Stil und “style” (art77blog.axel-von-Criegern.de Nr.293)

“STYLE” Ist in vor allem in der jungen Alltagssprache und im weiteren Modebereich keineswegs die Übersetzung des Wortes “Stil”. Style bezieht sich auf den ganzen Lebens-Stil ,hat aber streng genommen damit nichts zu tun. Es ist das Wort einer anderen Zeit. Das wird beim Adjektiv “stylisch” noch deutlicher. ”Stilistisch” ist enger im Gebrauch.

Mich bewegten diese Gedanken als ich einer ganz anderen Sache auf der Spur war. Und zwar ergab es sich durch die kontinuierliche Arbeit mit den sozialen Medien, dass ich zwar jeden Tag künstlerisch arbeite, aber mit verschieden Funktionen und Zielen. Das eine Ziel ist mein wöchentlicher Freitags-Blog ”art77blog”, das andere habe ich mir dadurch ”eingebrockt”, dass ich die Woche über auf “Instagram” Präsenz zeige. Und wie eine Spange legen sich die Arbeiten darüber, die nicht in dieses Zeit-Raster passen. Irgendwie drängte sich mir die Frage auf, ob dieser Rahmen auf die einzelnen Prozesse und Produkte einwirken würde.

Skulptur aus Mahagony (Arbeitsfoto)
„Late sun“ , Acryl. 50x70cm ©️voncriegern 2021
„TV 07.06; 22:30“ Blackliner und Farbstifte, 15x15cm ©️voncriegern 2021

Durch dieses Zeit-Raster sehe ich die drei Arbeiten im weiteren Kontext von Lebensäußerungen, die zusammen ein in dieser Form unverwechselbares Leben bedeuten und formen.
Die Arbeit an der Skulptur aus Hartholz fordert Ruhe, Ausdauer, Verlangsamung des Denkens. Das grosse Papier lag im Atelier und forderte mich zu grösseren Malbewegungen mit den direkt davor stehenden flüssigen Acrylfarben heraus. Mit kleinen Holzkeilen ‚verzog‘ ich die Farbe. Den rechten und den linken Teil gestaltete ich an zwei aufeinander folgenden Tagen. Das hellere Licht und die sich wieder einstellende Heiterkeit gibt die linke Hälfte wieder. Auch die Grapheme wurden lockerer, bis hin zum scripturalen Blau links unten. Das kleine, 15×15 cm grosse Bild, entstand während des abendlichen ”Paar-Fernsehens”. Sehr selten faszinieren mich Sendungen so, dass ich ungeteilt aufmerksam sein kann und will. Das Papierformat lag noch vom vergangenen Abend auf dem Tisch. Ebenso die Farbstifte und der feine Blackliner. Durch dieses Vorgehen steht die jeweils entstehende Arbeit in einer Art von Serie. Dabei hat sich aber „etwas anderes machen“ als Motivation eingeschlichen. Neben allen Fortsetzungs-Merkmalen dominiert also die Opposition. Allerdings gibt es bei den kleinen Arbeiten kleine Korrekturen, kleine Akzente, die noch vor dem ins Bett gehen und am nächsten Morgen gesetzt werden.

Nun könnte ich in der Tradition der älteren Kunstgeschichte Merkmale herausarbeiten, die die „stilistische“ Zusammengehörigkeit belegen. Hier käme man zum „typischen Stil“ des oder der…Diesen Versuch habe ich abgebrochen , als ich die Chance sah die Lebenswirklichkeit mit einzubeziehen. Auch das konnte ich ja hier nur verkürzt leisten. Meine Notizen muss man sich in die Alltagserfahrungen eingebettet vorstellen -in einem Rhizom ästhetischer Erfahrungen und Entscheidungen. Und solche macht und trifft jeder Mensch kontinuierlich.
Und was hat das mit dem „style“ zu tun? Ich meine dass es bei diesem um kollektive, von ‚trends‘ geforderte ästhetische Verhaltensformen geht. Längst dienen sie nicht mehr der Klassen-Unterscheidung ,(die sich bezeichnenderweise des „Stils“ bediente), sondern folgen Moden, Medien und „Influenzern“. Der stimmige „style“ bietet (Schein-)Sicherheit.
So gesehen hat mein Beitrag eine erzieherische Komponente: wir müssen den „style“ als das verstehen, was er ist: Oberfläche. Lohnender ist es den eigenen Stil als Summe aller ästhetischen Aktivitäten bei sich sebst zu entdecken. Auf gehts!

