbeit am obigen „Urschlamm“-Blatt drängte sich mir immer wieder der Begriff „#Vexierbild“ auf. Ich zeichnete drauf los und beobachtete wie völlig ungeplante Figuren, Gegenstände, Szenen u.a.m. aus dem grafischen „Nebel“ auftauchten. Da lag die Frage nicht zu weit entfernt, ob nicht alle unsere Bilder Niederschläge eines unendlichen kosmischen, göttlichen Vexierbild sind? Das würde allerdings unsere Vorstellungen von Realismus, Naturalismus, Mimesis, Ästhetik ins Wanken bringen. Das ist kein beruhigender Gedanke. Aber schließlich heißt „Vexierbild“ wörtlich Ärger-Bild, weil es unsere Gewohnheiten irritieren will.

Englisch Summary

I thought it would be fair to introduce myself as author of a pure „Graphic“ Novel with my basic techniques and subjects. I compiled 3 bundles. The First is based on look and studies of any kind of coincidences. The second has to do with my holistic approach, the total work of art. And the third one is a very personal interpretation of „iconology“. Working on the todays drawing I digressed again and again to Picture Puzzles. Finally I decided that watching coincidences causes very often confusion.

My Graphic Novel: Woher kommen die Bilder? (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.271)

Motive aus dem „Urschlamm“. Tusche laviert, Grafit, Finemarker. 2021

Die Frage nach der Herkunft der Bilder ist modern. Über Jahrtausende liess die im weitesten Sinne kultische Anbindung der Bilder diese Frage nicht aufkommen. Voraussetzung war die Säkularisierung des Bildes, das es zum ersten Mal jedem anderen Gegenstand wissenschaftlichen Interesses gleichstellte (#Hans Belting). Für die Künstler*innen bedeutete das, dass sie die neuen Bilder erst erfinden mussten und müssen. Diese Vorstellung einer „schöpferischen“ Leistung ist für mich persönlich wichtig. Sie trifft auf alltagstaugliche Aussagen, wie die, dass wir nur sehen, was wir wissen oder kennen(#Goethe). Das mag banal klingen, spielt aber bei meinen Überlegungen zu einer grafisch konzipierten Geschichte eine wichtige Rolle. Schließlich ist man in diesem Fall Autor und sollte sich sehr wohl über seine Ressourcen Klarheit verschaffen.

Ich bin so eingestiegen, wie wir es vom neugierigen Blick auf beliebige bedeutungslose Oberflächen-Muster kennen, in denen wir Fabelwesen, Gestalten, Gegenstände erkennen. Mit verdünnter schwarzer Tusche, Spuren von Lappen und Gittern, gewischt und gepunktet, entstand ein ungeordnetes Muster. Und wie unser suchender Blick über solche Muster streift, ließ ich einen Grafitstift über das Papier streifen und tastete mich an etwas auffallende Kanten oder Punkte heran. Mi einem o,2 mm Fineliner, setzte ich dann Akzente.

Dieser Prozess lässt sich tatsächlich mit dem oben beschriebenen Suchspiel vergleichen. Allerdings nahm ich das Spiel insofern sehr ernst, als sich bei mir immer mehr die Vorstellung festigt, dass alle, historische und aktuelle Bilder, letztlich aus einem „Urschlamm“ kommen. Phantasie, Ideologien, wissenschaftlicher Fortschritt, Befindlichkeiten, Kultur- und Umwelteinflüsse, Verwendung und handwerkliches Geschick u.v.a.m. bestimmen die Qualität der Produkte. Natürlich unterliegt auch diese Überzeugung Voraussetzungen. Bei mir waren das Untersuchungen zum Verhältnis von Bild und Sprache, mein Studienschwerpunkt Grafik und Illustration, die bildhauerische Beeinflussung durch den Vater und nicht zuletzt mein Kunstgeschichts-Studium mit dem Schwerpunkt Ikonologie als Methode und Barock als Zeit. Dazu kam die spannende Diskussion der Frankfurter Schule mit dem besonderen Interesse an der Alltags-Ästhetik. Ein Merkmal der Ikonologie ist die Bereitschaft nicht nur die Literatur, sondern alle kulturellen Einflüsse auf die Bildentstehung in Erwägung zu ziehen. Und letztlich muss ich auch meine langen Lehr-Erfahrungen mit Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Herkunft nennen. Meine Annahme ist also dieser diffuse Hintergrund, aus dem Vorstellungen und Bildwerke entstehen.

