Blog-Urlaub / Blog Break (Nr. 127)

Palmsonntag in Italien

Aus der Feder eines leidenschaftlichen Senior-Bloggers liest sich dieser Titel nicht überzeugend. Aber Tatsache ist, dass das Bloggen als Kunst verstanden, denselben Anforderungen unterliegt wie jede andere kreative Produktion.Es geht um Planung, Spontaneität, Kontinuität, Energie. Ob Pariser Boheme um 1900, ob exzessiver Rauschmittel-Konsum, Eremitentum, Wechsel des Materials oder der Gattung- es ist immer dasselbe. Es geht darum den Motor, das, an was man glaubt, in seiner Funktion aus einem gewissen Abstand zu beobachten und zu überdenken . Hier könnten als Beispiele eingefügt werden: Chopin und George Sand auf Mallorca, Hemingway in Spanien, Picassos literarische Arbeitsphasen, Pollock und der Alkohol u.v.a.m. Hier kann man aber auch unfreiwillige „Urlaube“, wie Michelangelos widerstrebendes Nachgeben der päpstlichen Anordnung die sixtinische Kapelle auszumalen oder die innere Emigration von Künstlern zur Umgehung des Arbeitsverbots, anführen.

Licht und Schatten: Stühle vor San Lorenzo, Acryl auf Maltuch, 2007
Aktuelle Kupferarbeit
Hl. Sebastian ; Kupfer, 2016/17
Natürliche Stein-Spaltung
 Osterferien mit der Großfamilie sind dagegen ein banales Beispiel, können aber denselben Effekt haben, den Arbeitsfluss, auch des Bloggens, zu unterbrechen. Und wie bei allen Unterbrechungen dieser nicht so erwarteten Art, kommt es zu „Entzugserscheinungen“. Ich nutze die Phase der zerstreuten Wahrnehmung- der aktuellen Arbeit, älterer Arbeiten, der nicht alltäglichen Umgebung, der Kinder und Kindeskinder, der Freunde, der Gastlichkeit und des Schenkens , -um Abstand zu dem, was ich sonst so mache, zu gewinnen. Damit bekommt ein solcher Urlaub seinen ganz normalen, so gar nicht genialischen Sinn. Danke!

 

La colomba, klassisches Ostergebäck.Dieses Exemplar ähnelt im ausgepackten Zustand eher einer gebratenen Gans.         

 

 

 

 

 

 

 

English Summary
I take the chance of a easter-break with the larger family , children and grandchildren, to get some distance to my work, including blogging. Blogging as an art itself follows the rules as any other creative production.

I take the chance of a easter-break with the larger family , children and grandchildren, to get some distance to my work, including blogging. 

 

 

 

 

Zweidimensinale „Skulptur “ (Nr. 126)

Zweidimensionale Skulptur , Marker auf Papier, 10x10cm, 2018

 

Man kann sagen, dass alle Arbeiten auf flachen Bildträgern im Kern die Aufgabe enthalten, Raum darzustellen.In meinem speziellen Fall geschieht das ohne Abbildungs-Absicht. Wie wenn ich mit Hammer und Meissel arbeite, „schlage“ ich mit Bleistift oder Marker Punkte aufs Papier. Diesen Prozzess verfolge ich mit mittlerer Aufmerksamkeit . Nach einigen Punkten bringe ich dadurch Raum (-ilusion) aufs Papier, dass ich den Abstand zwischen den Punkten vergrössere oder verkleinere. Dabei gibt es keine Vor-stellung, sondern nur diesen Prozess. Wie eine Landschaft breiten sich die Punkte aus. Wenn bei diesem kleinen Format die Grenzen erreicht sind, gibt es unleugbar kleine, abschliessende Korrekturen in Richtung Bild.

Such ich Vergleiche in der Kunstgeschichte, führt der Weg zu den“Pointillisten“, v. a. George Seurat . Das betrifft aber nur die behutsame Modellierung der Körper und Gegenstände, aber nicht das Ziel. Seurat wollte abbilden, ich aber in diesem Beispiel nicht. Ich behandle Metall, Holz, Stein im selben Modus:  in erster Linie ohne Abbildungs-Absicht.

