Die „Transferstruktur“ (art77blog.axel-von-Criegern.de Nr.279)

„Transferstruktur“, Mixed Media, Collage a.Papier 43×56 cm ©️von Criegern 2021

Diesen Begriff habe ich bereits 1974 in Bezug auf das New Yorker Bild geprägt und in einem #Aufsatz für eine Festschrift veröffentlicht. Er verrät den mir damals besonders wichtigen Begriff „Struktur“ als ikonologisches Bauprinzip von Bildern. Mit dem „Transfer“ wollte ich die bis dato ausschließlich kunsthistorische Methode hin zu alltäglicheren Beobachtungen öffnen. Damals war das Ergebnis eines solchen Transfers ein geändertes „Bewusstsein“ (was immer das auch sein mochte). Zwei Jahre später bezog ich Im Rahmen der #„Fotodidaktik als Bildlehre“ unser Bild u.a. dann auf eine Werbung für „Henkell“-Sekt. In beiden Fällen war die #„ikonologische Struktur“ ein wichtiges methodisches Vehikel. Mit diesem Begriff meinte ich so etwas wie eine inhaltliche Komposition des Bildes. Zwar taucht das New Yorker Bild auch später noch in meinen #Veröffentlichungen auf, blieb aber immer weit von einer Umsetzung in die eigene Praxis entfernt. Als ich ab 1996 nach einer ersten #Annäherung (Zeitschrift für Kunstpädagogik 1984) die eigene künstlerische Auseinandersetzung mit Jan Steen ernst nahm, war auch das New Yorker Bild Gegenstand einer solchen Auseinandersetzung (Vergl. ausführlich meine Jan Steen-Internet-Seite #axel-von-criegern.de“). Auch diese Arbeiten präsentierte ich in einem ehrgeizigen Projekt: #“Lustige Gesellschaft auf einer Gartenterrasse. Ein Bild-Bild-Diskurs über ein Gemälde des niederländischen Malers Jan Steen (1626-1679).“

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Graphic Novel forderte nun die eigene künstlerische Arbeit in ganz anderer Weise heraus. Sie war nicht mehr der umfassende Versuch ein Bild Steens unter Einsatz der Praxis noch weiter zu “öffnen”. Jetzt steht die eigene Praxis im Mittelpunkt und sucht in der (Wieder ) Begegnung ANREGUNGEN für die eigene Weiterentwicklung. Aber auch hier kann ich’s wohl nicht ganz lassen. Meiner eigenen Anforderung an eine Graphic Novel folgend , entwerfe ich Bilder, die meinen Umgang mit dem älteren niederländischen Kollegen lohnend und überzeugend darstellen. Hier also den älteren Gedanken einer “Transferstruktur” zum Anstoss nehmend.

English Summary

It is a long journey from reflecting an “iconologic structure” of an historic artwork to producing an own work in an dialogue with the elder work. When I talked about “Transferstruktur” in the year 1974 I didn’t mean my own artistic practice. This changed beginning 1984 and became an essential part of my work since 1996. When it came to a discussion of what a Graphic Novel makes special, I remembered my long experience with the “Company on a garden terrace” by Jan Steen (Metropolitan Museum New York) to design the actual picture.

#1974: „Die Transferstruktur- zum Gegenwartsbezug eines niederländischen Gesellschaftsbildes“. In: W.Ebert (Hrsg.) Kunstpädagogik´74. Festschrift für Reinhardt Pfennig.Düsseldorf 1974.

#1976: Fotodidaktik als Bildlehre. Berlin 1976, S. 125-157

#1981,1991(2.Aufl.) Bilder interpretieren, Düsseldorf 1981; S. 74-80

#1984 „Skizzieren als ikonologisches Training.“ In: Zeitschrift für Kunstpädagogik 1/1984

#2006: Lustige Gesellschaft auf einer Gartenterrasse. Ein Bild-Bild-Diskurs über ein Gemälde des niederländischen Malers Jan Steen (1626-1679), München 2006

#2008: „Lustige Gesellschaft auf einer Gartenterrasse“, http//: axel-von-criegern.de

