Schöpferische Pause/ creative break (Nr. 108)

 

 

 

Meine tiefe Überzeugung ist, dass Kunst erst in der Anwendung ihren Sinn bekommt. Sie gestaltet Material, kann Zeichen für politische Meinungen, soziales Engagement, religiöse Inhalte und Menschlichkeit sein. Über Motive, Aufträge und Verwendung von Kunst in vorgeschichtlicher Zeit können wir nur Vermutungen anstelle. Für die geschichtliche Kunst lässt sich dieses Verhältnis mit Hilfe von Quellen rekonstruieren. Ich möchte von künstlerischen Problemen und Lösungen bei einer normalen Aufgabe des Communication Designs berichten.

„Für die Corporate Communication,die moderne Unternehmenskultur, haben Bildelemente, Logos und Figuren grosse Bedeutung..Sie sind Bestandteil der Corporate Identity, wirken nach Außen und spielen im Inneren eine wichtige, identitätsstiftende Rolle. Eine solche Figur („charakter“) sollte ich für  eine  Unternehmensgruppe des Sektors Bauen/Baustoffe entwerfen. Ihre Botschaft sollte sich nicht auf einzelne Produkte oder Leistungen beziehen, sondern allgemein auf  die Firmenphilosophie und  Unternehmenskultur. Zu den Visionen des Unternehmers gehörte eine identitätsstiftende Figur, die fordert, lobt, anregt, selbstbewusst , clever und wendig ist und vor allem unterhält.. Sie muss in sehr verschiedenen Situationen wiedererkennbar sein. Eine Vorgabe waren Leitsätze, die der Unternehmer für jedes Jahr formulierte. Die zu entwickelnde Figur sollte auf diese Leitsätze Bezug nehmen.“

Leicht abgewandelt steht es so in einer Dokumentation, die ich nach 8 Jahren der Zusammenarbeit vorgelegt habe.

Beim Telefonieren lache ich viel und gern. Ohne mir dessen gross bewusst zu sein, versuche ich die Distanz in dieser Situation zu überbrücken, eine offene Situation zu schaffen und Entgültigkeit zu vermeiden. Meine lachende Ansage ist: „Entspannung“. Im Falle einer Engstelle, die ich bei der Entwicklung besagter Figur auf mich zukommen sah, suchte ich auf einem „Nebenweg“ Entspannung- und entwarf ein Kartenspiel. Da ich mit Kindern und Enkeln gern „Doppelkopf“ spiele, lag das vielleicht nicht ganz so fern. Alle Figuren wollte ich in Anlehnung an meinen „Helden“ gestalten, ob König, Dame, Bube oder Ass. Dabei schweiften meine Gedanken ab: Wie weit lässt sich meine „identitätsstiftende“ Figur hinsichtlich Alter, Geschlecht, Kostüm und Rolle variieren? Und einmal im Verwertungsdenken: Könnte das Spiel ein Geschenk für Partner und Kunden sein, ein Merchandising-Produkt?

Das ist das Befreiende solcher „Ausflüge“: Sie machen den Blick frei auf Mögliches und machen neugierig auf Kommendes. Das wichtigste und letztlich schöpferische ist die Besinnung darauf, was da eigentlich passiert ist, bzw. nicht passiert ist.

English summary

The major sense of art for me is its use, its application. We know little about prehistoric idols, but they were certainly part of rites or cults. Medieval art was almost completely sacred. Today art as psychological or therapeutical tool is „in“. When I designed a logo-character for a construction materials-company, I noticed one day a total lack of inspiration. It was time for a creative break. I designed play cards inventing relatives and descendents of my basic character. It was certainly not really what the boss wanted, but it helped to make me feel free again, relaxed and „ unchained“.

 

Ein Gedanke zu “Schöpferische Pause/ creative break (Nr. 108)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.