AvC ,zwei Köpfe, Zink, 2015

English Summary

AvC, granit, 1962

 

 

I am a „Fan“ of almost static , monumental drawings, as those of the „Pointillists“, f.e. George Seurat. But there is a basiic difference. My kind of „pointillisme “ is abstract. It may happen that while watching the points growing on paper an allusion of something real comes up. But this is not the target! Because I practice  the same method in stone, metal,wood, I call it „two -dimensional sculpture“.

Tondo ( Nr. 125)

Axel von Criegern, Tondo („aus dem Zentrum heraus“), Acrylstifte, 22x 21 cm. ©avc2018

Bei meinen Untersuchungen zu Gestaltungsgrundlagen wollte ich dem statischen Raster ein zentrifugales, „explosives“ Verfahren gegenüberstellen.

Zwar haben die schwarzen Zeichen, die in alle Richtungen weisen, Unruhe erzeugt, aber es fehlte die Gegenkraft in Form der  Zentrierung. Das bewog mich zum Einkreisen dieser Formen und zur Betonung des Zentrums durch quirlige Zeichen. Auch beim Einsetzen von Farben versuchte ich diese Rund-Form zu unterstützen. Deutlich ist auch der schwarze innere Ring, der die Tellerform  wiederholt. Der kleine kompakte, rote Kreis in der Mitte erinnert an eine Zielscheibe. 

 

 

 

 

 

Ich nenne das Bild „Tondo“ weil es den typischen Scheibencharakter hat. Scheiben-Bilder gibt es seit der Antike. Die Rundkomposition (ital. Ro-tondo ) wurde aber erst im 15.Jhdt in Italien zur künstlerischen Herausforderung ( u.a. Botticelli, Michelangelo). Hierzu steht nun allerdings mein Tondo quer!  Zur Kreisform habe ich mich ja erst später entschlossen, um der Dynamik einen Rahmen zu geben. Dieses Verfahren erinnert mich mehr an das Zentrieren eines Tonbatzens auf der Drehscheibe als an das Komponieren in der vorgegebenen Kreisform.

Möglicherweise hat zum Schluss die Assoziation eines kosmischen Körpers die hellen Punkte im schwarzen Raum ausgelöst. Durch Stephen Hawkings Tod am 14. März 2018 und die gewichtigen Nachrufe bewegt, geht mein Blick aber auch zurück zum 1784 von Etienne-Louis Boullee‘ in Kugelform entworfenen Kenotaph für Isaac Newton.

English Summary

After reflecting geometric basics of composition I started drawing black signs and symbols to explore centrifugal effects in design. Soon it looked awfully disordred. Thinking about a remedy I decided to try the model „Tondo“. It was hard work because I had to re-model my design from a wild growth to a circular composition. At the beginning of the 15th century the „tondo“ became an interesting task for artists. But here it was different. Because I had no tondo-concept I had to prune my design to a circle and do my best to create an inner order. The result, specially the stars  brought to my mind a famous kenotaph by french architect  Etienne Boulee from 1784 for Isaac Newton.Finally the death of Stephen Hawking the day before was a macabre parallel.

 

Teppich mit Predella (Nr. 124)

Predella heißen die bemalten Aufsätze zwischen Altartisch und Altarbild (Retabel) bei mittelalterlichen Altären. Darauf spielt mein Bild mit dem niedrigen, gelb gemalten unteren Streifen an. ©AvC und VG Bild.

 

Vor der durchgängigen Geometrisierung eines Bildes habe ich einen Riesen-Respekt. Im Fall des Bildes zum Beitrag habe ich Zeichen und Muster an- und nacheinander gesetzt. Das Beitragsbild entstand so als entspannte Reaktion auf den in Nr. 123 erlebten „Übersprung“, dem Aufbegehren gegen die Vorstellung eines Gitters. Relativ früh kamen die dunkelblauen, geraden Linien hinzu, die Richtungen angeben und geometrische Körper andeuten. Später und im deutlichen Gegensatz zu dem oberen geometrischen Teil habe ich die kleinformatigen, gelben, figürlichen Konturen mit den offenen Farbakzenten hinzugefügt.

Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen einem vorgegebenen Gitter und dem Takt, auf den gestalterisch reagiert werden muss und dem sich selbst schaffenden Rhythmus. Im ersten Fall ist das Um- und Überspielen gefragt, im zweiten Fall das Aufbauen und Fügen, das Schaffen einer Tektonik. Ich weiß nicht warum, aber vor der letzten Konsequenz scheue ich bei dieser Methode zurück. Mir sind die offenen Stellen wichtig, der Durchbruch ins Freie, der Blick in den angrenzenden Raum mit seinen Geheimnissen. Psychologisch betrachtet würde ich sagen: ein ziemlich dubioser Charakter!

English Summary

There is a huge difference between a grid- based design and the free growth of a mosaic-like design. We just have to look at Paul Klee and other artists from the Bauhaus or later the  Black Mountain College to see the mastery in design. I also love it, but have some problems  finishing it. Its a kind of fear to annoy the observer – including myself. So at a certain point I try to escape, change composition and style and create a seperate scenenery. In this small design I stopped the steady growth of the carpet  with a straight line and continued with a kind of „predella“, as we know it from medieval altar- pieces.

The hidden grid or drawing for freedom (Nr. 123)

 „Kosmogonie en miniature“,Bleistift, Aquarell; 11×13,5 cm ©AvC, 2018

Den Entstehungsprozess, der zu diesem Bildchen führte, habe ich mit Hilfe eines Films beschrieben (YouTube: The hidden grid or Drawing for freedom). Es ist der dritte Teil der Diskussion meiner These, dass ein orthogonales Gitter (Raster) eine wichtige Orientierung auch für moderne Künstler abgeben kann. Den ersten Teil hatte ich an einem Gitter mit eingefüllten geometrischen Zeichen erarbeitet (Nr. 121). Der zweite Teil war die Übertragung meiner Argumente auf die Entstehung eines Blech-Reliefs ( Nr. 122 ) und nun gehe ich soweit zu erörtern ob es auch so etwas wie verinnerlichte Raster gibt. Gegen Ende der Zeichen-Arbeit reizt es mich einen Farbschleier darüber zu legen. Das Ergebnis ist die so nicht beabsichtigte Ablösung vom Raster-Design. Die (Zer-)Störung der innigen Beziehung zwischen einem vorgestellten Raster und der Gestaltung  empfand ich unerwarteter Weise als  ‚Befreiung vom Gitter‘  (Daher der Titel des Posts). Weisse Marker- Striche, Schriftanklänge und mutwillige Bleistiftspuren beschleunigten diese Ablösung. Anschließend an eine andere Diskussion über das Verhältnis von Sprache und Bild schweiften meine Gedanken während dieser Arbeit zu der Frage nach Gesetzmäßigkeiten,Syntax und Logik des Bildes ab. Das ist ein Thema, das auf den ersten Blick sehr rückwärts gewandt erscheint. Andererseits geht es in solchen Untersuchungen auch um den Beitrag von Bildern zur ästhetischen „Aufklärung“. Eine nie auszuschöpfende Diskussion: Gibt es ästhetische Verbindlichkeiten jenseits vom individuellen,Genie‘ ? Darauf werde wohl auch ich immer wieder zurückkommen.

English Summary

In Post Nr.-121 and Nr. 123 I discussed the value of a grid or raster for design. In a third approach I observe how far design reacts to internalized grids. It was fascinating to watch how my little drawing almost creeped towards an invisible frame, looking for a hold. On a certain point I painted a light yellow-ocre over the drawing. In a moment there were no more connections to an imaginated grid. For some reasons I felt happy for being escaped from the ´prison´ of grids feeling free again.

Vergl. YouTube: „The hidden grid or Drawing for freedom.“. 4:35 Min.