#2009: Meine Bilder, Wasmuth 2009

Der alternde Künstler als ‚ansehnliche Ruine‘.(art77blog.axel-von-criegern.de Nr.260)

„Eine ansehnliche Ruine“, Acryl auf Blech, 50x64cm,©️Axel von Criegern,2020

Natürlich muss ich dabei grinsen: Der Bildtitel lässt sich auch biologisch auf einen 81 -jährigen anwenden. „Ansehnlich“ lässt sich als medizinisch-mitteleuropäisch-gesellschaftliche Leistung übersetzen und „ Ruine“ als balancierter Zustand des biologischen Verfalls.
Künstlerisch wollte ich nach einer Phase des Überdrusses meinen mehr als #20-jährigen Umgang mit Blech durch eine „wilde“ Bemalung in Frage stellen-allerdings ohne die geringste Zielvorstellung. Auf halber Strecke (Fläche) sah ich das Desaster auf mich zu kommen. Mein Grundmotiv für meine Blecharbeiten, dreidimensionale Bilder zu schaffen und Dimensionen zu durchwandern würde durch das Aufschneiden der „wilden“ Malerei in einen ästhetischen Abgrund führen-weder Fisch noch Fleisch.
Wenn man den #Theoretikern des künstlerischen Spät-und Alterswerks Glauben schenken will, hänge ich noch zu sehr an Vorstellungen des fertigen, harmonisch ausgewogenen, gefälligen Werkes. Einem Alterswerk angemessen, genial und anständig wäre es die Arbeit ungelöst, fragmentarisch, letztlich „unschön“ zu belassen. Zu meinem (geistig-seelischen) Glück geht mir aber „Genie“ ganz ab und „anständig“ war von Jugend an ein Reizwort. „I did it my way“. Also versuchte ich mit meiner Genie-untauglichen Harmonie-Bedürftigkeit den Schritt in den Abgrund abzuwenden. Ich mobilisierte ein zweites meiner künstlerischen Grundmotive, nämlich das Gitter oder Raster. Es lohnt die Schritte der Bändigung durch das Raster, bzw. Gitter zu studieren. Hier ereignet sich das eigentliche Drama des Blech-Bildes und nicht in der ‚wilden‘ Malerei.
Als ich vorhin meinen Freund Don Quichotte (Buchhändler und Philosoph) von meinen Überlegungen zur Alters-Ästhetik berichtete, meinte er, diese Distanzierung sei doch ein wichtiger Anfang. Aber von verbleibender Zeit war nicht die Rede….

# meine wichtigste Quelle war Landkammer, Joachim: „A portrait of the artists as old (wo)men. Spätstile: der alternde Künstler und die alternde Gesellschaft (auf die Musik bezogen), in: Jansen,Priddat,Stehr (Hrsg.): Demographie: Bewegungen einer Gesellschaft im Ruhestand; multidisziplinäre Perspektiven zur Demographiefolgenforschung. Wiesbaden, VS-Verl. für Sozialwissenschaften,2005, S. 275-322.

#Vergl. Axel von Criegern „…alles Blech!“,Tübingen 2014

#Axel von Criegern: Dramaturgie eines Bildes. Auseinandersetzung mit Jan Steen (1626-1679) „Abfahrt von einem Wirtshaus“(Staatsgalerie Stuttgart),Giessen, Tübimgen 2004

#Axel von Criegern: Meine Bilder. Wasmuth 2009

English Summary

Öl in Is there something special and remarkable in the works of old artist, composers, authors? This is an important item of interdisciplinary discussion. When I had the feeling of a stand still in my daily artistic business this questions touched me quite personally. Should I continue my metal work as usual? I decided to try a „wild“ painting on an aluminium sheet. When I tried to cut the metal and transform it in a relief it was a dead end . Cuts and paint didn’t come together. From a very interesting paper (look above Landkammer) I learned that unfinished, works left ; (think of Michelangelo’s Pieta’ Rondanini) in an almost rude style are typically for old artists. Although I am now 81 I couldn’t stand that and finished the painted relief employing a different style for the rest of it (the grid). So I abandoned the chance to become a genius. But maybe I have some more days left to try it again!