Gibt es eine „europäische“ Kunst? (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.244)

Computerarbeit nach Jan Steen (1626-1679) „Abfahrt vom Wirtshaus“ ©️2020

Natürlich gibt es die „Europäische Kunst“! Regale voll Bücher und viele Einrichtungen lassen keinen Zweifel aufkommen. Heute würden wir sagen, gemeint sind Künstler*innen, die aus der EU stammen, wohnen und arbeiten. Allerdings ist das zeitübergreifend nur bedingt gültig. Stichworte sind byzantinische Künstler in Ravenna , Venedig (die Mosaike! ), ‚muslimische‘ Künstler am Hof Friedrich II in Sizilien und Apulien oder Spanien (Cordoba!), Kandinsky ( Blauer Reiter und Bauhaus) u.v.a.
Bei der Lektüre des eben erschienen Buches von #Jürgen Wertheimer: Europa. Eine Geschichte seiner Kulturen.(Penguin, München 2020), stieß ich auf einen Gedanken, der mich die Frage nach der ‚europäischen‘ Kunst neu stellen lässt. Wertheimer räumt der #Aufklärung des 18.Jahrhunderts und ihres Scheiterns die Bedeutung einer historischen Wende in Europa ein. Am Beispiel von #Denis Diderot, dem Mit- Begründer der einmaligen #„Encyclopedie“ und Verfasser des Dialogs #„Rameaus Neffe“(1762) entwickelt der Autor das #„ dialogische Prinzip“ als bleibendes Erbe der Aufklärung und erklärt das #„System Aufklärung“ zum #
„Synonym für Europa“. Dann folgt die Überleitung zur Gegenwart „Wir sollten Europa immer wieder an diesen Teil seines Erbes erinnern. Es ist unser USP ( #Wikipedia: „Alleinstellungsmerkmal“) aber auch das Herz unserer individuellen und kollektiven Kommunikationstechnik-und zwar von Beginn an.“ (S.330) Da ich selbst Kunst als ‚Kommunikationstechik‘ verstehe, wirft das für mich neue Fragen nach ‚europäischen‘ Merkmalen der Kunst auf. Und natürlich: wenn ich bereits eine plausible Antwort hätte, würde ich sie sofort und mit bestem Gewissen preisgeben!

English Summary
If you look for ‚European Art‘ Wikipedia will tell you something like ‚art made in Europe‘ or by european artists, and there is nothing wrong. Reading a recently published book of Jürgen Wertheimer, Europa.Die Geschichte seiner Kulturen (Penguin, Munic 2020) I got an idea for a more essential answer. Following Wertheimer the
dialogue is the most important result of the enlightenment. The enlightenment is the ‚USP‘, the brand of Europe . His call is never forget this roots of of the European culture and makes me think about a different answer to what European art is . But this will be a real tough job…

Kunst braucht das „U“ (art77blog.axel-von-criegern.de Nr 243)

„Rederijker- Sprechmaschinen“, Feder, Aquarell ; 20x20cm,©️Von Criegern 2001

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es die Einteilung ‚Unterhaltungsmusik‘ und ‚ Ernste Musik‘. Es ging um Bewertungen, auch im materiellen Sinne. Vergleichbare Unterscheidungen kennt die „Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst“. Hier hat die Bewertung von Bildern im Internet jüngst für Unruhe gesorgt.
Meine Meinung ist, dass Kunst dringend die ‚leichte‘ Kunst als Ausgleich braucht. Schon die Antike unterschied zwischen dem dionysischen und appolinischen als Prinzipien. ( s. Winckelmann, Schelling, Nietzsche u.a.). In der Neuzeit ist das 17. Jahrhundert ‚mein‘ Modellfall . Moliere gegen Racine, Vermeer contra Ostade, Gryphius und Grimmelshausen. Bei Jan Steen (1626-1679) ist das Unterminieren der ‚bierernsten‘ Kulturproduktion eigenständiges Mittel. Sei es durch Mimik der Hauptfiguren oder ‚krass’ subversive Aktionen, wie wenn ein Junge auf den abgeschlagenen Kopf des Goliath pinkelt, den David bei der triumphalen Rückkehr am Fuss einer Treppe abgelegt hatte. Das Lachen zwingt den Betrachter dazu ein ikonographisch ‚festgefahrenes‘ Thema neu zu sehen und zu reflektieren. So etwas setzt eine offene Gesellschaft voraus, in der die „künstlerische Freiheit“ gewürdigt wird. Für Künstler(innen) sind solche Einfälle lebenswichtig. Viel unscheinbarer zeigen sie sich dort wo der Kanon der Kunst selbst zum Ansatz von ‚Störungen‘ reizt. Ein Beispiel ist die geometrische Kunst, wenn sie sich nicht an die ‚Regeln‘ hält. Und genießen wir es nicht alle, wenn wir ähnliche Brüche im Alltag entdecken?