English Summary

The difference between „Stil“ und „style“ is -as far as I know-specifically german. Generally spoken is ‚Stil‘ more old style, while ‚style‘ is more fashionable . In the plain translation both words are used in the arts, i.e. art history, art theory and esthetic. My art activities focus on the social media: art77blog every friday, daily work on instagram and larger projects depending on the reference to actual reflections. There’s a chance to watch and compare the production short term. So I stumbled into the question of a common style. In the language of young people „style“ and „stylishhave a particular stand but it has nothing to do with art terms. It’s more social. Discussing this point I couldn’t resist to encourage younger people to care about their own ‚style‘ in a more personal than social way.

„Erkenne dich selbst!“ (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.292)

„Spielraum“, Blackliner und Buntstifte/ colourpencil 15x15cm, 2021

Den eigenen künstlerischen Idiolekt zu kennen,gibt zusammen mit den handwerklichen Grundlagen, Sicherheit. Aber wir dürfen uns nicht gängeln lassen und unter Druck setzen. Ein Blick auf die eigenen Arbeiten zeigt, dass wir über mehrere Idiolekte verfügen.
Tiefer gründet etwas persönliches, das sich außerhalb, bzw. mit Hilfe der Kunst entwickelt hat. Bei mir sind es Skepsis gegenüber Normen, Widerstand gegen Anforderungen und Erwartungen, die an mich gerichtet werden. Sofort stellt sich Distanz ein. Das ist auf allen Lebensgebieten ein zentraler Impuls meines Handelns. Dieses dauernde Infragestellen macht das Leben nicht leichter und auch nicht freier. Mag dieses Verhalten in der Kunst noch als spezifisch akzeptiert werden, stößt es im Alltag häufig auf Unverständnis. Das Verhältnis von Idiolekt und Identität in der Kunst ist spannend , für die Akteure ist das #„Erkenne dich selbst“ aber vorrangig.

p.s. Nun kann man zurecht fragen wie bei meinem Beitragsbild die angesprochenen Probleme sichtbar werden? Die Antwort heißt: Mit meinen Zeichen (Idiolekt), Farbenwahl , Melodie und Rhythmus bewege ich mich in einem freien Spielraum, der sich in einem langen Leben gegen viele Widerstände, Niederlagen und Erfolge entwickelt hat.

#Kommt in Griechenland im 6.Jh. v.Chr. auf. Vielzitierte Inschrift am Apollo-Tempel in Dephi.

English Summary

The result of a weeks reflections is that there is something more than recognizing the special individual „Idiolect“ of an artist . It started in Greece about 600 b.C. that people asked themselves „Who am I?“ All of us,including the artists, are continuously asked this question. For me personally means it a resistance against „correctness“ ,trends, fashion, orders. It is not easy to live this way, but I need it! A battle for identity, independence, freedom. Certainly the small picture illustrating my reflections does not show this fight. But it stands for my special system of signs (idiolect), colors, rhythm. It shows my playground, a space for free breathing . I take it as a gift for of a long artistic life including all kinds of win and loose, worrying and happiness.

Mein plastischer „Idiolekt“ (art77blog. axel-von- criegern.de Nr. 291)

Wir kennen alle die künstlerische „Handschrift“. Wir meinen ohne besondere Hinweise einen Picasso, Giacometti oder Frida Kahlo zu erkennen. Es lohnt diesem schnellen Urteil Begründungen zur Seite zu stellen. Hier mache ich den Versuch anhand der Mahagony-Skulptur, die ich gerade erarbeitete, einen „Idiolekt“ zu benennen und aufzuzeigen. Beim plastischen Arbeiten versuche ich Bewegung in das Material zu bringen. Die tragenden Elemente sind dabei Rundungen und Aushöhlungen, Berge und Täler. Ein drittes Element ist der überbrückende Steg, eine Art von Rippe oder Handgriff. Er verbindet die Formen, steht aber auch für Richtung und Dynamik. Mit einem begabten Musiker-Enkel, der aber auch die Musikwissenschaft im Auge behält, habe ich an einem Beispiel von J.S.Bach darüber gesprochen. Für die guten Musiker und Komponisten gilt, dass sie die ihnen angeborene Prägung, zur Deutlichkeit entwickeln und gleichzeitig unendlich variieren. Von dem jungen Pianisten lernte ich, dass #Leonhard Bernstein(1918-1990) in Bezug auf seine Kompositionen von seinem „#Idiolekt“ sprach. Diesen Begriff, den ich bisher nur im Rahmen der Linguistik kannte, übernehme ich gern für die sichtbare Kunst.

