„Auf Augenhöhe“ (art77blog.axel-von-Criegern.de Nr 200)

Entwürfe für die Ausstellung #„Wie geht Kunst?“ in der Kulturhalle und im Künstlerbund Tübingen (ab 18.10.).

Gestern kam Maks Dannecker vorbei um als „ambulante #Kuratorin“ meine aktuellen Planungen der Ausstellung „Wie geht Kunst?“ zu diskutieren. Abschließend hob sie hervor, dass alle Exponate „#auf Augenhöhe“ wären. Eine hier ungewöhnliche Formulierung. Es war deutlich, dass sie nicht die Hängung auf Augenhöhe meinte, sondern das Vermeiden jeder Hierarchie oder Hervorhebung einer einzelnen Arbeit. Tatsächlich präsentiere ich die Arbeiten in gleichwertigen Räumen in Form gleichwertiger #‚cluster‘. Eigentlich sind es 6 Ausstellungen (Cluster) in 2 Räumen. Die in der #Künstlerbund-Galerie gezeigten Arbeiten zu #art77blog.axel-von-criegern.de sind und waren der Anstoß für das Thema der gesamten Ausstellung. Das Medium und der wöchentliche Rhythmus des blogs lassen keine Ungleichheit zu. Bei der #Kulturhalle Tübingen ging es darum mehr als 60 Jahre Kunst-Leben zu vermitteln ohne Arbeiten #chronologisch aneinander zu reihen oder nachträglich eine so nicht erlebte Dynamik und Bewertung zu konstruieren. In den 6 Clustern dominierten Fragen der Präsentation. Sie unterstützt die die Objekte verbindende, jeweilige Thematik : Theorie in unterschiedlichen Ausformungen/ Formkonstanz und Themenbreite bei Holz/ Metall: Von der Fläche zur dritten Dimension in verschiedenen Projekten/ Das Thema ‚Bild‘ in seiner vielfältigen Ausprägung: #Petersburger Hängung/ #Jan Steen (1626-1679) und die breite #ikonologische und künstlerische Auseinandersetzung. Zurück zur „Augenhöhe“. Sie ist auf keinen Fall mit formaler Angleichung ohne thematische Differenzierung zu verwechseln . Sie funktioniert nur als nachvollziehbare inhaltliche Entsprechung. In diesem Sinne habe ich die Feststellung der „Augenhöhe“ positiv verstanden.

Das Thema ‚Augenhöhe‘ als Prinzip des blogs lässt sich im Buchformat besonders deutlich erkennen:
art77blog.axel-von-criegern: Wie geht Kunst?, edition cantz, 2019.

English Summary
A friend characterized my exhibition preparations as „at eye level“. She didn’t mean hanging pictures on eye level but used it as a metaphor. She noticed that I tried to provide ‚equal rights‘ for everything in the show. Maybe that the concept to organize the exhibition in „clusters“ supports this effect of „at eye level“
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Themenbindung oder frei? (art77blog, Nr.166)

Orpheus und Eurydike, Acryl, 2018 ©️

In unserer Künstlervereinigung ist spätestens bei der Planung unserer Jahresausstellung das obige Thema präsent. Position 1: Eine #Jahresausstellung dient dazu zu zeigen, was man zeigen möchte (nicht immer unbedingt aus dem letzten Jahr). Historisch gesehen, ist das das ältere Modell. Position 2: Mit einem mehrheitlich beschlossenen Thema wird zwar ein gewisser Zwang ausgeübt, was aber einige Kolleg(inn)en als Anregung verstehen, sich mit einem neuen Thema zu beschäftigen. Als ich vor 46 Jahren in den #Künstlerbund Tübingen aufgenommen wurde, war die Jahresausstellung eine bunte ,Leistungsschau‘. Irgendwann machte sich Unmut über das ewig Gleiche breit und die Jahresausstellung wurde zur #Themenausstellung. Damit waren auch die Positionen als konservativ und reformerisch markiert. Später wurde diese Spannung dadurch geradezu salomonisch gelöst, dass die Jahresausstellung im Wechsel frei und thematisch durchgeführt wurde. 

Dieses Jahr kam irgendwann das Thema „#Unterwelten“ auf den Tisch- und blieb da. Prompt kam es zu der eigentlich früher fällig gewesenen Grundsatzdiskussion. Um es vorwegzunehmen, obwohl im Vergleich zu anderen Jahren die Beteiligung schwächer war, wurde es eine recht gute Ausstellung. Nicht nur der Presse fiel die sehr unterschiedliche Bearbeitung des Themas ,Unterwelten‘ auf. Sie reichte von Maschinen für den Tiefbau bis zu den Gefahren für die Vernunft. Mein Rückgriff auf die griechische #Mythologie war dagegen eher #konservativ.

Nachdem ich im Sommer und Herbst mit schwarz grundierten Leinwänden experimentiert hatte, wurde das zu meiner eigentlichen Motivation. Gestützt auf #Ovids Fassung des älteren griechischen Mythos von Orpheus und Eurydike , entschied ich mich für drei Phasen des Dramas: 1. Bei der Hochzeit der Königstochter #Eurydike mit dem ,Musikstar‘ #Orpheus, wird die Braut von einer Schlange getötet. 2. Dem verzweifelten Bräutigam gelingt es die Götter der Unterwelt gewogen zu stimmen. Er darf Eurydike in das Leben zurückführen— unter der Bedienung sich nie umzudrehen um zu sehen, ob sie ihm tatsächlich folgt. 3. Als er gegen dieses Gebot verstößt und sich umdreht, muss Eurydike für immer im der Unterwelt bleiben. 

Die Reaktionen auf diese Arbeit reichten von „typisch“ und „unverwechselbar“ über „mal wieder was ganz Neues“ bis zur Hervorhebung der Leuchtkraft der Farben auf dem dunklen Grund. 

( Die Ausstellung „Unterwelten“ in der Kulturhalle und in der Galerie des Künstlerbundes Tübingen geht noch bis Sonntag, 20. Januar 2019)

English Summary 

In our Art Association do we have an open discussion whether our annual show should have a title and subject or not. 2018 we reached a consense with the subject „Unterwelten“/ underworlds. 23 artists interpreted this suject in very different ways, reaching from caterpillars over social underground to mythology.