English Summary
Art needs a touch of entertainment! We don‘t want to be bored. We don’t want to hear or see what we already expect. Although the repetition is required to a certain extension, not only to please but also to understanding . My
little design reflects the solemnity of amateur actors‘ performances. We encounter this kind of amusement every day when we find strange features in a commercial or surprising details in nature. So entertainment is not only vital for the arts…

# „E und U“ : Sehr guter Überblick in Wikipedia
# Appolinisch und dyonisisch“ in Wikipedia
# art77blog.axel-von-criegern.de : „Wie geht Kunst?“, edition cantz 2019
# art77blog „Du bist ein clown!“; „wissen als künstlerische Behinderung?“(Nr.230); „Wir sind Hölderlins Erben“(Nr 219); „Mein Freund Jan Steen“ (Nr 206); „Die Dichter( Rederijkers) (Nr 146); „Italienisches Straßen-Theater“(Nr 139); „Mein steiniger Weg zu Johann Sebastian Bach“(Nr 118); „Jan Steen und das Blech“( Nr 113); „Meine Bilder müssen mich unterhalten“(Nr 43)
#Jan Steen.Maler und Erzähler. Hg. Chapman,Kloek,Wheelock,Jr. Belser, 1996.

Das Warenzeichen des Bäckers Modestus (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.242)

Links: „Flora“ ,Wandbild aus Stabiae, Museum Neapel. 1.Jh. n.Chr. Rechts: angeblich das Warenzeichen des Bäckers von Modestus aus Pompeji ( Foto :Tilman Rösch ©️2020)

Die beiden Archäologen erstarrten: da lag zwischen Servietten, Gebäck und Aperitiv-Gläsern ein ca. 3 cm grosses Artefakt mit einem dunkel-schokoladenfarbnem Stempel. „Pompeji !!“ entfuhr es den beiden. Ohne Zweifel die Silhouette einer sich elegant und tänzerisch bewegenden Frau. Während das Untergewand rhythmisch Musik zu skandieren schien und die Figur fast schweben ließ, verriet die straff über den Busen und die Schultern gewickelte Stola die Würde einer römischen Dame. Das Ganze hatte etwas von abgebrochenenem Brot. „ Sollte es etwa …?“ Man hatte bei Grabungen in Popeji an einem Haus den Hinweis auf einen Bäcker mit Namen Modestus gefunden. Könnte das gar ein Qualitätsstempel des dann allerdings nicht so bescheidenen „Modestus“ sein? Das wäre beispiellos und sensationell. Nach dem verheerenden Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr., waren wohl schon bald Überlebende zurückgekehrt um unter der Asche-und Gesteinsschichten nach allem zu suchen, was sie in Panik hatten liegen und stehen lassen. Viel wahrscheinlicher war aber dass bei einer der späteren (Raub-) Grabungen so ein Bruchstück in den Grabungsschutt geraten und dort nach Hunderten von Jahren entdeckt worden war. Ein völlig unangemessenes Lachen riss die Gelehrten aus den Träumen: das sei ein Stück von der „Focaccia“, die die Dame des Hauses gebacken hätte und das Schwarze seien zusammengebackene Oliven. Also nix Sensation. Das sahen aber andere nicht so: Kurze Zeit später wurde getwittert: „Archäologische Sensation: antiker Brotstempel in Pompeji entdeckt!!“