English Summary

We are usually convinced that we know „a Picasso“ or Giacometti just from a first look. But what is the part of the Artists? While carving a sculpture from pretty hard Mahagony, I tried to figure out, what my sculptural „idiolect“ might be. Just look; maybe you name it.

I had a dream (art77blog.axel-von-criegern.Nr.290)

Dream
Back to carve …

Natürlich zitiere ich mit dem Titel des blogposts das berühmte „I have a dream!“ von Martin Luther King. Gegenüber seiner Vision einer neuen, gerechten, rassismusfreien Gesellschaft kommt mein Traum ziemlich banal daher. Handelt es sich doch um einen Traum, in dem ich erschreckend zu meiner täglichen Produktion von ‚Flachware‘ ,allen Arten von Bildern, auf Distanz ging und von der dreidimensionalen Arbeit als etwas reellem, handfestem, vertrauenswürdigem träumte. Mit der Erinnerung an eine angefangene, und für längere Zeit liegen gebliebene Arbeit in einem schweren Mahagony, nahm der Traum dann so konkrete Konturen an, dass ich am nächsten Tag den angefangenen Holzklotz aufstellte, das Werkzeug vorbereitete und mit bester Laune drauflos werkte. Für mich war der Traum der Fingerzeig um mich vor einer Abflachung in Routine zu warnen. Jedenfalls habe ich ihn so verstanden.

English Summary

Quoting Martin Luther Kings „I have a dream!“ the way I do it here, is somehow blasphemy. My dream has to do with my work as an artist. It was frightening to feel your selfconfidence in your daily work slide away. In the dream my paintings, drawings, paper works became very trivial and of little value. As a vision the threedimensional, sculpturing action appeared as rescue. I was so impressed, that I started to work again with a heavy mahagony trunk, which for over one year had patiently waited to be carved again. Certainly the Corona pandemic had a certain importance for this neglected part of my work. However it was good to feel the ‚ reel art‘ coming back to my body.

Kunst und social media(art77blog.axel-von-criegern Nr.289)

„Blätterballett“ ©️voncriegern 2021

Unter dem Stichwort „Bilder und Social Media“ finden sich in der Wikipedia eine Reihe von Beiträgen, die sich in einem Punkt einig sind. Auf die Erarbeitung der Bilder muss mehr Gewicht gelegt werden,als auf den Text. Man ist sich auch darüber einig, dass bewegte Bilder besonders attraktiv sind. Der Hintergrund der benannten Beiträge ist das Marketing. Wie bekomme ich meine Ware an die Frau/an den Mann. “Ware” ist heute eine gegenüber früheren Produktionswerten unendlich weit ausgedehnter Begriff. Er umfasst das Industrieprodukt ebenso wie eine „Identity“.

Sehen wir einmal von allgemeinerer Kulturkritik ab-Stichwort „oberflächliche Wahrnehmung, 1,7 sec. für ein Bild beim scrollen“- dann müssen Künstlerinnen und Künstler mit der Möglichkeit kostenfrei ,ohne weitere Vorgaben und mit großer Reichweite Bilder zu posten, glücklich sein.
Nach 5 Jahren Erfahrung unterscheide ich auf der einen Seite die vorwiegend von jüngeren Frauen genutzte personalisierte Präsentation von Fotos („ich und meine Fotos“) und auf der anderen Seite die ‚Ware Kunst‘ mit Preisangabe. Dazwischen gibt es verschiedene „Communities“, bei deren Zustandekommen Algorithmen kräftig mitwirken. Zusammen mt Tourismus-Werbung, Kuriositäten, Events ergibt das ein einmaliges Panoptikum. Mich selbst hier einzuordnen fällt mir nicht leicht. Ich biete die Teilnahme an meinem künstlerischen Alltag an. Ich verstehe Bilder generell als Teil menschlicher Kommunikation und dazu gehört das Bilder-Denken. Den Kern bietet „art77blog“, von WordPress betreut und auf Facebook geteilt. Untertitel :“Reflections of an artist“. Am Veröffentlichungsdatum teile ich noch auf Twitter. Seit einiger Zeit habe ich noch Instagram einbezogen, um die wöchentliche Lücke nicht zu groß werden zu lassen.
Was ich davon habe? Die zugegeben mehr oder weniger grosse Aufmerksamkeit von 2400 Menschen bei wachsender Tendenz. Was für ein 24-Stunden-Museum! Eine völlig neue Kunsterfahrung in einem demokratischen Bilder-Raum mit neuen Herausforderungen.

