Das Warenzeichen des Bäckers Modestus (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.242)

Links: „Flora“ ,Wandbild aus Stabiae, Museum Neapel. 1.Jh. n.Chr. Rechts: angeblich das Warenzeichen des Bäckers von Modestus aus Pompeji ( Foto :Tilman Rösch ©️2020)

Die beiden Archäologen erstarrten: da lag zwischen Servietten, Gebäck und Aperitiv-Gläsern ein ca. 3 cm grosses Artefakt mit einem dunkel-schokoladenfarbnem Stempel. „Pompeji !!“ entfuhr es den beiden. Ohne Zweifel die Silhouette einer sich elegant und tänzerisch bewegenden Frau. Während das Untergewand rhythmisch Musik zu skandieren schien und die Figur fast schweben ließ, verriet die straff über den Busen und die Schultern gewickelte Stola die Würde einer römischen Dame. Das Ganze hatte etwas von abgebrochenenem Brot. „ Sollte es etwa …?“ Man hatte bei Grabungen in Popeji an einem Haus den Hinweis auf einen Bäcker mit Namen Modestus gefunden. Könnte das gar ein Qualitätsstempel des dann allerdings nicht so bescheidenen „Modestus“ sein? Das wäre beispiellos und sensationell. Nach dem verheerenden Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr., waren wohl schon bald Überlebende zurückgekehrt um unter der Asche-und Gesteinsschichten nach allem zu suchen, was sie in Panik hatten liegen und stehen lassen. Viel wahrscheinlicher war aber dass bei einer der späteren (Raub-) Grabungen so ein Bruchstück in den Grabungsschutt geraten und dort nach Hunderten von Jahren entdeckt worden war. Ein völlig unangemessenes Lachen riss die Gelehrten aus den Träumen: das sei ein Stück von der „Focaccia“, die die Dame des Hauses gebacken hätte und das Schwarze seien zusammengebackene Oliven. Also nix Sensation. Das sahen aber andere nicht so: Kurze Zeit später wurde getwittert: „Archäologische Sensation: antiker Brotstempel in Pompeji entdeckt!!“

English Summary
Two archaeologists and their wives met for an aperitivo. Enjoying their aperol spritz they both shouted loud and pointed at a small kind of artefact inmidst of the plates, glasses and napkins: „Look at this, unbelievable!“ In a bread-like brown object a black silhouette of a dancing lady seemed to be stamped in. They knew from a baker with name ‚ modestus‘ in old Pompeji, but a bread-stamp??? The laughter of the ladies woke them up. It was the piece of a real „Focaccia“ with handful of black olives baked together. But what was that: A tweet announced: „Sensation! Brand („sigillum“) of an ancient pompeian bakery found“ Now our two scholars and their wifes looked pretty perplexed, believe me.


#Lit. Marcel Brion, Pompeji und Herculaneum, zweite deutsche Auflage Köln 1965 ( engl. Original: Pompeii and Herculaneum. The Glory and the Grief)

3 Gedanken zu “Das Warenzeichen des Bäckers Modestus (art77blog.axel-von-criegern.de Nr.242)

  1. Ist es nun eine frühe Form von fakenews oder nicht? Auf jeden Fall ein sehr schöner Titel und wieder mal ein ungewöhnlicher Weg sich der Kunst zu nähern.
    Künstlerische Grüße, Marc

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