English Summary
Two archaeologists and their wives met for an aperitivo. Enjoying their aperol spritz they both shouted loud and pointed at a small kind of artefact inmidst of the plates, glasses and napkins: „Look at this, unbelievable!“ In a bread-like brown object a black silhouette of a dancing lady seemed to be stamped in. They knew from a baker with name ‚ modestus‘ in old Pompeji, but a bread-stamp??? The laughter of the ladies woke them up. It was the piece of a real „Focaccia“ with handful of black olives baked together. But what was that: A tweet announced: „Sensation! Brand („sigillum“) of an ancient pompeian bakery found“ Now our two scholars and their wifes looked pretty perplexed, believe me.


#Lit. Marcel Brion, Pompeji und Herculaneum, zweite deutsche Auflage Köln 1965 ( engl. Original: Pompeii and Herculaneum. The Glory and the Grief)

Ein Märchen-Stift (art77blog. axel-von-criegern.de Nr.241)

„Disney-Märchen“, artist pen, Aquarell, Buntstifte, 19x17cm. ©️AvC 2020

Es war Zufall, dass ich beim Suchen nach einem schwarzen Stift im Durcheinander meines Zeichen-und Schreibtisches einen ‚artist pen‘ erwischte. Zwei Probestriche machten mir klar, warum ich diesen Stift immer übersehen hatte. Tuschestifte mussten in meiner bisherigen Zeichenpraxis sehr fein und exakt sein. Dieser Stift dagegen hatte eine weiche Spitze und sein Strich ähnelte dem eines Pinsels. Und das machte spontan erst einmal Spass. Die Linien schienen zu tanzen, Gleitschritte und Pirouetten auszuführen. Völlig anders als meine gewohnten „fine liner“ hatten sie ein Eigenleben , das zum Erzählen drängte.
Eine ähnliche Entdeckung hatte ich gemacht als ich mit elektronischen Medien freihand zu zeichnen begann. Bilder schienen ‚magisch’ auf dem Schirm zu entstehen. Und etwas davon hatte der neue Stift auch: ein Pinsel, der sich selbst am Leben erhält, der keine Pigmente und Malmittel braucht. Ein hybrides Werkzeug.
Als ich mit Aquarell und Buntstiften darüber ging, war es eher wie Malen. Die Farben wollten sich mit den Linien verbinden, reagierten nicht wie sonst bei mir antithetisch, Spannungen aufbauend und solche ausgleichend.
Was mich angeht, glaube ich, dass ich die Nähe, bzw. den Schatten der genialen Pinsel-Zeichner Rembrandt, Goya oder Watteau fürchte und daher meine Entwicklungsmöglichkeiten bei Strukturen, Dekonstruktion und in einer künstlerischer Dialektik suchte.

English Summary
I don’t know whether you ever used a soft pen, called ‚artist pen‘ or something like that. For me was it a nice experience because I usually design with thin hard pen
s , for example a 0,3mm fine liner. The artist pen was ‚pressure sensitive‘ like an electronic graphic tool. It seemed to dance and swing on the paper. I suppose that it would make good illustrations for fairy tales. Even when color is applied, lines and colors melt together like painting. I prefer color and line in a kind of dialogue and I had the impression that this brush-like pen is not good for this. Sorry if you don’t agree.
# art77blog.axel-von-criegern: „Wie geht Kunst?“. edition cantz, 2019.