Und damit zurück zur Anfangsfrage welche Anforderungen die social media an Bilder stellen. Mein heutiges Beitragsbild entstand mit den iPhone als ich gerade das Haus verließ und auf einer großen Holzskulptur den Schatten der Blätter einer Klematis im Wind tanzen sah. Kunsthistorisch führt das ins Ende des 19. Jahrhunderts zurück als Mellies und andere Pioniere des bewegten Bildes und Films einen unbekannten Bildkosmos erschlossen. Ein Gang durch die ständige Ausstellung „Lotte Reiniger“ im Tübinger Stadtmuseum öffnet die Augen für diese Wunder.

Keineswegs beabsichtigt im Sinne der einleitend genannten Diskussion war der Zeitaufwand für die social media-gerechte Aufarbeitung meines kleinen „Blätterballetts“- die Unterlegung einer Tonspur, die ich von einem anderen Video abtrennte (Pit Eitle spielt auf meinen Klanghölzern) und die geforderte Komprimierung.

English Summary

Here I get in touch with the general problem how to produce and post pictures in the social media.I take it as a chance to discuss the situation of art in the „panopticon“ of Facebook, Instagram and Twitter. The little video is titled „Leafs ballet“.

Literatur

google: „bilder in social media“

Baier, Wolfgang. Geschichte der der Fotografie ,1980

Criegern, Axel von : art77blog.axel-von-Criegern “Wie geht Kunst?” ,edition cantz 2019

Krakauer, Siegfried. Theorie des Films. 1964(1960)

„Leichtigkeit“ ist… (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.288)

„Leichtigkeit“, Mixed Media, Assemblage ©️Voncriegern 2021

Ist Künstlerische Leichtigkeit eine Charaktereigenschaft, eine Begabung oder das Ergebnis harter Arbeit ? Welche Rolle spielen die gesellschaftliche, geografische, klimatische Bedingungen, zwischenmenschliche Beziehungen, das individuelle Schicksal? Ich habe mich daran gewöhnt, dass ich künstlerisch als leicht und verspielt gelte. Wie steht das aber zu meinen „schwergängigen“ Arbeiten, Phasen und Projekten? Z.B. den in monatelanger Arbeit entstehenden Holzskulpturen und den Blechplastiken Es gibt Menschen, die ihre Wertschätzung vor allem darauf richten. Für mich sind das alles zusammen Spielsteine im grossen Spiel der Kunst. Und zwar hier und jetzt. Strenge, -religiös, politisch,zwischenmenschlich, archaisch- kennt keine Leichtigkeit; sie wird zusammen mit den „Geschwistern“ Fröhlichkeit, Lachen und Witz bekämpft. Die Leichtigkeit ist auf ein hohes Mass an Freiheit angewiesen. Das darf nicht mit Willkür verwechselt werden. Es ist ein hochsensibles Spiel mit den Grenzen der Freiheit, bzw. der Freiheiten.
Soweit mein ungefragt abgegebenes Statement. In einem langen Künstlerleben werden viele dieser Facetten erlebt. Was aber als persönliche Quintessenz bleibt, ist das, was die Alten „per aspera ad astra“ nannten-ins Produktive gewendet: Schwere und Leichtigkeit wechseln sich notwendig ab, ja bedingen sich gegenseitig.
Mein in der vergangenen Woche entstandenes Beitragsbild gehört in eine Phase des Aufatmens, Enspannens.

#Criegern,Axel von : Meine Bilder. Wasmuth 2009. Hier sind weitere Beispiele für diese verspielte „Ader“ zu finden

# art77blog.axel-von-criegern: Wie geht Kunst? edition cantz 2019 Weitere in art77blog veröffentlichte Beispiele.

English Summary

what does „ease“ in the arts mean? Is it the particular character of an artist, a special gift or the result of hard work? Whats the part of social, geographic and climatic conditions? Dictatorship, dogma, rigor don’t like artistic ease the same way as laughter, jokes, graffiti and cartoons. Artistic ease needs freedom. For myself strength and ease belong together, are important for my concept of ‚playing art‘. The attached image closed a longer discussion of the „Graphic Novel“(See art77blog Nr. 264 ff.). I got stuck and remembered my artistic „virtues“: play art and watch what’s coming up.

