„Malerisch, picturesque“ ( Nr. 97)

„Strand“, Tuschestift, September 2017, ©avc

1.) Meine Gedanken zu diesem Beitrag wurden durch eine morgendliche Beobachtung am Strand ausgelöst. Das silbrige Licht auf dem Meer und der leicht dunstige Himmel lösten die Lust zu einer Skizze aus. Warum? Das war kein spektakuläres Motiv , aber es hatte etwas, das sich beim entspannten Sehen immer mehr mit Erinnerungen an silberlichtige Landschaftsbilder von Claude Lorrain , Romantiker, plein air bis zu den Impressionisten füllte. Unter diesem Eindruck versuchte ich mit leicht gestrichenen waagrechten Linien einen silbrigen, atmosphärischen Grund zu legen. Der Rest waren dann vertikale  grafische Akzente. Diese Beobachtung ließ mir keine Ruhe. Plötzlich sah ich in einer Gruppe älterer Frauen, die in lebhaftem Gespräch bis zu den Waden im Wasser standen eine Gruppe von Rodin a la „Die Bürger von Calais“.

„Zeus“, Tuschestift, September 2007 ©avc

2.) Später entdeckte ich unter den alten Fischerbooten eines, das mir „gefiel“. Warum? Da war die zweiflügelige Lamellen-Kajütentür , Seile Netze, Geräte. Das sah nach Abenteuer aus und dann entdeckte ich auch noch am Heck in Großbuchstaben den Namen “ ZEUS“ – wenn das kein Motiv war.

„Maria trocknet das Kind ab.“ Tuschestift, September 2017, © avc

3.) Jetzt war sozusagen mein “ Jagdinstinkt“ , um ein etwas schiefes Bild zu verwenden, geweckt. Gestern Abend, als der Strandbetrieb so langsam zu Ende ging, sah ich neben mir die schöne „Maria „im Bikini ihren Knaben, den sie vor sich auf einen Stein gestellt hatte, abtrocknen. Auch hier war es so, dass nach einer ersten Anmutung “ Madonna badet Jesuskind “ , dieses Motiv sich immer stärker von der Folie der Figuren im Hintergrund  ablöste und dominant wurde.

Beim Versuch dieses Phänomen irgendwie in der Ästhetik aufzuspüren, erinnerte ich mich an Goethes „Weimarer Preisausschreiben “ , in dem alljährlich die deutschen Künstler aufgefordert waren , sich mit einer vorgegebenen Stelle aus der antiken Literatur auseinanderzusetzen. Dabei waren die Bewertungskriterien eng an die klassizistische Kunst angelehnt. Das ist zwar keine Erklärung für meine Beobachtungen, aber vielleicht eine Spur, der man folgen könnte. Welche Rolle spielt z.B. die Literatur bei der  Motiv-Bildung?

Vergl. von Criegern, Axel, “ Ferdinand Hartmann ,Hans Heinrich Meyer, der Geheimrat Goethe und wir-Anmerkungen zu den Weimarer Preisaufgaben.“ In: Schiementz, Walter und Beilharz, R. (Hg.) Ins Bild gesetzt. Weinheim: Deutscher Studienverlag 1995.

When I chose the title „malerisch, picturesque“ it was a little ironically , because I couldn ‚t  find words for „what’s behind an artistic motive“?  Doing some experiments I found out that the very first thing before drawing a line is a vision of a motive. Things that have already been performed earlier. Not particular works of art, architecture, theater, performing arts or even literature, but a blend of allusions. And when I start working, these memories become more and more materialized,  they become the subject of what is there growing as “ art“.

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4 Gedanken zu “„Malerisch, picturesque“ ( Nr. 97)

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