„ Heilig nüchtern, lüstern verspielt“ (art77blog. axel-von-criegern.de; Nr.240)

„Heilig nüchtern, lüstern verspielt“, Tusche und Buntstifte, 12x15cm, ©️2020

In diesem Blatt habe ich Gegensätze und Kontraste bei der Bildentstehung beachtet: Sie ziehen und stoßen sich kontinuierlich an und ab. Leichte, schriftähnliche Elemente formen sich über festen Strukturen und umgekehrt lauere ich geradezu darauf, wie und wo ich feste Strukturen mit dieser verspielten Welt verbinden kann. Das soll der Titel vermitteln: „Bierernst“ ist für mich keine durchgängige Option! Er wird mit Lust in Frage gestellt, wobei ‚lüstern‘ bereits sprachlich das Unterminieren des ernsten Habitus parodiert. (Der von mir hoch geschätzte F.H. möge verzeihen !) „Spielerisch“ ist mein Weg ganz offensichtlich um dem „End“gültigem und den dahinter drohenden Gefahren der Langeweile, der Unterdrückung und des Todes zu entkommen. Heute spricht man viel von „Resilienz“ als Fähigkeit des Einzelnen mit der Offenheit unserer Gesellschaft und deren Anforderungen zurecht zu kommen. So könnte man mein „Konzept“ verstehen. Allerdings steht dabei die produktive, kreative, nicht die Stress-vermeidende Komponente im Vordergrund. So wird im Moment der sich abzeichnenden Problemlösung mutwillig mit dem nächsten Konflikt gespielt.(… „Und das soll Kunst sein?!“ )

English Summary
The issue of this post is the question why I am shy to handle art as a serious job. I never cared too much about this but I lately realized that it is a very personal feature. I obviously don’t trust any „final solution“. Those are rarely human! Of course am I fascinated by decisively acting persons, but only so far as they respect the individual freedom and dignity. We should have learned from history. Fortunately there are and were artists who even as perfectionists didn’t become victims of ideologies. I would say that in my special case it is the joy of life, the positive view, play and entertainment I work fore.

„Unaufhörliche Transformation“(art77blog.axel-von-criegern.de, Nr.239)

“Allegra“, Buntstifte und Bleistift, 35x24cm©️Von Criegern 2020

Für mich hat es das harmlose Titelbild ‚in sich‘; entstand es doch an einer Stelle wo ich mit meinen Studien zur „Musikalität“ plastischer Formen überraschend auf eines meiner (nach Picasso) frühen Idole, Piet Mondrian, stiess. Seine letzten ‚Boogie-Woogie‘ – Bilder hatte ich bisher immer nur als faszinierend schön wahrgenommen, ohne seiner Verbindung zur Musik nachzugehen. Durch den Katalog „Vom Klang der Bilder. Die Musik in der Kunst des 20.Jahrhunderts“ von Karin von Maur zu einer Ausstellung der Staatsgalerie Stuttgart 1985 herausgegeben, wurde ich wieder in die Zeit um 1900 zurück geführt. Hier erlebte das ausgehende Jahrhundert der Explosion der Wissenschaften und der Visionen vom Gesamtkunstwerk seinen krönenden Abschluss. Einer der Mitbegründer der niederländischen Gruppierung „de Stijl“, Theo van Doesburg nannte die Dynamik, die im Künste-übergreifenden Verständnis mitschwingt, die „unaufhörliche Transformation“. Dieser große Zusammenhang von Jugendstil, de Stijl, Werkbund, Bauhaus, Futurismus, Dada bis hin zur Fluxus- Bewegung, von Rudolf Steiner bis zu John Cage muss gesehen werden, um Mondrians Entwicklung vom Impressionisten zum asketischen rechten Winkel und drei Grundfarben zu verstehen. Mein eigenes Bemühen um eine bescheidene Erweiterung der Gattungsbeschränkungen, das weit weg ist von diesen großen revolutionären Bewegungen, muss da recht provinziell erscheinen. Aber es ist interessant dem nachzugehen wo meine harmlose „Allegra“ ihre Wurzeln hat.

Lit. Karin v. Maur, „Mondrian und die Musik im Stijl“, in : Karin v. Maur (Hg.) Vom Klang der Bilder. Die Musik in der Kunst des 20.Jahrhunderts. (Prestel 1985), S.400-407.

English Summary
I guess that nobody can imagine the context where my little drawing comes from. Studying a fascinating book about the part music plays in the visible arts of the 20.ct. I realized
how much I am obliged to all the artists that worked for breaking down the boarders between the arts. Personally was it a real homecoming to realize that Mondrian belonged to the generation of artists who tried to bring art and music together (see Lit. Karin v. Maur).