Manchmal bin ich (feel like)Jan Steen(art77blog.axel-von-criegern.de Nr. 287)

„Manchmal bin ich Jan Steen“, Finemarker und Farbstifte/ colour pencil ©️VonCriegern 2021

Überraschend schenkte mir vergangene Woche ein Freund ein Heft „Jan Steen. Acht Gemälde des Meisters in farbiger Wiedergabe. Mit einer Kennzeichnung von Artur Seemann“ aus dem „Verlag von E.A.Seemann in Leipzig“ o.J. Bei dieser Gelegenheit habe ich die anderen frühen Veröffentlichungen, die ich im Rahmen meiner Arbeit über Jan Steen gesammelt habe, erworben habe, in die Hand genommen. Wie ein Papierschiffchen in Wind und Wellen schaukelt die Bewertung dieses Meisters niederländischer Kunst des 17. Jahrhunderts (1626-1679) in den kunsthistorischen Strömungen. Als sich 1700 n.C. der Geschmack der französischen Kunst und Lebensart zuwendet, gerät Steen ins Fahrwasser der Bauernmalerei, um dann ein Dreiviertel Jahrhundert später von Joshua Reynolds in die Höhe Raffaels gehoben zu werden. Heinrich Heine feiert in seinen 1834 entstandenen „Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewobski“ Jans geradezu heidnische, epikureische Lebensfreude.

Inzwischen hat die Steen-Forschung ein tolles,“modernes“ Niveau erreicht. Dabei muss die lustvolle, fröhliche und doch verdeckt kritische Empathie a la Heine ihren Platz räumen. Schade. Wenn er ebenfalls Raffael zitiert, dann schwingt da auch ein ironischer Ton in Bezug auf das Pathos der ‚Präraffaeliten‘, Nazarener und frommer Antikensehnsucht der Deutsch-Römer mit. Ich mag solche Sätze wie: “Keiner hat so tief wie er begriffen, dass auf dieser Erde ewig Kirmes sein sollte; er begriff, dass unser Leben nur ein farbiger Kuss Gottes sei, und er wusste, dass der Heilige Geist sich am herrlichsten offenbart im Licht und Lachen.“

English Summary („Sometimes I am/ feel like Jan Steen“)

Last week an old friend of mine gave me a book with eight colour- reproductions from works of Jan Steen (1626-1679). He knew about my long time Steen -studies. This brochure from the early 20th century brought back to my mind the changing critiques of Steens work through the centuries. There is a chapter in „Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewobski“ of Heinrich Heine from 1834 that matches my feelings: brilliant light and laughter are the unique components of Steens art.I love this.

#Jan Steen #ArturSeemann #niederländische Kunst #art of the netherlands #Kunstgeschichte #art history #französische Kunst #Bauermalerei #Joshua Reynolds #Raffael #Heinrich Heine #epikuräisch # Präraffaeliten # Nazarener #Deutsch-Römer

Lit.

Criegern,Axel von. „Abfahrt von einem Wirtshaus.Ikonographische Studie zu einem Thema von Jan Steen“. Oud-Holland 86, S.9-31.

ders. Zu selbem Bild: „Dramaturgie eines Bildes. Auseinandersetzung mit Jan Steen (1626-1679): „Abfahrt von einem Wirtshaus“ (Staatsgalerie Stuttgart) , 2004

Jan Steen.Maler und Erzähler“ Hg. H.Perry Chapman, Wouter Th.Kloek, Arthur K. Wheelock Jr., 1996

Karin Sander: Kunst der Ermutigung (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.286)

“Komm ins Offene“ (Für Karin Sander) ©️Voncriegern 2021

Warum war ich während und nach dem Besuch der „Office Works“ von #Karin Sander in der Kunsthalle Tübingen euphorisch , während Freundinnen, die sich aus einer Gruppenführung herausstahlen, flüsterten, sie könnten damit überhaupt nichts anfangen.?!


