Was Zeichnungen verraten (Nr. 133)

1958. Weibliche Figur. Feder, Tusche laviert; 28x23cm

Ein Film „What drawings tell“  mit biografischen Bezügen ist auf meinem YouTube-Kanal „Axel von Criegern“ zu finden

Eine sehr dichte Bleistift -Zeichnung , die in den vergangenen Tagen entstand, hat mich nachdenklich gemacht: Habe ich nicht schon immer wieder einmal so gezeichnet?  Ich habe einige Arbeiten, die zwischen 1956 und heute entstanden sind, zusammengesucht:

1956– Mit 17 Jahren entstand das Selbstbildnis unter deutlichem Einfluss des Kubismus: Selbsterforschung und Selbstdarstellung als Künstler.

1958– Mit 19 Jahren Erproben eines expressiv- dekorativen Stils, der auch heute noch eine gewisse Bedeutung für mich hat.

1962– Verdichten als Mittel Gegenstände so sachlich wie möglich abzubilden und darzustellen.

1972-Verdichtung um sich dramatisch -politisch zu äußern (hier das anhaltende Thema des Vietnamkriegs). Provokation durch Kontrast mit einem Motiv A.Dürers. (Nach dem Abschluss der klassischen Kunstgeschichte und Archäologie mit einer Dissertation über Jan Steen wurde die Verbindung von Kunstgeschichte und eigener künstlerischer Praxis  zu meinem didaktischen Leitmotiv.)

2008– Verdichten um ein literarisch vorgegebenes Thema eindringlich darzustellen. Ausgewogenes  Verhältnis von Inhalt und künstlerischer Lösung ( seit 1979 vielseitige Erfahrungen als Illustrator. 1996 „Vom Text zum Bild. Wege ästhetischer Bildung“)

2018– Mit 78 Jahren deutliche Steigerung des Interesses an der grafisch-künstlerischen Qualität mit Hilfe der Verdichtung. Das Thema ist nicht vorgegeben, sondern die Zeichnung „verdichtet“ sich mit jedem Strich von der ungefähren Form hin zum „grafischen Gegenstand“.

 

English Summary

When drawing the last days it seemed to me a very familiar kind of drawing, that I practised since ever. I chose and compared drawings, not sketches, of various periods. 1956: The selfportrait of the 17 years old  artist tells about orientation (cubism!) and curiosity. 1960- 2008: Drawings of the grown up, „settled“ artist are design statements and illustrations and show a good balance of matters and aesthetics. 2018 stands for the late artist, who has a major interest in the quality of performance and self- reference of art. Probably this is very different in everybodies life. But I think its worth to watch changes and devevelopments already in earlier years.

1956. Selbstporträt; Bleistift ,23×19,5 cm
2008. „Die drei Tauben“, Federzeichnung zu Peter Prange „Die Gottessucherin“
2018 „o.T.“ Bleistift, 16x 15 cm

 

 

 

Künstlerisches Forschen/ Artistic Research (Nr.104)

„Ikonologie“, 2017, Feder, Tusche, Buntstift
„Jan Steens Bildraum“, o.J. Alublech, Lack

Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich der Begriff „künstlerische Forschung“ etabliert. Gefordert ist die Anerkennung der Gleichwertigkeit künstlerischen und wissenschaftichen Forschens. Künstler haben schon immer Forschungsleistungen erbracht. Leonardos grafisch reizvolle Naturstudien sollten besondere Phänomene wie Wolken oder Wasserströmungen darstellen und zum besseren Verständnis der Natur beitragen. Damit würde ich heute die Versuche vergleichen Gravitationswellen  bildhaft darzustellen, wie sie in den letzten Tagen durch die Medien gingen. Unbestritten ist die Leistung der Renaissance – Künstler bei der Entwicklung der Perspektive. Und am „Bauhaus“ wurde sehr wohl künstlerisch geforscht ohne den Begriff zu verwenden. Verkürzt lässt sich sagen, dass die Erforschung der künstlerischen Innovationen ein Schwerpunkt der Kunstgeschichte ist.. Häufig bewegt sich die Kunst in Gebieten, die auf den ersten Blick keinesfalls künstlerisch sind, wie die futuristische Kunst beim Darstellen der Geschwindigkeit. Und wie verhält es sich mit Saracenos Erforschung der Statik der Spinnennetze? Angesichts der raschen Entwicklung und Ausdifferenzierung der Wissenschaften kann durchaus gefragt werden warum die Künste zurückhängen sollen. Praktisch geht es um die Förderung der „ wissenschaftlichen“ Kunst und ihrer gesellschaftlichen/ akademischen Anerkennung.

Persönlich berührt mich dieses Thema sehr.„Was ist und wie geht Kunst?“ waren die Fragen, die mich schon in der Schulzeit umtrieben. Meine Lust an der Kunstgeschichte und an den Berührungspunkten von Kunst und Kunstgeschichte resultieren daraus.  Meine Forschungsarbeiten zu Jan Steen und zur  Ikonografie/ Ikonologie sah ich zwar auf einer Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst, aber es dauerte 30 Jahre bis sich bei mir das Bewusstsein ausbildete, dass die künstlerische und die kunstgeschichtliche Steen-Forschung an einem Strang ziehen können, ja müssen. Die geringe Wahrnehmung solcher künstlerischen Forschungs Projekte spricht dafür, dass noch einige Zeit bis zu einer breiteren gesellschaftlichen Anerkennung vergehen wird.

Für mich war die Suche im Internet zu den Stichworten „künstlerische Forschung“, bzw. „ artistic research“  sehr informativ. Einen Einstieg in meine künstlerische Forschung zu Jan Steen vermittelt der Katalog zu meinerAusstellung in der Kunsthalle Tübingen „Wie die Alten sungen. Auseinandersetzung mit einem Bild von Jan Steen (1626- 1679).“  Tübingen 1999.

English summary

There is no doubt that artists did and do research in arts. In the past the church, royalties , social, economic and political changes asked for artistic innovations: Just to mention stained glass windows,  the Medici academy, perspective, the october revolution in Russia or the Bauhaus at Weimar. Particularly the „Bauhaus“ practiced 1919 -1933 artistic research. With the year 2000 we notice an increasing interest in  artistic research, standards, studies, qualifications, academic degrees and careers. The author himself switched from a conventional research in art history in the sixties (Iconography of the merry companies of the dutch painter Jan Steen) to artistic research of the same painter Jan Steen (1626-1679) in the nineties of the last century.