Garten-Stück (art77blog.axel-von-criegern.de,Nr.238)

In der zu Ende gehenden Woche habe ich über mein im Lauf der Corona -Krise sich veränderndes Verhältnis zur Natur nachgedacht. Eine ungefähre Beschreibung könnte eine „ästhetische Intimität“ sein. An einem alten Motiv, das schon im frühen Ägypten vorkam, einem Detail eines Gartens, wollte ich der Sache praktisch auf den Grund gehen.

Bild1

„Garten-Stück“, Aquarell 30x40cm,©️2020

Ich habe einen Ausschnitt gewählt, der von drei Pflanzen (nach Formen und Farben) bestimmt wurde. Rechts sieht man auf dem Bild die violett-blaue Blütenkugel einer „Allium“ -Art ,links davon ganze Büschel gelb-orangener Akelei und ganz links die hohen, weißen Kerzen einer Acanthus-Pflanze. Mit einem mittleren Haar-Pinsel (6) auf grob gekörnten Aquarell- Papier habe ich versucht die charakteristischen Formen und Farben zu erfassen. Die letztlich spannungslose Reihung der Pflanzen auf dem Querformat fand ich nicht befriedigend.

Bild 2
„Garten-Stück“, Aquarell, Feder und schwarze Tusche, 30c23cm, ©️2020

Bei den folgenden Arbeiten, die ich im Atelier fertigte, wurden auf Hochformaten, die ich gern mag, die Pflanzen enger zusammengerückt. Die blaue Kugel wurde zum Hauptmotiv. Auch beim zweiten Bild, bei dem ich schwarze Tusche und Feder für Texturen verwendete, kam ich über die brave Reihung der Pflanzen nicht hinaus.
Der Sprung zu Bild 3 war dann erheblich.

Bild 3
„Garten-Stück“, Aquarell, ©️2020

Deutlich ist die Wende zur Bild-Ästhetik zu erkennen. Jedes Teilmotiv wurde als ‚Spieler‘ in einer lebendigen Situation eingesetzt. Das stehengebliebene Weiß schafft Abstände zwischen den Farb-Zentren und regt das Auge zum vergnüglichen „Ping-Pong“ ein.

Bild 4
Acryl- Garten/Stück zerrissen

Die Reste von Bild 4 zeigen kräftige Acrylfarben. Hier folgte ich dem Bedürfnis durch Verdichtung zu einem Bild-Objekt zu gelangen. Einfach gesagt wurde das unerträglich ‚knallig‘.

Bild 5:
„Garten-Stück“, Aquarell und Papierschnitt.©️2020

Die Sehnsucht nach dem Objekt, dem Bild als Gegenstand blieb. Schließlich hatte ich ja fast zwanzig Jahre aus Blechen Bildobjekte geformt. Das ging jetzt soweit, dass ich vom Gartenstück in Blech mit kräftigen Lackfarben bemalt,träumte. Unter diesem Eindruck wurde dann der nächste Aquarell-Versuch so dicht, dass das Aufschneiden des Papiers einer Befreiung und Flucht nach vorn gleichkam. Jetzt war allerdings das Bildmotiv zugunsten des Bildobjekts entschieden in den Hintergrund gedrängt.

Bild 6:
„Garten-Stück“, Aquarell auf handgeschöpftem Bütten.©️2020

Die letzte Chance den ursprünglich eingeschlagenen Weg zu meinem Garten-Aquarell noch glimpflich zu Ende zu gehen, ergab sich beim Blättern in meinem Papiervorrat. Ein schweres handgeschöpftes Bütten kam dem Objekt-Bedürfnis entgegen und ließ doch die Leichtigkeit des Aquarells zu.