Der amerikanische Autor (Filmemacher, Maler,Schauspieler) John Waters hat einen Beitrag zu den „Office Works“ verfasst, der über QR-Code, die die Hauptwand der Kunsthalle beherrschen, zu hören ist. Dieser Text liefert herrliche Anstöße um die poetische Ästhetik zu verstehen, die K.S. trivialem Büromaterial abgewinnt.

Eine andere Passage dieses Textes hat mich ganz tief innen erwischt: „Die eher kunstferne, allgemeine Öffentlichkeit könnte Karin Sander für eine Verrückte in einem Schreibwarenladen, die Artikel für Bürobedarf hortet (…) oder für eine Putzfrau, die nach Dienstschluss die Papierkörbe der Angestellten durchwühlt und die Fehler des vergangenen Arbeitstages kidnapped(…)halten, aber für die anderen, für uns, die Kunstsammler mit einem Sinn für Humor, die Kuratoren, die Schönheit sehen, wo andere blind sind oder die Kritiker, die das Magische zu erkennen vermögen, ist Karin Sander eine großartige Künstlerin, deren Low-Budget-Büro-Zeichnungen gottvoll sind brüll-komisch,sexy und tief durchdrungen von historischer Disziplin…“

Was mich da tief trifft hat primär gar nichs mit Karin Sander und ihrer Kunst zu tun. In meiner Erziehung wurde alles getan um mir beizubringen, dass man sehr wohl das Höchste von sich verlangen muss, ohne dabei auf andere herabzublicken. Höre ich jetzt den guten John Waters, dann ist das im Sinne dieser Erziehung unverzeihlich anmaßend. Dabei benennt er exakt das, was mir in der Kunsthalle passiert ist. Im Sinne Waters bin ich für die befreundeten Damen einer der anderen. Warum mich das trifft? Weil ich immer wie alle sein wollte, das „anders sein“ nicht als persönliche Qualität, sondern letztlich als etwas zu Überwindendes verstand. Eigentlich erst jetzt, in der letzten Lebensphase, bin ich bereit das alles als mein persönliches anders sein zu akzeptieren. Vielleicht sogar noch in seiner besonderen Qualität zu respektieren?!
In der Kunst Karin Sanders begegnet mir ein mutmachendes Modell. Die Themen werden mit einer gut gelaunten Gnadenlosigkeit durchgepaukt, ohne darauf zu schauen, ob das überhaupt jemanden interessiert. Und das alles mit einer beeindruckenden Souveränität. „Uns“, den Künstler/innen, die nicht diese göttliche Begabung haben, zeigt sie Wege ins „Offene“. Das sind Wege zur Überwindung der selbst gesteckten Grenzen. Und das gilt auf Dauer und jeden Tag. Das ist doch etwas?!?!

English Summary

I did have the chance to see the „Office Works“ of Karen Sander in the Kunsthalle Tübingen. It made me really happy. The author, actor,painter John Waters wrote a wonderful essay which as QR-Code appears at the major show wall of the Kunsthalle. In the text is a passage that touched me deeply. That has to do with the special qualification required from the visitor of the brilliant show. Water makes a decisive difference between „us“, the art collectors, curators, criticists and the common people who can’t appreciate the special art of the „Office Works“. What hits me is exactly this somehow elite consciousness. I didn’t learn that in 81 years. But I must concede that there must be a difference between professional and average art approach. But I was not educated to think in terms of high and low which I read in Waters text. Sander shows a charming carelessness on this behalf, that makes me feel good!
#Kunsthalle Tüngen: KARIN SANDER. 27.03.2021-04.07.2021

Als Kunst-Blogger im social media-stress (art77log.axel-von-criegern.de Nr.285)

„Stress-Abbau“, Grafit, Acryl ; ©️von Criegern 2021

Eine kurze Besinnung darauf, was „#social media“ sind: Facebook ist als Mitteilungs-und -Tratsch-Medium von und für Studierende erfunden worden, Instagram als schnelles Medium zum Veröffentlichen von Fotos und auf Twitter können „tweeds“, Mitteilungen, Positionen und Meinungen verbreitet werden. Ein Künstler -Blog, der anhand von eigenen Bildern und Gedanken wöchentlich für die Kunst, das Leben mit Kunst und künstlerische Wahrnehmung entwickelt, hat da keinen Platz.

art77blog“ist zwar erklärtermaßen nicht als akademisches, sondern allgemein verständliches ‚Format‘ entwickelt worden, passt aber aufgrund des regelmäßigen Erscheinens (seit 2016 jede Woche Freitags), die Einbindung von Bildern in Gedanken, das Bemühen um Kontinuität verbunden mit unterhaltsamen und didaktischen Beiträgen nicht zur Schnelllebigkeit der social media. Der blog stellt sich quer zu den rechnerischen Filtern, der Häufigkeit der Nennungen, der Schlagwörter, Algorithmen und „influencing“. Es gibt nichts zu verkaufen, eine Behandlung als Verkaufsplattform mit dazugehöriger Werbung greift nicht.