Ich denke, dass auch im frühen Stadium der Erarbeitung der ersten Seite dieses Kapitels bereits erkennbar wird, was noch zum „Bild“ fehlt. Mir ist jedenfalls schon klar, dass ich gliedern, rhythmisieren und den gleichmäßigen Fluss unterbrechen muss.

Englisch Summary

After the first three chapters of my Graphic Novel, I realized a gap, an abyss without knowing how to continue. After a while I thought about the job of a writer. She or he has to be aware of her or his basic qualities . So I started to think as a `graphic writer`. In a first step I got to clear my imagination of an undefined hazy ground as base of all existing images. From this „Primal Mud“ start all art activities. The challenge for the following pages will be to cheque more specific and personal chances and decisions.

+Hans Belting hat mehrere Bücher zur Kulturgeschichte des Bildes verfasst. #vergl. Ähnliche Beiträge in art77blog.axel-von-criegern.de: Wie geht Kunst? 2019 #Graphic Novel, #Ikonologie #Frankfurter Schule

„My Graphic Novel“, chapter 3,page3 :Gegensätze (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.270)

Immer wieder Schrift-Berührung ©️2020

Am Beispiel der Graphic Novel ohne „Script“ erfährt man die ganze Wucht der ‚grafischen Verantwortung‘ bei der #reinen Bildkommunikation.
Nach den lebhaften Seiten 1 (Comic) und 2 des 3.Kapitels wollte ich nicht so aufgelöst weiter machen.

My Graphic Novel Chapter3,page 2 ©️Voncriegern 2020

Also begann ich links mit großen,farbigen Formen, an die sich blasse Pinselstriche anschließen. In diese haben ich mit krakeligen Tusche-Strichen und einem roten Marker hineingezeichnet. Rechts davon, in der Mitte der Seite, stehen kompakte, ‚archaische’ Zeichen, die aus mit Grafit abgeriebenen Oberflächen gebildete, entstanden sind. Mit ,Augen zu‘ legte legte ich über diese drei Partien Linien mit rotem Marker. Für mich war das eine ‚kalligrafische’ Schicht. Von dort sprangen meine Gedanken zur „#Signatur der Dinge“ (#Paracelsus 1493-1541), die später in anderen Formulierungen und kritisch weitergedacht bei #Goethe, #Kant, #Schelling bis #Bloch auftauchten . Die Naturbeobachtung von Wolken, Wasserströmungen, Sturm u.a. der Renaissance-Künstler ist die künstlerische Entsprechung. Nicht aus naturwissenschaftlichem, sondern ästhetischem Interesse füllte ich das letzte Drittel der Seite mit Abreibungen von Oberflächen und betonte dabei die besondere ,Zeichnung‘ dieser Oberflächen. Die Beschriftung mit „natürlich“, „heroisch“, „manufakturell“, „typographisch“, „destruktiv“ und „kalligraphisch“ spielt auf Schrift-Charaktere an.
Und wie gehts im 4.Kapitel weiter? Es ist ganz natürlich, dass man während des letzten Abschnitts an die Fortsetzung denkt. Das neue Kapitel könnte sich deutlich mit einem meiner „großen“ Themen beschäftigen: der künstlerischen Auseinandersetzung mit historischen Bildern und deren aktuellen Beziehungen. Mal sehen ob ich da etwas hinbekomme.

English Summary

„My Graphic Novel“ becomes more and more literally „my“ thing. Starting with a critical approach to a so-called „Graphic Novel“ based on Yuval Hararis ‚A Brief History of Mankind‘ my ‚novel‘ made my personal artistic problems to its real content. The last ‚chapter‘ performed in 3 steps graphic actions between picture and letters.