Was ich eingangs als „ästhetische Intimität“ bezeichnet hatte, könnte als eine Form moderner „Aneignung“ bestimmt werden . Es geht nicht um das Erforschen der Natur, nicht um Stimmung , sondern in erster Linie um Kunst, um die Bearbeitung der Natur-Motive mit den Mitteln meiner künstlerischen Methode. Das Naturmotiv wird zum Kunstmotiv! Das ist allerdings ein Allgemeinplatz für alle künstlerischen Äußerungen. Aneignung meint eine Form des ‚Untertan- machens‘, hier eine ästhetisches Besitzergreifung .

English Summary
on my walks during the Corona crisis I watched a light shift of nature-sensitivity. Watching became more attentive, almost intimate. In a series of garden -water colours i could experience that this intimacy switched to appropriating. There was nothing of worshipping or romanticism left. I wanted to get hold of nature, make it one of my art objects.


„Vogelfrei“.Die Freiheit der Kunst (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.237)

Axel von Criegern: „vogelfrei“, Feder,Tusche, Farbstifte; 40x65mm, ©️2020


Das Bildchen ist begründbar so klein ausgefallen. Unter den Eindrücken der Corona-Krise hatte ich vor, in dieser Woche etwas zum Themenbereich „veränderte Wahrnehmung’ Zufälle und hemmungslose Ich-Kunst“
zu schreiben und zu skizzieren. Diese Themen erwiesen sich schnell als erdrückend groß. Nicht nur die Flut der Notizen, sondern auch die ‚schwierigen‘ Skizzen könnten davon zeugen. Vorgestern Abend entstand eine große ‚Briefmarke’ als Randzeichnung auf einem Notizblatt- ohne Absicht und ohne Themenbezug. Ich erinnere mich an das Gefühl der Entspannung und Entlastung. Das hatte nichts mit deprimierenden Nachrichten zu tun und war keine Geste des Protests und Panikmache. Und doch war es für mich eine bescheidene, stille Demonstration von Freiheit der Kunst. Ein in diesem Kontext unerwarteter Gruss aus dem heiteren Reich der Kunst,der allerdings unter den gegenwärtigen Verhältnissen auch einen bitteren Beigeschmack erhält: die Freiheit der Zeichen und Farben verweist auch auf die „Vogelfreiheit“. Die reale Not vieler Künstler und Kulturschaffenden und die ungewisse Zukunft ist der keineswegs frohe Freiheits-Chor im Hintergrund.

English Summary
The issue of this post ought to be some reflections on troubles freelanced artists have right now. The notes I took and my corresponding designs were simply depressive. The night before yesterday I had pretty absent
minded taken a tiny pen and ink ‚note‘ that was quite different from the rest. It was light and playful. I liked this obvious contrast to my original subject and added some colours. Finally I decided that this would be as well an appropriate reaction on the sad situation the arts are involved. Not for the first time art doesn’t play any part in the political masterplans. Artists don‘t have a lobby. Either we react politically or ‚sing‘ our song as good as we can: free as a bird.

Just a marginal ,note‘.©️
Wirklich winzig!©️

Mein „Wochenwerk“ (art77blog.axel-von-criegern. Nr. 236)

„Integrierte Blog-Seite“. Acrylstifte, Aquarell,Grafit,Feder…40×30 cm, ©️v.Criegern,2020

# corona-covid-stuff
#exclusive text-image-units
# Wochen-Werk
#weekly
Jeden Freitag veröffentliche ich einen Beitrag in meinem blog „art77blog“. Das bedeutet: Jeden Freitag erscheint eine Arbeit, die aus Bild und Text besteht und für die ich eine Woche Zeit hatte. Es ist wie bei Auftragsarbeiten, nur dass ich selbst der Auftraggeber bin. Die Bedingung für diese „Wochen-Werke“ (in Anlehnung an „Tagwerk“) ist, dass Bild und Text als Ganzes entstehen und sich aufeinander beziehen. Ich kann als Regel nicht einmal festsetzen, dass ein Bild Gedanken freisetzt und dann wieder ein Gedanke ein Bild. Häufig ist es eine Situation, aus der beides entsteht. Es ist eine besondere Form der Kunst, die vor fast vier Jahren exklusiv für „art77blog“ entstand (vergl. „art77blog.axel-von-criegern: Wie geht Kunst?“ edition cantz, 2019)
Im heutigen Wochen-Bild spricht die Willkür, mit der einzelne Motive und Techniken nebeneinander stehen, von einer gewissen Verzweiflung und Desorientierung, die sich aber im Bild während der Arbeit glücklich auflöste. In der vergangenen Woche schlugen bei mir die nie endenden Corona-und Covid- Diskussionen voll durch. Zu allem stolperte ich mit Caracho auf der Strasse und zog mir alle möglichen Blessuren zu. Ich fühlte mich wie unter Hausarrest! Die sonst immer sprudelnden Kreativitäts-Quellen drohten zu versiegen. Eine angefangene Holzarbeit lag auf der Werkbank, ‚umgeben von Zweifeln und Sinnfragen‘. Das aktuelle Wochentag -Bild läutete die Wende ein. Von einemTag zum anderen sah ich es als interessantes, leichtes Blatt, das den Weg zu Neuem frei machte.