Ich gebe zu, dass ich ziemlich besessen bin von meinem Projekt und ich reagiere auf die mediale Umgebung meines blogs. Auf Facebook habe ich neben „art77blog“ ein weiteres , weniger spezielles Konto „Axel von Criegern“ eingerichtet. Es vernetzt mich mit (heute) 1710 Freundinnen und Freunden. Relativ spät erkannte ich die Bedeutung von Instagram letztlich auch für den blog. Der account „voncriegern“ hat 514 follower. Die im Trommelfeuer der Social Media geradezu befremdlich erscheinende „Monotonie“ von „art77blog“ versuche ich dadurch lebendiger zu gestalten, dass ich mehrmals in der Woche Ergebnisse meiner aktuellen Arbeit, aber auch Signale des künstlerischen Lebens auf ein Instagram-Konto stelle (voncriegern), die mit Facebook geteilt werden. Zwar bietet Instagram keinen Link zu „art77blog“ an, aber als Hashtag verweise ich auf den blog. Im Moment bemühe ich mich darum mehr von den „Axel von Criegern“ – Freundinnen und Freunden für das Abo von“art77blog“ zu gewinnen.

Warum ich diese Situation aber als „stress“ empfinde, muss ich erklären (s. Beitragsbild):

Jeden Freitag der Woche nach dem Veröffentlichen des Blog-Beitrags wenden sich meine Gedanken einem neuen Thema zu. Diese entstehen entweder zu einem beim Gestalten auftretenden künstlerischen Problem oder Thema oder werden gedanklich erarbeitet und vom Entwurf des Beitragsbilds begleitet.

Neben den dafür notwendigen Recherchen entstehen fast täglich Beiträge für Instagram. Das sind meistens kleinere Arbeiten, Funde, Beobachtungen oder Zeichnungen, die zum Fernsehen entstehen. Damit bemühe ich mich um Präsenz und Verbindungen zum Kern-Projekt “art77blog“.

Wenigstens in einem Punkt gelang es mir Stress abzubauen. Durch das Covid-19- bedingte engere Zusammenleben wurde meine Frau Zeugin meines Engagements für den Blog. Ich glaube das war der wichtigste Faktor bei meinem Media-Management!

English Summary

When I started my blog „art77blog“ 5 years ago with WordPress I didn’t expect any stress. But exactly this became more and more important. The actions on Facebook, Instagram and Twitter are not really supporting an art blog. Basically is there no room left for reflections and discussions. After some years I found out that I can’t publish the bloc without watching the medial environment. So I filled up the weekly gap between the Fridays with minor posts on Instagram („voncriegern“) to show presence and continual activity. As next step I tried to invite as many as possible from my 1700 friends of my facebook account „Axel von Criegern“ to follow „art77blog“. This way I hope to make my life as artist, author and blogger more comfortable. One probably decisive item is the fact that during the COVID-19 shutdown my wife learned and accepted the seriousness of my blogging.

#Die Seite „Kunst und social media“ im Internet (Google) gibt nicht nur einen Überblick über die wissenschaftliche Diskussion dieses Themas, sondern auch Informationen zu Ausstellungen, Interviews mit Kuratorinnen und Kuratoren, Redakteurinnen und digital arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern. Sehr interessant“

KUNST VERMITTELN HEISST FREIHEIT VERMITTELN (ART77BLOG.AXEL-VON-CRIEGERN.DE NR.284)

„FLOATING“, FARBSTIFTE, FINEMARKER (Copyright v. Criegern2021)

Was ich damit meine, ist die lebendige Einstellung zur Kunst. Freiheit heißt bei der Kunstvermittlung nicht gängeln, aber auch keine Patent-Filmchen. Sie gründet auf Sachwissen und eigenen gestalterischen Erlebnissen. Die Anteile von Lehre und Fachwissen sind in der Moderne geschrumpft zugunsten einer offenen, unverkrampften Wahrnehmung.

