Jan Steen (1626-1679) und das Blech ( Nr. 113)

Jan Steen  (1626-1679), Abfahrt von einem Wirtshaus, Staatsgalerie Stuttgart
„Rederijker“
Die Kartenspieler; Aluminium, geschnitten , unbemalt
…und lackiert
Spielmann ( 360 Grad)
Die Bild- „Mannschaft“  auf einer Treppe (mit Künstler)

Die „Abfahrt von einem Wirtshaus“ des niederländischen Malers Jan Steen (1626-1679; Staatsgalerie Stuttgart) habe ich als zweites Bild einer Steen-Reihe verarbeitet. Mit der Bedeutung hatte ich mich im Rahmen meiner Dissertation 30 Jahre zuvor vertraut gemacht. Jetzt war mein Ziel das Bild zu „öffnen“- und zwar in jeder Hinsicht. Wir sollten uns physisch hineinbewegen können und lebendigen Zugang zur „Handlung“ finden. Das erste Konzept war eine Revue mit beweglichen Figuren. Pappe schied  als nicht robust genug aus. So landete ich beim Blech. Die gesamte „Mannschaft“ des Bildes wurde aus Zinkblech geschnitten und farbig lackiert. Die Handlung schrieb ich in Form eines Laienspiels a‘ la Shakespears „Sommernachtstraum“  oder „Herr Peter Squenz“ (Andreas Gryphius). Auch in den Niederlanden gab es vorwiegend von Handwerkern gebildete literarische Gruppen mit dem schönen Namen „Rederijker“, Rhetoriker. Studierende der Kunstpäagogik und der Theaterwissenschaft der Uni Gießen übten das Stück ein. Wir spielten das Stück „ Das Narrenschiff“ auf einer Puppenbühne des Instituts für Kunstpädagogik. Die Figuren wurden mit schwarzen Holzstäben geführt. Die vier schwarz gekleideten Herren sind Rederijker, die den dramatischen Rahmen liefern.

Sowohl für Ausstellungen des Projekts ( 2004 Kunsthalle Giessen, 2004 Kulturhalle Tübingen ; Katalog : „Dramaturgie eines Bildes. Auseinandersetzung mit Jan Steen (1626-1679 ): Abfahrt von einem Wirtshaus“ (ISBN 3-933916-12-7) als auch für größer ausgelegte Aufführungen erarbeitetete ich große Figuren. Sie wurden mit der Stichsäge aus Aluminium geschnitten und bunt lackiert.Faszinierend war die Idee der Tübinger Tanztheatergruppe „Treibhaus“ zum Abschluss der Tübinger Ausstellung mit den Figuren zur Musik rumänischer „Fanfaren“ zu tanzen.

Einen Schritt weiter ging ich mit einem Nicht-Steen-Projekt, in dem ich antike Figuren (Gipsabgüsse) möglichst vollrund aus Zinkblech formte und im Abgußsaal des Universitätsmuseums TüBingen ausstellte. Von diesen Erfahrungen profitierte ich bei einem weiteren Steen-Projekt, in dem ich die Figuren des Kasseler „Dreikönigsfestes“/“Bohnenfestes“ in ca 60 cm hohen Rundfiguren aus Zinkblech nachschuf und 2007 in der Galerie des Künstlerbundes Tübingene.V. ausstellte.

Literatur zu den Steen-Projekten:

Abfahrt von einem Wirthaus. Ikonografische Studie zu einem Thema von Jan Steen. In: Oud Holland. Tijdschrift voor Nederlandse Kunstgeschiedenis 1/1971, S. 9-32 ( Kapitel aus meiner Dissertation).

2oo3 der Katalog zum Stuttgarter Bild Steens (s.o.). Dort eine Reihe von Aufsätzen und Büchern zur Schnittmenge von meinen Steen-Forschungen und der Ästhetischen Erziehung

„Wie die Alten sungen…“ Auseinandersetzungen mit einem Bild von Jan Steen (1626- 1679). Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen ,1999. Dazu erschien ein Katalog. Tübingen, (Gulde)

„Lustige Gesellschaft auf einer Gartenterrasse“. Ein Bild-Bild-Diskurs über ein Gemälde des niederländischen Malers Jan Steen (1626-1679). München, koepäd 2006.

Einen Überblick über meine Steen-Projekte bietet meine homepage https://axel-von-criegern.de

English Summary:

My metal-sheet-work startet 2003 when I wanted to transform a picture by the  dutch painter Jan Steen (1626-1679) into a cabaret-show. Cartboard was not solid enough , so I tried zinc -sheets.. Fore another Steen- project with bigger figures I used thick sheets of aluminium- much lighter than zinc.

 

 

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