Nachtrag:
Ich habe den Eindruck als ob Facebook mit meinem Blog-Projekt nicht viel anfangen kann. Die zwanghaften Aufforderungen
für meine Firma und Produkte zu werben und die erstarrte Analytik sprechen eine andere Sprache.


English Summary
Four years from the start of my weekly released „art77blog“ I begin to doubt whether facebook is the right medium for this kind of blog.. During the last week with all this corona-covid-stuff, I felt frustrated. But God blesses the arts! I started somehow doodling helpless on a drawing paper. Every detail was drenged with this sad feeling. Next morning, when I returned in the studio, the terribl
e scratching of the night before had changed into an airy, witty design! I was sure to have opened a new book.Hope came back to me!!

Das Narrativ der Kunst ist die Kunst (art77blog.axel-von-Criegern.de Nr 235)

Ist Gegenstand des Textes.
“Narrativ 1“, Farbstift, 25×18 cm, 2020 C Axel von Criegern


In meiner Vorstellung der offenen Fluktuation von Erzählungen durch alle Medien, wollte ich die Entstehung einer Zeichnung erzählen. Jeden Tag dieser Woche habe ich an diesem kleinen Bild gearbeitet. Zuerst mit begleitenden Notizen und als ich das als störend empfand, mit gedachten Notizen. Ich wollte festhalten, was mir beim Zeichnen durch den Kopf ging. Zwar wurde das Bild immer „stimmiger“, aber rückblickend passten die Gedanken nicht (mehr) zum Bild. Abbruch. Und die Moral von der Geschichte?
Wir denken, wenn wir eine Zeichnung sehen und wir denken, wenn wir eine Zeichnung machen (…künstlerische). Beide Denkwelten sind faszinierend. Wer eine Zeichnung anschaut, versucht die Gedanken des Zeichners nachzuvollziehen und der Künstler geht davon aus, dass das gesehen wird, was er zeichnet. Beide Annahmen sind falsch. Dennoch basiert auf ihnen unser gemeinsames „Kunstdenken“. Der Betrachter ist auf das angewiesen, was er sieht und der sie macht, folgt in erster Linie seiner Kunst. Der Betrachter denkt, daß die Zeichnung nur für ihn gemacht wurde. Ich gehöre zu denen, die das nicht hinnehmen wollen. Logischerweise träume ich von einer „eloquenten“ Kunst und einem „künstlerischen“ Sehen. Ein großes Herz für Comic und Bildgeschichten, Illustrationen, Graffiti und „making of“- Filme wie Clouzots Film „Le Mystere Picasso“ von 1956 (auf YouTube) gehören dazu.

English Summary
I dream of an universal art language based on everythings telling a story: a rock as well as an ambitious philosopher., a trivial spoon as well as a Picasso. But when I tried to tell the story of a drawing, while designing it, happened a strange thing. Although I had recorded almost every word, the line between story and design remained interrupted. This experience taught me to care more about the different languages than the story itself. You probably knew that before!

„Narrativ2“ :Ein Vergleich sollte mit einer anderen Technik neue Erkenntnisse bringen. Das ging daneben und führte zum Titel des Beitrags.