Meine Arbeit beruhte schon in „analogen“ Zeiten auf dem oszillierenden Verhältnis von Bild und Sprache. Alles zielt auf Intelligenz, die Kunst sichtbar und erlebbar macht. Ich hatte Probleme mit entsprechenden Fachdiskussionen, die komplizieren statt zu vereinfachen. Hier wollte ich weiter machen. Lange nach meinen Uni-Jahren erkannte ich in den social media eine neue Möglichkeit. Das war aber für einen Künstler-Kunst-Vermittler mit 77 Jahren nicht so einfach.

Stationen waren:

Sommer 2016: Die eigenen Kinder „infizieren“ mich mit dem Silicon Valley- Virus: du musst wagen, offenlegen, mitteilen, zeigen…( Christoph Keese: Silicon Valley u.a. Austin Kleon: Show your work u.v.m.) WordPress hilft mir beim Blog und vermittelt zu Facebook.

Ab Sommer 2016: Der wöchentliche Dialog zwischen (eigenem) Text und (eigenem) Bild klärt sich. Experimente mit Video, Klang, digitalem Zeichnen synchron zu Musik…

Frühjahr 2017: die anfänglich englischen Texte (der Blog wurde zuerst ausschließlich von WordPress betreut) werden durch eine deutsche Fassung mit englischer Zusammenfassung (English Summary) abgelöst. Ursache war das vorherrschend deutsche Feedback.

2019: In einer Buchversion soll die Entwicklung vom Sommer 2016 bis zum Sommer 2019 festgehalten werden.Das waren sehr spannende Erfahrungen mit dem Verhältnis der digitalen Fassung zur Print-Version. (art77blog.axel-von-criegern: “Wie geht Kunst?“ edition cantz 2019- vergriffen) Der Titel des Buches und der begleitenden Ausstellung ist provozierend, denn genau diese Frage kann und will ich nicht beantworten. Dagegen bot ich Einblick in Prozesse vom Original zum Buchlayout und Videos (YouTube Axel von Criegern und art77blog).

Nach 2019: -die Erfahrung mit der umfangreichen und dichten Repräsentation der Ausstellung (Dank allem an Maks Dannecker ,Marc von Criegern und David) machte mir etwas überdeutlich: ich möchte „Kunstgefühl“, täglich erlebte Kunstbegeisterung wecken. Dafür setze ich meine wöchentlichen Bild-Text-Montagen ein. Das sind meine ‚Produkte‘. Das Motiv Kunst-Verkauf tritt zurück. (Wie fragte ein follower: „And this all for free?“ ). – ich muss meine Medienpräsenz lockerer gestalten. Als erstes habe ich ein Instagram-Konto eingerichtet und Bilder mit ’hashtacks‘ und Verweis auf art77blog eingestellt. -die sozialen Medien haben mich gelehrt meine studierte Hochkunst-Position in Frage zu stellen und alle Formen der künstlerischen Tätigkeit zu respektieren. Auch hier ist es wichtig locker zu lassen und sich zu öffnen. Ein deutliches Indiz war die sich immer weiter öffnende Schere zwischen den 120 Abonnenten von art77blog auf Facebook und den followers und Freunden auf meinemFacebook-Konto (1500+) und Instagram (500+). Die über 1200 WordPress Follower habe ich „abgespeckt“. Auch wenn es kein SPAM war, waren die Kommentare meistens nichtssagend. Mein Verdacht: „bots“. -Das aktuelle Problem sind die trotz unprätentiöser Sprache noch immer vergleichsweise schweren Texte. Sie schrecken sicher einige ab. Am ehesten lesen sie dann das ‚English Summary‘ (Der Untertitel von art77blog heisst „Reflections of an artist“). Ich glaube, das kann man nachvollziehen.

Das kleine Beitragsbild ist möglicherweise noch nicht ganz ‚fertig‘, spiegelt dadurch aber auch mein Bemühen um die Vermittlung von Prozessen und Öffnung wieder.

English Summary.

I started my “blog art77blog.axel-von-criegern“ with 77 years. My idea was to conceive an non- academic approach to art based on an open dialogue between reflections and self designed art work.This doesn’t necessarily mean „low level“. In contrary is it very challenging to wrap ambitious stuff in a humil and modest way. The todays blogpost shows some steps of that stony way that I had to go in meanwhile 5 Years and 284 posts. And there is still a long way to go.