Themenbindung oder frei? (art77blog, Nr.166)

Orpheus und Eurydike, Acryl, 2018 ©️

In unserer Künstlervereinigung ist spätestens bei der Planung unserer Jahresausstellung das obige Thema präsent. Position 1: Eine #Jahresausstellung dient dazu zu zeigen, was man zeigen möchte (nicht immer unbedingt aus dem letzten Jahr). Historisch gesehen, ist das das ältere Modell. Position 2: Mit einem mehrheitlich beschlossenen Thema wird zwar ein gewisser Zwang ausgeübt, was aber einige Kolleg(inn)en als Anregung verstehen, sich mit einem neuen Thema zu beschäftigen. Als ich vor 46 Jahren in den #Künstlerbund Tübingen aufgenommen wurde, war die Jahresausstellung eine bunte ,Leistungsschau‘. Irgendwann machte sich Unmut über das ewig Gleiche breit und die Jahresausstellung wurde zur #Themenausstellung. Damit waren auch die Positionen als konservativ und reformerisch markiert. Später wurde diese Spannung dadurch geradezu salomonisch gelöst, dass die Jahresausstellung im Wechsel frei und thematisch durchgeführt wurde. 

Dieses Jahr kam irgendwann das Thema „#Unterwelten“ auf den Tisch- und blieb da. Prompt kam es zu der eigentlich früher fällig gewesenen Grundsatzdiskussion. Um es vorwegzunehmen, obwohl im Vergleich zu anderen Jahren die Beteiligung schwächer war, wurde es eine recht gute Ausstellung. Nicht nur der Presse fiel die sehr unterschiedliche Bearbeitung des Themas ,Unterwelten‘ auf. Sie reichte von Maschinen für den Tiefbau bis zu den Gefahren für die Vernunft. Mein Rückgriff auf die griechische #Mythologie war dagegen eher #konservativ.

Nachdem ich im Sommer und Herbst mit schwarz grundierten Leinwänden experimentiert hatte, wurde das zu meiner eigentlichen Motivation. Gestützt auf #Ovids Fassung des älteren griechischen Mythos von Orpheus und Eurydike , entschied ich mich für drei Phasen des Dramas: 1. Bei der Hochzeit der Königstochter #Eurydike mit dem ,Musikstar‘ #Orpheus, wird die Braut von einer Schlange getötet. 2. Dem verzweifelten Bräutigam gelingt es die Götter der Unterwelt gewogen zu stimmen. Er darf Eurydike in das Leben zurückführen— unter der Bedienung sich nie umzudrehen um zu sehen, ob sie ihm tatsächlich folgt. 3. Als er gegen dieses Gebot verstößt und sich umdreht, muss Eurydike für immer im der Unterwelt bleiben. 

Die Reaktionen auf diese Arbeit reichten von „typisch“ und „unverwechselbar“ über „mal wieder was ganz Neues“ bis zur Hervorhebung der Leuchtkraft der Farben auf dem dunklen Grund. 

( Die Ausstellung „Unterwelten“ in der Kulturhalle und in der Galerie des Künstlerbundes Tübingen geht noch bis Sonntag, 20. Januar 2019)

English Summary 

In our Art Association do we have an open discussion whether our annual show should have a title and subject or not. 2018 we reached a consense with the subject „Unterwelten“/ underworlds. 23 artists interpreted this suject in very different ways, reaching from caterpillars over social underground to mythology.